Kombi ganz neu
Audi A6 Avant im Fahrtest: Sechs Gründe, warum er ein Erfolg wird
Verdammt zum Erfolg. Der neue Audi A6 Avant soll die Ingolstädter aus der Krise führen. Wir wissen, warum der Kombi das Zeug dazu hat.
Avanti, Avant! Die neue Kombilimousine des Audi A6 steht in den Startlöchern und soll die Erfolgsgeschichte des Millionensellers von Audi fortschreiben. Der A6 ist nach dem beliebten Audi Q5, das bedeutendste Modell der Ingolstädter und ein wesentlicher Teil der Produkt-Offensive, die von der Marke mit den vier Ringen heuer gezündet wird. Und die auch zünden muss, um die Volkswagen-Tochter aus dem Verkaufstief zu holen. Nach dem ersten Rendezvous im Studio und den ersten Probefahrten in Spanien kennen wir sechs große und kleine Gründe, warum der A6 das Zeug dazu hat, Audi aus der Krise zu holen.
Audi A6 Avant – so knackig wie nie
Erstens das Design: Der A6 Avant sieht so knackig aus wie noch nie. Kein Wunder, dass die Limousine bella figura macht – entworfen hat die neunte Generation der Audi Business Class nämlich Francesco D´Amore. Der Designer ist, wie der Namen schon verrät, ein Italiener in deutschen Diensten. Als solcher hat er nicht nur viel Amore, sondern auch viel Passione (Leidenschaft) in das Auto gesteckt. Das fängt bei der langgestreckten und geduckten Silhouette des fünf Meter langen Kombis an, die an ein Raubtier erinnert. Stolz und elegant präsentiert sich auch die Frontpartie mit dem mächtigen Single-Frame-Grill und den extrem flachen Frontleuchten darüber.
Das ist an sich schon ein starker Auftritt. Getoppt wird er nur noch vom Heck. Mit seiner charakteristischen Schulterpartie, der kräftigen Falz im Kotflügel und den erstmals gesplitteten Rückleuchten. Oben die roten und pulsierenden OLED-Lichter, dann ein feiner roter Lichtstrich über die ganze Breite (2,10 m mit Spiegeln). Und darunter, rechts und links die Blinklichter, die sich unter verdunkeltem Glas verbergen. Alles in allem: Das ist seit langer Zeit ein Audi, der uns vom Design her sofort berührt hat, und den man unbedingt haben möchte. Sieht sogar besser aus als der kleinere Bruder, der Audi A5 Avant (früher A4).
Übrigens: Unser 24auto-Newsletter informiert Sie über spannende Themen rund ums Auto. Jetzt nach einer kurzen Registrierung bei unserem Medienlogin USER.ID anmelden.
Drei Motoren zum Marktstart – welcher ist die beste Wahl
Zweitens die Motoren: Audi startet mit drei Motorisierungen. Wir sind sie alle gefahren – und es gab einen überraschenden Sieger, mit dem wir selbst nicht gerechnet hätten. Den Vierzylinder-Basis-Benziner. Der 2,0 TFSI hat 204 PS und Frontantrieb. Mögen wir eigentlich nicht, weil die Lastanforderung an der Vorderachse meistens für Probleme sorgt. Nicht so bei diesem Fahrzeuglayout. Die Traktion ist jederzeit Herr der Lage, die Reifen drehen auch bei feuchtem Untergrund nicht durch – und Hand aufs Herz: Manch einer hätte gar nicht gemerkt, dass es kein Quattro ist. Beschleunigung und Drehmoment (340 Nm) sind überschaubar, aber ausreichend. Natürlich gibt es den A6 auch als Diesel. Zunächst ebenfalls nur mit vier Töpfen und 204 PS. Ausgestattet mit dem hybriden Antriebsstrang MHEV plus funktioniert er mit drei Maschinen. Einmal mit einem 2.0 Liter großen Selbstzünder, der beim Anfahren von einem Startergenerator unterstützt wird. Und dann noch mit einem zweiten Elektromotor, der als so genannter „Triebstranggenerator“ noch mal 24 PS und 230 Nm Drehmoment beisteuert. Und nebenbei bemerkt, das Turboloch im unteren Drehzahlbereich wegbügelt. Während der TFSI in 8,3 Sekunden von 0 auf 100 rennt, benötigt der Diesel 7,0 Sekunden.
Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab




Darüber kann die derzeitige Top-Motorisierung 3,0 TFSI nur milde lächeln. Hier geht es mit der Power des V6-Benziners in Höhe von 367 PS, in 4,7 Sekunden bis zur 100-km/h-Marke. So richtig angemacht hat uns der Motor allerdings nicht. Mag vielleicht an einer entsprechenden Soundkulisse liegen, ging uns aber auch schon beim Q5 so. Unser Resümee: Gechillte Käufer nehmen den Benziner, Kenner den kleinen Diesel. Klein? Ja, richtig gehört. Ein V6-Selbstzünder soll später nachgeschoben werden. Ein reines Elektroauto gibt es ja schon: den Audi A6 Avant e-tron.
Schon das Stahlfahrwerk ist beim Audi A6 Avant gut
Drittens das Fahrwerk: Wie kaum eine andere Premium-Marke – BMW mal ausgenommen – legt Audi Wert auf das Fahrgefühl und die Wirbelsäule des Fahrers. Schon die einfache Stahlfederung im Basis-Modell kommt mit mehr als einer soliden Spreizung zwischen Komfort und Sport daher. Weich genug für alle Fahrbahn-Unbillen und ausreichend straff, wenn man ambitioniert unterwegs sein will. Natürlich kann die Luftfeder mehr. 20 Millimeter rauf zum komfortablen Einladen, 10 Millimeter runter für den sportlichen Fahrstil. Selbstverständlich ist auch der Sänften-Koeffizient weitaus höher. Aber das kostet auch entsprechend mehr Geld. Kann man machen, muss man nicht ordern.
Viertens die Lenkung: Schon die Serie kommt mit einer exakten Progressivlenkung daher. Ähnlich wie beim Fahrwerk finden wir: Sie ist so präzise mit perfekter Rückmeldung von der Straße – da muss nicht unbedingt die aufpreispflichtige Allradlenkung her. Ist aber ein reines Luxus-Problem. Wer genug Geld hat, der ordert sie, denn der Wendekreis des Straßenkreuzers schrumpft auf 11,1 Meter. Auch beim Rangieren bietet sie Vorteile. Hier schlagen Vorder- und Hinterräder bis zu fünf Grad gegenläufig ein. Das Ergebnis: Die Business-Limousine verhält sich wie ein Kleinwagen. Und bei höheren Geschwindigkeiten unterstützen die Hinterräder mit einem Zwei-Grad-Einschlag die Fahrstabilität.
Schluss mit Fake-Blenden: Der A6 hat echte Endrohre
Fünftens echte Endrohrblenden: Schluss mit Fake-Rohren – Audi macht ernst. Was man hinten sieht, das kommt vorne tatsächlich raus. Die je nach Motorisierung sogar ovalen Endrohre sind tatsächlich mit dem Abgasanlage verbunden. Das mag geschmäcklerisch klingen, aber wir finden: Verbrenner feiern, solange es Verbrenner noch gibt. Und dazu zählt halt immer noch ein aussagekräftiger Auspuff, der nicht an potemkinsche Dörfer erinnert.
Unser Fazit zum neuen Audi A6 Avant
Und sechstens – überhaupt und sowieso: Sehen wir mal ab vom zum Teil fummelig zu bedienenden Infotainment-System und von den für eine so große Business-Limousine auch eher überschaubarem Kofferraumvolumen von 466 Liter bis 1.497 Liter (Hybrid) bei umgeklappter Rückbank. Vergessen wir auch, dass die Qualitätsanmutung dort, wo man selten hingreift oder hinsieht, nicht so ganz den Audi-Standards entspricht, welche die Marke groß gemacht haben. Aber: Mit dem neuen A6 Avant (Preise ab 58.000 bis 72.500 Euro) bekommt man endlich wieder ein Auto, das die Einfahrt schmückt und so manche in der Nachbarschaft neidisch macht. Rudolf Bögel


