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Großteil der gemeldeten Fälle aus Bayern

Nach Tod von Familienvater in Pfaffenhofen: Warum steigt bei Borna-Virus die Zahl der Fälle?

In Pfaffenhofen ist ein sportlich aktiver Familienvater (Mitte 50) am Borna-Virus gestorben. Feldspitzmäuse übertragen die Krankheit (Symbolfotos).
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In Pfaffenhofen ist ein sportlich aktiver Familienvater (Mitte 50) am Borna-Virus gestorben. Feldspitzmäuse übertragen die Krankheit (Symbolfotos).

In Pfaffenhofen haben sich zwei Menschen mit dem Borna-Virus angesteckt. Einer von ihnen ist inzwischen daran gestorben. Warum steigt die Zahl der gemeldeten Fälle? Weshalb die seltene Krankheit fast immer tödlich endet und welchen Rat jeder befolgen sollte.

Pfaffenhofen/Ilm  Vorige Woche hat der Pfaffenhofener Landrat Albert Gürtner (FW) erfahren, dass ein Mann in seinem Landkreis an einer sehr seltenen Erkrankung gestorben ist. Am Borna-Virus, medizinisch korrekt als BoDV-1 Enzephalitis bezeichnet. Der Familienvater aus Pfaffenhofen hatte keine Chance: Die Krankheit löst schwere Gehirnentzündungen aus, in fast allen bekannten Fällen endete sie tödlich. Auch bei dem Mann Mitte 50. Als Gürtner am Montag (2. Juni) informiert wurde, dass ein weiterer Infizierter aus Pfaffenhofen auf der Intensivstation im Klinikum Ingolstadt liegt, ging es schnell: „Wir haben die Bevölkerung so bald wie möglich informiert, damit nicht die Gerüchteküche anfängt zu brodeln.“

Die Verunsicherung im Landkreis Pfaffenhofen ist groß

Massenweise Anrufe panischer Bürger im Landratsamt blieben am Dienstag aus, aber die Verunsicherung im Landkreis ist dennoch groß. Viele in der Region denken jetzt an die tragischen Fälle von zwei Kindern, die allein im Landkreis Mühldorf am Borna-Virus gestorben sind. Dort fanden auch umfassende Studien statt, um mehr über die Krankheit zu erfahren.

Tote Feldspitzmäuse dürfen auf keinen Fall ungeschützt angefasst werden.

Wie das Virus auf den Menschen übergeht, ist nicht geklärt

Das BoDV-1 kommt in der Feldspitzmaus vor. Die Tiere scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus, heißt es beim Landesamt für Gesundheit (LGL). Wie genau das Virus auf den Menschen übergeht, ist noch nicht geklärt – denkbar ist die Aufnahme des Virus über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser oder eine Schmierinfektion über kontaminierte Erde.

Ein Großteil der gemeldeten Fälle kommt aus Bayern

Schon im frühen 19. Jahrhundert fürchteten Pferdebesitzer die Krankheit, benannt wurde sie nach der Stadt Borna, wo 1894 ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde erkrankte. Erst seit 2018 ist nachgewiesen, dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist. Seit 2020 ist die Krankheit meldepflichtig. Seitdem seien dem Robert Koch-Institut bis zu sechs akute Fälle pro Meldejahr übermittelt worden, ein Großteil davon in Bayern, teilt das LGL mit. Der Behörde wurden 2024 zwei Fälle gemeldet. Jetzt die beiden Fälle in Pfaffenhofen.

„Die Ermittlungen zu möglichen Infektionsquellen laufen noch“

Wie sich die Männer infiziert haben, ist unklar. „Die Ermittlungen zu möglichen Infektionsquellen laufen noch“, so das LGL. Im Rahmen eines Projekts werden aus ganz Bayern eingesandte Spitzmäuse untersucht, darunter waren laut LGL auch einzelne Tiere aus dem Kreis Pfaffenhofen. Allerdings waren die bisher BoDV-1 negativ. Es sei bekannt, dass Feldspitzmäuse (fast) immer nur außerhalb oder ganz am Rand von menschlichen Siedlungen gefunden werden. Häufig handelt es sich um kleine Dörfer, gelegentlich aber auch größere Städte. Da beide Patienten laut Landrat Gürtner sportlich aktiv und dadurch auch viel in der Natur unterwegs waren, wird es wohl schwierig, den Infektionsweg nachzuvollziehen. Die Wohnorte der Männer liegen etwa fünf Kilometer auseinander und befinden sich jeweils in einem Stadtteil von Pfaffenhofen.

Zuletzt steigt laut Landesamt für Gesundheit die Zahl der gemeldeten Fälle

Beunruhigend ist, dass die Zahl der gemeldeten Fälle der Bornaeschen Krankheit laut LGL zuletzt ansteigt – insbesondere bei Pferden. Anfang des Jahres starb ein Pferd aus Gars am Inn am Borna-Virus. Was sich aber auch auf die Meldezahlen auswirken könnte, ist eine höhere Sensibilität und eine bessere Diagnostik. Nicht jede Hirnhautentzündung wird auf Borna untersucht, aber bei einem Patienten mit einer schweren, nicht eitrigen Gehirnhautentzündung, der zugleich im BoDV-1-Verbreitungsgebiet wohne, werden laut LGL Tests durchgeführt.

Das Virus ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar

In Pfaffenhofen findet am Donnerstag (5. Juni) eine Informationsveranstaltung statt. Wichtig ist Landrat Gürtner zu betonen, dass das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Und dass tote Spitzmäuse auf keinen Fall ungeschützt angefasst werden sollen. Von gewöhnlichen Mäusen ist das Tier deutlich zu unterscheiden: Es verbreitet einen stechenden Geruch und hat eine spitzere Nase.

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