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Tote Schiffe, die nicht tot sind

Zombieschiffe an der Straße von Hormus: Wie der Iran trotz Blockade Öl aus dem Persischen Golf schleust

Mindestens zwei „Zombieschiffe“ durchquerten die gesperrte Straße von Hormus. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes Shuttle-System zur Sanktionsumgehung.

An der Straße von Hormus vor der iranischen Küste haben Schiffstracking-Dienste wie Marinetraffic sogenannte „Zombieschiffe“ entdeckt. Die Tanker haben die Identität verschrotteter Schiffe angenommen. Sie durchquerten die Meerenge trotz deren de-facto-Sperrung seit Ende Februar 2026. Der Iran schränkte den Schiffsverkehr als Reaktion auf Angriffe der USA und Israels nahezu vollständig ein. Der Vorfall zeigt, wie Akteure westliche Sanktionen systematisch umgehen.

Nicht alle Schiffe passieren die Straße von Hormus vor der Küste Irans unter ihrem echten Namen.

Zombieschiffe sind Schiffe, die die Identität eines verschrotteten, abgemeldeten oder stillgelegten Schiffes nutzen. Dabei übernehmen sie Namen, Flaggen oder IMO-Nummern – eine siebenstellige Kennung für Schiffe, die bis zur Verschrottung unverändert bleibt. Laut Schiffsdaten-Analyst Arsenio Longo wird dafür eine strukturelle Schwäche der Überwachungssysteme ausgenutzt. Denn diese „ermöglichen keine laufende physische Verifikation auf See“, erklärt Longo gegenüber Bild.

„Tote“ Schiffe an der Straße von Hormus: So tricksen die Eigentümer

Die Schiffe werden dafür genutzt, um Sanktionen zu umgehen oder Waren zu schmuggeln. Dem Handelsblatt zufolge hat ihre Zahl mit Beginn der westlichen Sanktionen gegen Russland deutlich zugenommen. Die Eigentümer bedienen sich oft weiterer illegaler Praktiken. Dazu gehört das sogenannte AIS-Spoofing. Dabei manipulieren sie das Automatic Identification System auf den Schiffen, das dann absichtlich falsche Positionsdaten sendet, um vorzugeben, an einem anderen Ort zu sein.

Nun fielen mindestens zwei Schiffe mit dem Zusatz „Dead“ hinter ihrem Namen vor der Küste Irans auf, berichten das Handelsblatt und Bild. Damit kennzeichnet der Trackingdienst Marinetraffic Schiffe, die eigentlich nicht mehr unterwegs sein sollten. Dass diese Tanker aber die Straße von Hormus durchquerten, lässt darauf schließen, dass sie nicht „tot“ sind, sondern dass es sich um Zombieschiffe handelt. Ob diese aber auch ihre Positionsdaten manipuliert haben, ist unklar.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Trotz Blockade: Zwei Zombieschiffe durchqueren Straße von Hormus

Laut Bericht des Handelsblatts passierte ein Öltanker mit der IMO-Nummer eines Schiffes namens „Nabiin“ am Sonntag (22. März) die Straße von Hormus. Am Dienstag lag er im Golf von Oman. Seitdem gibt es keine neuen Positionsdaten. Die Nabiin wurde aber vor fünf Jahren abgewrackt. Zugleich fuhr das Schiff unter dem Namen „Nature Heart“ und der Flagge Mosambiks. Das Schiff wird von dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmen Muhit Maritime FZE verwaltet.

Muhit Maritime FZE ist kein unbekannter Name. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters übernahm das Unternehmen mehrere von den USA sanktionierte Tanker. Diese hatten zuvor venezolanisches Öl transportiert. Die Schiffe erhielten neue Namen und nahmen anschließend den Transport von venezolanischem Rohöl wieder auf. Reuters konnte nach eigenen Angaben die Eigentümer von Muhit Maritime FZE nicht ermitteln. Das Unternehmen reagierte weder auf Briefe noch auf E-Mails.

Bei dem zweiten Zombieschiff handelt es sich um einen Flüssiggastanker (LNG-Tanker) mit dem Namen „Jamal“. Dieser durchquerte am Freitag (20. März) die Straße von Hormus unter japanischer Flagge. Laut Trackingdaten lag er mehrere Tage im Golf von Oman. Vergangenen Mittwoch (25. März) wurde er wieder im Persischen Golf verortet. Der LNG-Tanker „Jamal“ ist jedoch recycelt worden, schreibt das Handelsblatt. Das bedeutet, dass nur einzelne Bauteile weiterverwendet werden.

Als Verwalter des Schiffes fungiert das Unternehmen Resurgence Ship Management mit Sitz in Mumbai, Indien. Die Firma taucht auch auf der Sanktionsliste der ukrainischen Regierung auf. Dort wird vermerkt, dass Resurgence Ship Management mindestens bis September 2025 ebenfalls die Pione betreute. Der Tanker transportierte demnach trotz des von den G7-Staaten verhängten Ölembargos russisches Öl. Dafür wurde unter anderem das AIS-System für die Positionsdaten abgeschaltet.

Iran nutzt perfides System, um Öl zu schleusen – während Europa weiter unter der Blockade leidet

Gerade im Fall des Flüssiggastankers namens „Jamal“ sieht Schiffsdaten-Analyst Longo Hinweise darauf, dass das iranische Regime Zombieschiffe nutzt, um westliche Sanktionen zu umgehen. „Auf Basis unserer Daten sieht es so aus, als ob ein Schiff unter unauffälliger Identität beladen durch den Korridor läuft, die Fracht wahrscheinlich außerhalb eines regulären Hafenumfelds entkoppelt und anschließend wieder leer in Richtung Golf zurückkehrt“, so Longo gegenüber Bild.

Damit hat sich in der Straße von Hormus ein regelrechtes Shuttle-System etabliert: Ein Zombie-Schiff nimmt im Persischen Golf seine Ladung – vermutlich iranisches Öl – per Schiff-zu-Schiff-Transfer auf. Damit passiert es die Meerenge, die für zahlreiche internationale Schiffe gesperrt ist. Vor der Küste Omans wird die Fracht dann auf ein reguläres Schiff umgeladen. Das Zombie-Schiff steuert anschließend zurück in den Persischen Golf und startet den Kreislauf erneut.

Die Blockade der Straße von Hormus hat erhebliche wirtschaftliche Folgen. Laut einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der Universität Delft sind jedoch nicht alle europäischen Länder gleichermaßen betroffen. Die Studienautoren warnen: Dauere die Blockade länger als vier Wochen, könnten sich Verzögerungen entlang globaler Lieferketten aufschaukeln. „Die wirtschaftlichen Folgen steigen dann überproportional an“, erklärt CSH-Präsident Stefan Thurner. (Quellen: Bild, Handelsblatt, Reuters, Supply Chain Intelligence Institute Austria, War & Sanctions) (cln)

Rubriklistenbild: © Rafiq Maqbool/dpa

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