Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Einzigartiges Geotop

Eiskapelle am Watzmann eingestürzt: „Es ist bedrückend und schockierend zugleich“

Die Eiskapelle, eines der schönsten Geotope Bayerns, existiert nicht mehr. Schneearme Winter und hohe Temperaturen im Sommer haben der Eiskapelle in den vergangenen Jahren deutlich zugesetzt – im Laufe der letzten Wochen ist sie nach und nach eingebrochen.
+
Die Eiskapelle, eines der schönsten Geotope Bayerns, existiert nicht mehr. Schneearme Winter und hohe Temperaturen im Sommer haben der Eiskapelle in den vergangenen Jahren deutlich zugesetzt – im Laufe der letzten Wochen ist sie nach und nach eingebrochen.

Berchtesgaden – Der Einsturz der berühmten Eiskapelle am Fuß der Watzmann-Ostwand markiert einen dramatischen Wendepunkt für den Nationalpark Berchtesgaden: Eine der 100 bedeutendsten Geotope Bayerns ist seit dem Sommer 2025 verschwunden – und damit ein weithin sichtbares Opfer des Klimawandels.

Update, Mittwoch (10. September) - Alpenverein informiert

In der Pressemeldung durch den Nationalpark Berchtesgaden bezüglich des Einsturzes der Eiskapelle am Watzmann wird im letzten Absatz darauf hingewiesen, „dass durch den Einsturz auch die Zustiege in die Watzmann-Ostwand betroffen“ sind.

Der Deutsche Alpenverein möchte darauf hinweisen, dass die Zustiege zur Begehung der Watzmann-Ostwand über den Berchtesgadener Weg und den Münchner Weg nicht betroffen sind und somit eine Begehung unter der Berücksichtigung der normalen alpinen Gefahren möglich ist.

Unabhängig davon wird auch von unserer Seite davor gewarnt, sich in den Bereich der ehemaligen Eiskapelle zu begeben oder aufzuhalten.  

Erstmeldung

Wie der Nationalpark Berchtesgaden mitteilt, hatten Wissenschaftler zwar das Ende der berühmten Eiskapelle vorhergesagt, doch auch die Experten sind vom frühen Zeitpunkt des Einsturzes überrascht. Der markante Hohlraum aus Firneis auf nur 900 Metern Höhe war nicht nur ein überregional bedeutendes Naturdenkmal, sondern auch eine beliebte Sehenswürdigkeit. „Es ist bedrückend und schockierend zugleich, dass die Eiskapelle, die bereits Alexander von Humboldt im November 1797 besuchte, nun einfach weg ist“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. Mit dem Verschwinden gehe nicht nur ein einzigartiges Geotop verloren, sondern das Ereignis stehe auch sinnbildlich für die sich beschleunigenden Veränderungen durch den Klimawandel in den Alpen.

Abschmelzen durch die warmen Niederschläge

In den vergangenen Jahrzehnten war der Rückgang der Firneismassen bereits deutlich messbar, berichten Forscher. Seit 1953 wurden knapp eine Million Kubikmeter Eis abgetragen, allein zwischen 2019 und 2024 über 575.000 Kubikmeter. Nach Angaben von Andreas Wolf, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, hatten schneereiche Winter zwischen 2017 und 2019 noch Hoffnung auf einen Erhalt der rund 37.800 Quadratmeter großen Eisfläche gemacht. Doch diese erfüllte sich nicht: Schon bis 2022 schrumpfte die Fläche um die Hälfte, bis die warmen, schneearmen Winter sowie die außerordentlich hohen Temperaturen der letzten Sommer schließlich zum vollständigen Einsturz führten.

Besonders beschleunigt worden sei das Abschmelzen durch die warmen Niederschläge der vergangenen Wochen, so die Fachleute weiter. „Vom Kollaps der Eiskapelle waren wir zwar gewarnt, aber nicht auf diesen raschen Verlauf vorbereitet“, gesteht Wissenschaftler Wolf. Ob sich in den kommenden Jahren erneut ein Hohlraum wie die Eiskapelle bilden kann, bleibt nach Angaben des Verbandes der Höhlenforscher offen. „Winterliche Lawinenschnee-Massen werden am Ende des Eisgrabens wohl weiterhin Firn und Eisfelder schaffen, ob diese je die alte Ausdehnung erreichen, ist jedoch ungewiss.“

Nach dem Zusammenbruch der Eiskapelle warnt der Nationalpark nun eindringlich vor akuten Gefahren im Bereich der verbliebenen Eis- und Felsreste: Steinschlag, abbrechende Eiswände und instabile Moränenhänge bedrohen Wanderer und Alpinisten. „Wir warnen dringend vor dem Betreten des Bereichs – es herrscht akute Lebensgefahr“, so Dr. Baier. Auch für Bergsteiger, die zur Watzmann-Ostwand aufsteigen wollen, sei besondere Vorsicht geboten. Über die weiteren Entwicklungen am Eiskapellen-Feld wollen Wolf und sein Team Ende Oktober 2025 erneut Messungen vor Ort vornehmen. Bis dahin bleibt das einstige Geotop Mahnmal und Warnsignal zugleich. (vs/Nationalparkverwaltung Berchtesgaden)

Kommentare