Gründung mit Traunstein gestoppt
„Salzburg ist das Zentrum“ - Stimmen aus dem BGL und TS zum geplanten Verkehrsverbund
Die Geschichte des Verkehrsverbundes zwischen Traunstein und dem Berchtesgadener Land klingt fast wie eine schief gelaufene Hochzeit: Zunächst möchte das Paar nur in trauter Zweisamkeit feiern. Doch dann will der Bräutigam noch zwei Freunde dabei haben. Das passt der Braut nicht. Sie heiratet schließlich einen anderen, der ihr eigentlich schon zuvor besser gefallen hat. Man kann ja „Freunde bleiben“.
Bad Reichenhall – Ganz so einfach ist die Angelegenheit natürlich nicht. Der geplante und nun gestoppte Verkehrsverbund zwischen Traunstein und dem Berchtesgadener Land hat eine lange Geschichte hinter sich. Den Start bildete eine Grundlagenstudie, die von 2021 bis 2023 lief. Ende 2023 dann der Grundsatzbeschluss zur Gründung des gemeinsamen Verkehrsverbundes. Das Ziel: Ein Tarif, ein Ticket, ein Netz.
Doch spätestens seit Beginn dieses Jahres hing der Haussegen schief. Traunstein wollte die beiden Landkreise Altötting und Mühldorf mit in den Verbund nehmen. Das Berchtesgadener Land hatte schon immer vor, sich eines Tages aufgrund der geografischen Lage und der bereits bestehenden guten Vernetzung dem Salzburger Verkehrsverbund (SVV) anzuschließen. Dies wäre aber mit dem „bayerischen Vierer“ scheinbar nicht mehr möglich gewesen. Außerdem weiche die Verbundidee aus Traunstein stark von der Grundlagenstudie ab, hieß es von der Verwaltung. Seit der Ausschusssitzung im Landratsamt Berchtesgadener Land am Mittwoch (10. Juli) steht per einstimmigen Beschluss fest: Das BGL treibt nun die Integration in den SVV voran. Für einen Verbund mit Traunstein zeigte sich Landrat Bernhard Kern aber weiterhin offen.
„Salzburg ist das Zentrum“
Johannes Gfrerer, Geschäftsführer des SVV, sprach bei seine Präsentation während der Ausschusssitzung von einem „ganz tollen Tag“ und verwies auf die bereits sehr guten Vernetzungen zwischen dem Berchtesgadener Land und Salzburg. So fahre etwa die S-Bahn bis Freilassing, wo auch das Klimaticket im Stadtverkehr gültig ist. Die Bayerische Regiobahn und die RVO seien schon mit dem SVV vernetzt. Denkbar sei auch eine Bahn bis zum Königssee. „Salzburg ist das Zentrum. Die Verkehre laufen dorthin, ob da Grenzen sind oder nicht. In der Praxis leben wir ja den Grundgedanken schon.“ Das Berchtesgadener Land grenze an fünf Salzburger Bezirke. „Es ist naheliegend – im wörtlichen Sinn – dass die Verbundintegration voranschreitet.“
Landrat Kern stimmte dem zu: „Die RVO fährt nach Salzburg, Albus fährt nach Berchtesgaden. Auch in Freilassing ist die Zusammenarbeit gut und professionell.“ Zudem habe es bereits Gespräche mit dem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr bezüglich der Fördermittel gegeben. Die finanzielle Förderung von 90 Prozent soll demnach auch weiter Bestand haben.
Zeit und Geld verschwendet?
Manfred Hofmeister (BLR) erkundigte sich, ob es möglich wäre, dass die Buslinie 181, die am Walserberg umdreht, bis zum Schwimmbad Marzoll weiterfahren könnte. Dieses habe viele Badegäste aus Wals und Salzburg. So könne man die „prekäre Parkplatzsituation“ entschärfen. Gfrerer fand die Idee grundsätzlich gut, aber „umlauftechnisch würde sich das nicht ausgehen. Wir haben das geprüft. Auf kurzem Wege ist das nicht möglich. Aber vielleicht wird es langfristig eine Linie bis Bad Reichenhall geben.“
Franz Eder (Grüne) wollte wissen, ob das Berchtesgadener Land nach dem Einverständnis gefragt wurde, dass Altötting und Mühldorf mit in den Verbund sollen. „Wir waren beim Gespräch dabei“, versicherte Kern. Altötting hat inzwischen aus Kostengründen abgesagt. Mühldorf liebäugelt eher mit dem Münchner Verkehrsverbund. Eders zweite Frage: „Die Grundlagenstudie hat mehr als zwei Jahre gedauert. Das bedeutet viel Zeit und viele Kosten. War das förderschädlich?“ Von Manuel Münch, Leiter der Stabsstelle Landkreisentwicklung, kam ein klares Nein. „Das Förderprogramm läuft bis Ende 2026 für verbundbedingte Kosten. Wir sind guter Hoffnung, dass das weiter gefördert werde.“ Zeitlich verschiebt sich die Realisierung um ein Jahr.
„Tarifeinheit ist das Wichtigste“
„Mich freut es, dass wir endlich bei dem Schritt sind“, erklärte Andreas Nutz (CSU). „Bei der Kommunalwahl hatten wir das auf unserem Zettel. Unser Endziel war immer: mit dem SVV. Die Tarifeinheit ist das Wichtigste.“ Zwei Tickets, bis man in Salzburg ist, würde Fahrgäste abschrecken. Zudem könne man so den Verkehr von der Straße bringen. „Für uns ist das eine Win-win-Situation.“
Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete Sven Kluba (CSU) das Vorhaben. Er erkundigte sich nach der Kostenaufteilung. „Werden die Kosten trotzdem von Traunstein bezahlt?“ „Die Studie ist abgeschlossen und abgerechnet. Die zehn Prozent Eigenanteil wurden nahezu gleich aufgeteilt“, so Münch. Die Restmittel stünden für das neue Förderprojekt zur Verfügung.
„Ich freue mich, dass es jetzt weitergeht und wenn vielleicht einmal ein Bus von Teisendorf direkt nach Salzburg geht“, sagte Georg Quentin (SPD). Auch Josef Flatscher (CSU) wollte „in den Jubelgesang eintreten.“ Der Grundtenor sei immer ein euregionaler Verbund gewesen. Die Verbindungen zu Salzburg seien historisch gewachsen. Wichtig sei nun, „dass nicht nur geredet wird.“
Was sagt das Landratsamt Traunstein?
Auf Anfrage von BGLand24.de kam vom Sprecher des Landratsamts Traunstein folgende Mitteilung: „Wir haben nicht den Verbund beendet, sondern mitgeteilt, dass wir einen großen Verbund für richtig halten, inklusive einer möglichen Integration nach Salzburg. Schriftliche Stellungnahmen aus dem Landratsamt BGL haben uns gegenüber eigentlich zum Ausdruck gebracht, dass man nicht so genau weiß, ob man eine Kooperation wünscht, weswegen wir aktuell ohne BGL planen. Unsere Tür war immer offen und bleibt auch offen. Für uns ist eine Kooperation grundsätzlich möglich, wenn es noch in die Zeitachse passt und uns nicht aufhält. Notwendig ist eine Kooperation aus unserer Sicht nicht. Grundlage für jede Kooperation ist immer Verlässlichkeit. Für Traunstein ist eine Orientierung Richtung Salzburg ohnehin wesentlicher Bestandteil der Planungen, unabhängig von BGL.“ (mf)