Die psychosomatische Reha-Klinik am Högl ist passé. Und zwar nicht, weil die Ainringer dagegen gestimmt hätten, sondern weil sich der Investor Georg Brüderl noch vor dem Bürgerentscheid aus dem Projekt zurückgezogen hat. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und welche Möglichkeiten er nun für die Reiter Alm sieht.
Ainring - In den vergangenen Monaten war es um die Firma Brüderl aus Traunreut ruhig geworden. Gegen ihre geplante psychosomatische Reha-Klinik an der Reiter Alm hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet. Im Februar legte diese der Gemeinde Ainring 1500 gesammelte Unterschriften gegen das Projekt vor. Daraufhin beschloss der Gemeinderat, ein Ratsbegehren zu initiieren. Im Oktober sollten die Ainringer per Bürgerentscheid selbst entscheiden, ob die Planungen zur Reha-Klinik weiter laufen sollen oder nicht. Die Firma von Georg Brüderl war diesbezüglich gegenüber der Presse zuletzt zu keiner Stellungnahme bereit.
Am 14. August dann der Paukenschlag: Die Gemeinde verkündete, dass sich Brüderl aus dem Projekt zurückgezogen hat. Der Bürgerentscheid ist damit hinfällig. Mit dem Rückzug bricht nun auch der Investor sein Schweigen und erklärt im Interview die Beweggründe.
Herr Brüderl, Sie haben lange geschwiegen. Hatte das juristische Gründe?
Am Ende des Tages: ja. Wir hatten mit dem Eigentümer, Herrn Haslauer, einen Kaufvertrag geschlossen, der aufschiebend bedingt war. Diese Bedingung war ein Baurecht in Form eines rechtsgültigen Bebauungsplanes. Ich verstehe, dass die Medien und die Gesellschaft wissen wollten, was da los ist, aber wir wollten nicht irgendwelche Informationen rausgeben, die das Ganze noch weiter angeheizt hätten. Daher haben wir uns bedeckt gehalten.
Sie haben aber mit Sicherheit die Diskussion verfolgt. War es schwierig für Sie, da einfach nur zuzusehen?
Die Frage wurde mir schon öfter gestellt. Natürlich. Wir sind zur Reiter Alm wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Das Objekt war ja lange Zeit am Markt verfügbar – für einen relativ hohen Kaufpreis. Die Lage ist prädestiniert für eine touristische Umsetzung. Das wollte die Gemeinde aber nicht. Darum ist das auch nicht verkauft worden. Wir sind dann über mehrere Ecken – auch über einen Mediziner, mit dem wir arbeiten – auf die Idee gekommen, dass man etwas für die Region entwickeln könnte mit einer psychosomatischen Klinik. Die Reiter Alm wäre für diese Nutzung perfekt.
Bei der Gemeinde haben wir auch schnell guten Zuspruch gefunden. Das wäre eine nachhaltige, zukunftsfähige Nutzung gewesen mit einem CO2-neutralen Neubau. Ich glaube, wir hätten dort etwas wirklich Gutes geschaffen und der Region weitergeholfen. Es ist natürlich schade, dass das jetzt nicht realisiert werden kann, aber das ist unternehmerisches Risiko. Tatsächlich ist das aber für uns das erste Objekt in der Unternehmensgeschichte, das wir nicht realisieren können. Wir überlegen immer sehr genau, wo sich der Invest lohnt.
Die Planungen hatten sich ja lang verzögert. Wie viel haben Sie in das Projekt investiert?
Der Kaufvertrag wurde im Sommer 2022 geschlossen. Die genaue Summe kann ich nicht nennen, weil ich noch nicht alle Schlussrechnungen von den ganzen Fachplanern und Beteiligten habe. Aber wir reden von 300.000 bis 400.000 Euro.
Sie haben von Ihrem Rücktrittsrecht im Vertrag Gebrauch gemacht. Das geschah aber früher als ursprünglich vorgesehen. Wie kam es dazu?
Wir hatten einen Zeitkorridor (September bis November, Anm. d. Red.). Es gab diese Schwebesituation und die Gemeinde hat richtigerweise auch mit dem Ratsbegehren reagiert. Das Risiko war aber zu hoch. Auch wenn das Ratsbegehren für die Klinik ausgefallen wäre: Ich weiß ja nicht, was diese Bürgerinitiative noch alles plant. Wir haben gehört, dass sie einfach keine Veränderung auf der Reiter Alm möchte. Es war auch nicht absehbar, ob wir ein Baurecht bekommen und wann. Wir haben dann mit dem Eigentümer den Kaufvertrag entsprechend geändert, damit wir die Möglichkeit haben, früher zurückzutreten. Es wäre Unsinn, wenn für die Gemeinde Kosten und Arbeit entstehen, obwohl der Entschluss schon steht, dass wir nicht daran festhalten können.
Hatten Sie das Gefühl, dass Sie nicht erwünscht sind?
Wir finden es sehr, sehr schade, dass eine kleine Minderheit, die laut schreit, offensichtlich Großes bewegen kann. Es ist auch bedenklich, dass nicht mit allen Wahrheiten auf Stimmenfang gegangen wurde. Wir haben dreimal ganz offiziell der Bürgerinitiative die Hand gereicht und darum gebeten, sich an den Runden Tisch zu setzen und darüber zu sprechen. Daran gab es aber kein Interesse.
Sind Sie jetzt komplett aus dem Thema Reiter Alm raus?
Wir haben dem Eigentümer und der Gemeinde angeboten, zur Reiter Alm lose im Gespräch zu bleiben. Aber diese Klinik ist definitiv gestorben. Wir werden auch nicht alternativ Grundstücke suchen, sondern investieren woanders.
Also wird die Klinik auch nirgendwo anders errichtet?
Nein. So etwas geht zum einen nicht so schnell, zum anderen haben wir alternative Möglichkeiten zu investieren.
Viele Menschen mit Burnout warten ja sehr lange auf professionelle Hilfe...
Das war auch unsere Motivation. Wir haben 150 Mitarbeiter. Auch in Unternehmen gibt es solche Fälle, dass Mitarbeiter schwer Plätze bekommen. Ich kenne das auch im privaten Umfeld. Es gibt einen unglaublich großen Bedarf. Jeder, mit dem man redet, kennt jemanden, der dieses Problem hat oder hatte. Das sind diese „kalten Krankheiten“, die man von außen nicht sieht. Schade, dass so etwas gescheitert ist. Ich kenne nicht einmal die Beweggründe der Bürgerinitiative, weil sie nie mit uns sprechen wollte. Die romantische Träumerei, dass die Reiter Alm so bleiben soll, wie sie ist, ist illusorisch.
Sehen Sie eine andere Möglichkeit für die Reiter Alm als eine Flüchtlingsunterbringung, die der Eigentümer nun wohl in Erwägung zieht?
Natürlich gibt es Alternativen. Die Frage ist: Wozu ist die Gemeinde bereit? Und was ist ein Investor bereit zu investieren? Wir haben selbst ein größeres Gasthaus in Pittenhart. Ich weiß, was man investieren müsste, um ein Gasthaus wie die Reiter Alm nach heutigem Standard betreiben zu können. Da reden wir von einem hohen siebenstelligen Betrag. Das ist niemals realisierbar. Das Grundstück hat natürlich seinen Wert. Die Lage ist gigantisch. Aber da jemanden zu finden, der bereit ist zu investieren, wage ich stark zu bezweifeln. Solche tollen Anwesen verfallen heutzutage eher. Viele finden es schade, dass wir raus sind, aber es hilft nicht, auch wenn es schmerzhaft ist.
Herr Brüderl, vielen Dank für das Gespräch. (mf)