„Alle Stützpunkte müssen bleiben“
Schulterschluss für den Spitzensport: Wie die Region um ihre sportliche Seele kämpft
Die Wintersportstätten im Berchtesgadener Land sind mehr als nur Arenen, sie sind Teil der Heimat. Nach der Zerstörung am Königssee demonstrierte ein hochrangiger Politik-Besuch eindrucksvoll den gemeinsamen Willen. Es ist ein klares Signal für die Zukunft und für den Nachwuchs.
Berchtesgadener Land – Der Bund fördert den Sport und stellt in diesen Tagen, gerade erst endgültig beschlossen, bundesweit 1,05 Milliarden Euro zur Verfügung. 333 Millionen Euro sollen der Förderung des Spitzensports dienen, für den der Bund die Zuständigkeit hat. Ein Teil davon fließt auch in die heimischen Leistungszentren im Wintersport.
„Wir setzen uns für die heimischen Sportstätten ein. Das hat der Termin heute vor Ort eindrucksvoll unter Beweis gestellt!“. Das betonte Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Innenausschuss des Bundestages Siegfried Walch (CSU) im Rahmen der Sportstättenbesichtigung am Mittwoch an der Baustelle zum Wiederaufbau der Bob- und Schlittenbahn am Königssee und im weiteren an der Max-Aicher-Arena (Inzell) und der Chiemgau Arena in Ruhpolding. Insbesondere auch die im Juli 2021 durch Murenabgänge und Überschwemmungen fast völlig zerstörte Bob- und Rodelbahn müsse baldmöglichst wieder fertiggestellt werden, sagte Walch bei dem Ortstermin, zu dem unter anderem neben Vertretern des Sports – in Berchtesgaden die Vertreter des Bob- und Schlittenverbands Deutschland (BSD) – auch seine Bundestagskollegen, der Obmann des Ausschusses für Sport und Ehrenamt im Deutschen Bundestag, Artur Auernhammer (CDU/CSU) und Ausschussmitglied Stephan Mayer (CSU), vertreten waren.
Die ortsbezogene Anwesenheit von Staatsministerin Michaela Kaniber und Landtagsabgeordnetem Konrad Baur (beide CSU), dem Berchtesgadener Landrat Kern wie auch die 1. Bürgermeister Hannes Rasp (Schönau), Michael Lorenz (Inzell) und Justus Pfeifer (Ruhpolding) sowie der mehrfache Rodel-Olympiasieger und CSU-Bürgermeisterkandidat Alexander Resch zeigten die Bedeutung, die man den heimischen, international renommierten Sportstätten beimisst.
Fortschritt und Hoffnung am Königssee
Intensiv wurde über den Fortgang der Bauarbeiten an der Bob- und Rodelbahn am Königssee informiert und diskutiert. Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD), betonte, dass man bis zur Hiobsbotschaft der Verzögerung der Ammoniak-Leitungen hervorragend im Zeitplan gewesen sei. Jetzt würde sich die Eröffnung Richtung Herbst kommenden Jahres verschieben. Dabei war an der Bobbahn auch die Klage des Bund Naturschutz gegen die Höhe des Startturms ein Thema. Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern berichtete von einer möglichen Einigung, die letztlich einem Lösungsvorschlag Schwabs zu verdanken sei. „Damit wäre dann die Klage vom Tisch“, sagte Staatsministerin Michaela Kaniber vorsichtig über die noch nicht endgültige Entscheidung, die den Wiederaufbau nicht noch weiter verzögern würde.
Sie sicherte die volle Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung zu. Zusagen des bayerischen Finanz- und Innenministers lägen vor, war zu hören. Alle Beteiligten freuten sich, dass die Arbeiten erkennbar mit Hochdruck vorangehen. Der Nachwuchs müsse nach Fertigstellung nicht mehr die weiten Anfahrtswege nach Innsbruck auf sich nehmen, die mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden seien, was für die jungen Sportler, aber auch für die ehrenamtlichen Helfer eine Herausforderung sei. „Wir alle haben das Ziel vor Augen: Dass die Bahn fertig wird“, machte Landrat Kern den Schulterschluss zwischen Sport, Politik und Verwaltung deutlich.
Klares Bekenntnis zu den drei heimischen Wintersportstätten
„Alle Sportstätten müssen als Bundesstützpunkte bestehen bleiben. Dies gilt auch für die gesamte Infrastruktur und für den Leistungssportbetrieb. Sport ist für uns prägend – und das gilt auch für den Tourismus“, sagte Walch und ergänzte: „Das gehört zum Lebensgefühl unserer Heimat dazu.“ 53,4 Millionen Euro übernimmt der Bund für den Wiederaufbau der Bahn am Königssee, den Rest von rund fünf Millionen Euro steuert der Freistaat Bayern bei.
Positiv sieht man bei den heimischen Spitzenpolitikern auch die besichtigte deutschlandweit erste Landing-Bag-Anlage, die im September vergangenen Jahres eröffnet und mit 40 Prozent der Gesamtkosten aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wurde. Förderkürzungen, die insbesondere den Biathlon-Standort Ruhpolding betreffen, wolle man nachgehen und stehe im Dialog mit dem zuständigen Bundesministerium, betonte MdB Walch.
Einig waren sich die Anwesenden, dass man künftig weiter verstärkt eine gemeinsame engmaschige Begleitung der Sportstätten auf politischer Ebene anstrebe. „Der Spitzensport ist nicht nur wichtig, weil er uns Medaillen beschert und uns nach außen international repräsentiert, sondern weil der Spitzensport junge Menschen inspiriert, selbst Sport zu betreiben.“ Der Sport sei gerade für junge Menschen eine wichtige Lebensschule, in der der Umgang mit Erfolg, Sieg und Niederlage, gemeinschaftliches und mannschaftliches Miteinander genauso gefördert werde wie die Konzentration auf die eigene Leistung. „Die Förderung für den Spitzensport ist immer auch Förderung des Breitensports“, fügte Walch hinzu.
Dass das Thema „Sport“ auch einen breiten Raum beim Ortstermin im Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI) in Ainring hatte, wurde auch dadurch untermauert, dass viele Spitzensportler Mitglieder der Bayerischen Polizei oder auch der Bundespolizei sind. „Das, was die bayerischen Polizisten können, wird beim BPFI in hohem Maß erlernt. Es war mir wichtig, hier auch ein ‚Dankeschön‘ für die ausgezeichnete Arbeit der Polizei zu sagen“, so der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Die Einrichtung habe eine hohe Bedeutung für die Sicherheit und die Lebensqualität von uns Bürgern. „Denn Freiheit gibt es nur, wenn auch die Sicherheit gewährleistet ist!“.
