Forscher hatten 2023 bereits gewarnt
Berühmte Eiskapelle am Watzmann komplett eingestürzt – Nationalpark schlägt Alarm
Schocknachricht aus Schönau am Königssee: Die legendäre Eiskapelle ist kollabiert. Für den Nationalpark ist der Einsturz ein klares Zeichen des Klimawandels. Nun wird vor einer neuen, akuten Gefahr gewarnt.
Schönau am Königssee – Die Eiskapelle am Fuße der Watzmann-Ostwand ist eingestürzt. Eines der bekanntesten Geotope Bayerns ist damit verschwunden. Der Nationalpark Berchtesgaden bestätigt in einer Mitteilung, dass der Kollaps eine Folge des fortschreitenden Klimawandels ist. Seit Jahrzehnten galt die Eiskapelle als einzigartiges Naturphänomen, zugleich aber auch als fragiles und zunehmend gefährliches Gebilde.
Nationalparkleiter Roland Baier spricht von einem „bedrückenden und schockierenden Verlust“. Die Eiskapelle sei nicht nur eine beliebte Sehenswürdigkeit gewesen, sondern auch ein wissenschaftlich wertvolles Objekt. „Der Einsturz ist ein deutlich sichtbarer Beleg dafür, welche Veränderungen der Klimawandel vor Ort mit sich bringt. Dem Verschwinden der Eiskapelle werden in wenigen Jahren auch unsere beiden Gletscher folgen“, so Baier.
Experten warnten schon lange vor Kollaps
Tatsächlich hatten Experten schon lange vor einem Einsturz gewarnt. Bereits vor zwei Jahren erklärte der Höhlenforscher Andreas Wolf im Interview, dass die Randklüfte und der Eingangsbereich der Eiskapelle immer dünner und damit hochgradig einsturzgefährdet seien. Wolf, Mitglied der Bergwacht und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, begleitet die Vermessungen seit 1994. Er dokumentierte den massiven Rückgang: In Summe verlor die Eiskapelle seit 1953 fast eine Million Kubikmeter Firneis. Allein zwischen 2019 und 2022 halbierte sich ihre Fläche von 37.800 auf 18.900 Quadratmeter.
Wolf erinnerte damals auch an tragische Unfälle: 1984 starben Schüler im Höhleneingang, 2018 kam ein Bergsteiger ums Leben, als ein auskragendes Eisfeld abriss. „Die Randkluft ist einer der gefährlichsten Bereiche. Ohne Vorwarnung können dort große Eis- und Felsmassen abbrechen“, sagte er im Gespräch. Seine Empfehlung war eindeutig: Die Eiskapelle solle man nur aus sicherer Entfernung betrachten.
Früher Zeitpunkt des Einsturzes überrascht Forscher
Auch wenn die Entwicklung in den letzten Jahren absehbar war, hat der frühe Zeitpunkt des Einsturzes die Forschenden überrascht. „Zwischen 2017 und 2019 gab es durch schneereiche Winter noch einmal Zuwächse, die Hoffnung auf eine Stabilisierung gaben. Doch dass der Kollaps schon im Sommer 2025 passiert, hat uns überrascht“, erklärt Wolf nun in der Mitteilung des Nationalparks. Ob sich die Eiskapelle künftig in kleinerer Form neu bildet, ist unklar.
Mit dem Zusammenbruch sind neue Risiken entstanden. Im Eisgraben drohen massive Steinschläge, große Blöcke lösen sich aus den Moränenhängen und rutschen talwärts. „Wir warnen Wanderer eindringlich vor dem Betreten der Reste. Auch die letzten Eiswände können jederzeit kollabieren“, betont Baier. Die Eiskapelle galt lange als eines der 100 bedeutendsten Geotope Bayerns und war ein beliebtes Fotomotiv. Bereits Alexander von Humboldt besuchte sie 1797. Nun ist sie zum Sinnbild des beschleunigten Klimawandels geworden. „Die Veränderungen hier im Nationalpark machen sichtbar, was auf uns zukommt“, sagt Baier.
