Landrat beruhigt Bevölkerung
Mann stirbt an Borna-Virus: Sorge in oberbayerischem Landkreis
Nach zwei Infektionen mit dem seltenen und meist tödlichen Borna-Virus im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm sind viele Bürger verunsichert und haben zahlreiche Fragen.
Pfaffenhofen an der Ilm – Bei einer Informationsveranstaltung hat das Landratsamt im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Antworten auf Fragen besorgter Bürger gegeben. So sei eine Impfung gegen das Borna-Virus oder Schnelltests in weiter Ferne. Fieber zu haben bedeute nicht gleich eine Borna-Virus-Infektion, so die Experten weiter.
Borna-Virus: Mann aus Oberbayern stirbt an Folgen der Erkrankung
Wie das Landratsamt mitteilte, starb ein Mann an den Folgen der Erkrankung, ein weiterer Infizierter befindet sich derzeit in Behandlung. Landrat Albert Gürtner (Freie Wähler) sagte, dass es keinen Anlass zur Panik gebe. Wichtig sei aber, dass sich die Menschen bestimmte Hygienemaßnahmen einhielten und sich informieren.
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) kommt in Feldspitzmäusen vor. Wie genau das Virus auf den Menschen übertragen wird, ist bislang nicht geklärt. Die Tiere scheiden das Virus über Urin, Kot und Speichel aus. Experten empfehlen daher, den Kontakt mit Feldspitzmäusen zu vermeiden und lebende oder tote Tiere nicht mit bloßen Händen zu berühren. Dies solle auch Kindern vermittelt werden, erklärte Merle Böhmer vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Borna-Virus ist selten
Die Erkrankung ist selten. Bisher wurden insgesamt 57 Fälle beim Menschen nachgewiesen, der Schwerpunkt liegt in Bayern.
Auch in der Region war es schon zu Infektionen mit dem Virus gekommen. Im Jahr 2022 verstarb ein sieben Jahre alter Junge in der kleinen Gemeinde Maitenbeth im Landkreis Mühldorf an den Folgen des Borna-Virus. Auch 2019 war ein elfjähriges Mädchen aus der Gemeinde ebenfalls an den Folgen der Infektion verstorben. Zuletzt war das Borna-Virus in der Region in den Schlagzeilen gewesen, als ein Pferd in Gars am Inn starb.
Die Häufung von zwei Fällen in zeitlichem Zusammenhang sei jedoch neu. Wo und wie genau sich die beiden Männer angesteckt haben, sei derzeit noch unklar. „Wir versuchen mit Hochdruck, das zu ermitteln“, sagte Böhmer. Aufgrund der langen Inkubationszeit von etwa drei Monaten sei es jedoch schwierig, den genauen Ansteckungsweg zu identifizieren.
Eine Pandemiegefahr bestehe nicht, erklärte Böhmer auf Nachfrage besorgter Bürger. „Dieses Virus hat überhaupt nicht die Voraussetzungen, die es für eine Pandemie braucht. Das Virus ist sehr selten und es müssten viele Umstände erfüllt sein, damit man sich ansteckt.“ Zudem sei das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, was ein entscheidendes Kriterium gegen eine Pandemie sei.
Auch Sorgen bezüglich Obst und Gemüse aus dem Garten seien unbegründet. „Wir haben keine Hinweise, dass es eine Übertragung durch Obst oder Gemüse aus dem Garten gibt“, beruhigte Böhmer. Ebenso sei die heimische Katze kein Risikofaktor, selbst wenn sie Kontakt zu Mäusen habe.
Im Falle einer Erkrankung gebe es die Möglichkeit einer antiviralen sowie einer immunsupprimierenden Therapie. Die schweren und meist tödlichen Symptome würden letztlich durch eine überschießende Immunreaktion ausgelöst. Bei den wenigen Überlebenden seien die bleibenden Schäden erheblich.
Der Erreger ist bei Tieren bereits seit langem bekannt. Erst seit 2018 wurde jedoch nachgewiesen, dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist und dabei meist tödliche Gehirnentzündungen verursacht. Seit 2020 besteht eine Meldepflicht für die Erkrankung. (fgr/dpa)