„Wirtschaftlich und betrieblich vorteilhaft“
Gipfeltreffen der Vernunft? Wie der Bob-Verband im Eisbahn-Streit am Königssee zum Verbündeten wird
Die Fronten im Konflikt um den Startturm am Königssee schienen klar: Naturschützer gegen Sportfunktionäre. Doch nun positioniert sich der Bob- und Schlittenverband überraschend neu und entpuppt sich als Befürworter einer kleineren Lösung. Eine Wende, die nicht nur Geld sparen, sondern auch den Frieden an der Eisbahn sichern könnte.
Schönau am Königssee – Die Diskussion um den geplanten Startturm an der Kunsteisbahn am Königssee bekommt eine neue Facette. Nachdem Naturschützer vom Bund Naturschutz eine Klage eingereicht hatten und nun mit Gemeindevertretern bereits über eine abgespeckte Variante des Bauwerks sprechen, meldet sich nun auch der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) zu Wort. Vorstandsvorsitzender Thomas Schwab betont im Gespräch, dass eine alternative Planung aus Sicht des Verbands nicht nur denkbar, sondern in vielerlei Hinsicht vorteilhaft wäre.
„Wir gehen davon aus, dass eine neu geplante Variante des Herrenstarts das Potenzial bietet, Kosten einzusparen“, sagt Schwab. Maßnahmen, die bislang aus finanziellen Gründen aus der Planung gestrichen worden waren, könnten dadurch wieder aufgenommen werden. Einige davon seien für den Betrieb der Bahn von zentraler Bedeutung gewesen. Eine abgespeckte Turmlösung erscheine daher „nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch betrieblich vorteilhaft“.
Hoher Turm war nicht die Wunschlösung
Schwab widerspricht zugleich der verbreiteten Darstellung, der hohe Turm sei vom Verband selbst gewollt gewesen. Im Vorfeld der Planung seien insgesamt acht Varianten untersucht worden. „Eine dieser Varianten sah eine Positionierung oberhalb des Bobstarts vor, eine Lösung, die vom BSD klar bevorzugt wurde“, erklärt er. Die damalige Entscheidung für die jetzige Variante sei erst nach Abwägung aller Vor- und Nachteile gefallen. Insbesondere die schwierige Erreichbarkeit der Baustelle habe gegen die ursprünglich bevorzugte Lösung gesprochen.
Zur angespannten Finanzlage äußert sich Schwab zuversichtlich. Die vom Bund bereitgestellten 53 Millionen Euro würden „aus heutiger Sicht ausreichen“. Um den Kostenrahmen einzuhalten, habe man sämtliche Vorhaben in drei Prioritätenlisten gegliedert. Maßnahmen der Kategorie 1 würden uneingeschränkt umgesetzt, während Projekte der Prioritäten 2 und 3 entweder zeitlich verschoben oder vollständig gestrichen werden müssten. Damit sei die Finanzierung des Kernprojekts gesichert.
WM 2028 als Ziel – trotz drohender Verzögerung
Eine zentrale Hürde bleibt jedoch die juristische Auseinandersetzung. Solange die Klage des Bund Naturschutz gegen den Turm läuft, herrscht Rechtsunsicherheit. Schwab macht deutlich, dass der Verband die weiteren Entwicklungen genau beobachte. Sollte es zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, könnte der neue Herrenstart bis zur Bob- und Rodel-Weltmeisterschaft 2028 fertiggestellt werden. „Mit diesem Ausblick könnten wir gut leben“, so Schwab. Realistisch sei jedoch, dass eine Neuplanung zu einem weiteren Verzug von etwa einem Jahr führe. Eine Fortführung des Klageverfahrens könnte den Zeitplan zusätzlich belasten.
Zur Frage möglicher Schadensersatzforderungen hält sich der Verband zurück. Die Finanzierungs- und Rechtsfragen seien Sache des Landkreises als Träger der Bahn. Schwab verweist darauf, dass dieser derzeit prüfen lasse, ob Fachplaner grob fahrlässig gehandelt haben. „Die Prüfung ist aus Sicht des Landkreises durchaus legitim“, erklärt er.
Das wichtigste Ziel aus Sicht des BSD bleibe jedoch, den Bahnbetrieb schnellstmöglich wiederaufzunehmen. „Ab dem kommenden Winter wollen wir ab Bob- und Damenstart wieder fahren können“, sagt Schwab. Für den neuen Herrenstart gilt der Blick bereits weiter voraus, auf 2028, wenn die Bahn am Königssee die Weltmeisterschaft ausrichten soll.
