Hochsaison in Aham bei Eiselfing
Schmutzig, aber glücklich: So leistet Michael Maier im Erdenwerk täglich Schwerstarbeit
Mehr als nur Erde und Kompost: Michael Maier (44), Chef des Rosenheimer Erdenwerks bei Eiselfing, weiß, warum seine Arbeit wichtig ist – und macht sich gerne schmutzig. Ein exklusiver Einblick in seinen Job auf dem 40.000 Quadratmeter großen Areal.
Eiselfing/Aham – Es ist ein riesiges Areal in Aham bei Eiselfing, das sicherlich viele Haus- und Gartenbesitzer in der Region kennen: das Erdenwerk Rosenheim. Von der Produktion über die Verpackung bis zur Lkw-Verladung werden dort unter anderem Blumenerde und Rindenmulch produziert.
Die Anreise zum Erdenwerk gestaltet sich vor wenigen Tagen noch recht schwierig. Der Grund: die große Baustelle direkt vor der Haustür. Die Staatsstraße 2092 zwischen Frieberting und Alteiselfing wurde saniert. Seit Anfang April wurden dort die Fahrbahn abgefräst, die Deckschicht und die Bankette erneuert. Doch die Maßnahme ist nun vorbei.
Anlieferung von 50 Lkw am Tag
Darüber freut sich auch Michael Maier, Inhaber des Rosenheimer Erdenwerks. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagt er erleichtert. Im Erdenwerk ist zurzeit nämlich Hauptsaison. „Täglich fahren 50 Lkw ein und aus. Teilweise musste ich den Lieferanten absagen, weil es wegen der Baustelle keine Möglichkeit gab, hier anzuliefern.“
Rosenheimer Erdenwerk bei Eiselfing: So wird dort gearbeitet - Bilderstrecke Teil I




Erdenwerk Rosenheim bei Eiselfing: So wird dort gearbeitet




Für den Inhaber ein echtes Problem, denn von Januar bis Mai ist am meisten zu tun. Viele Kunden wollen Blumen, Salate und Gemüse anpflanzen. „Rushhour“ also, auch im Werksverkauf. Das Unternehmen produziere für Einzelhändler und Baumärkte verschiedene Erden und liefere in Bayern und Baden-Württemberg sowie nach Österreich, Slowenien und Kroatien seine Waren aus, so Maier.
Auf dem rund 40.000 Quadratmeter großen Areal wird täglich angeliefert, verwertet, verpackt, foliert und wieder verladen. Maier besitzt eine große Verpackungslinie mit mehreren Anlagen, alles läuft automatisch. „19 Säcke schafft sie an einem guten Tag in der Minute“, erklärt der Chef mit Blick auf ein Produktionsgerät. Ein Mitarbeiter kontrolliert gerade die Folien, hinterher wird die Erde eingetütet, der Sack verschweißt und auf eine Palette gehoben, foliert und verladen. 600 bis 800 Paletten werden laut dem Inhaber täglich ausgeliefert.
Maier führt das Rosenheimer Erdenwerk seit 2006, sein Vater gründete die Maier OHG aber schon im Jahr 1993. „Das Unternehmen hat seinen Ursprung eigentlich in der Kompostierung“, erzählt er. Damals wurde nur Grüngut angeliefert und die Leute konnten im Gegenzug kostenlos Kompost für den Garten mitnehmen. „Das Konzept kam aber nicht so richtig bei den Leuten an“, erinnert sich der Inhaber. Schon als junger Mann arbeitete er im Unternehmen seines Vaters mit. „Damals haben wir Tausende Säcke Rindenmulch per Hand befüllt. Das war harte, körperliche Arbeit“, weiß er noch gut.
Irgendwann ging es für Maier nicht mehr. So entschied er sich zum Umbau des Unternehmens. Nun befinde sich Kompostierung, Erdenproduktion und Verpackung zentral an einem Ort. Zudem ging 2010 die Biogasanlage und das Blockheizkraftwerk in Betrieb. Zur Biogasanlage gehört ein sogenannter Fermenter, in dem die Vergärung stattfindet. Vier große Räume, „30 Meter lang, sechs Meter breit, insgesamt fasst die Anlage rund 500 Kubikmeter“, erklärt der Chef. So erzeugt das Erdenwerk eigenen Strom und Wärme und sei „praktisch autark“, was die Energiegewinnung für den Betrieb angeht.
Das habe ihm sehr geholfen, als zu Beginn des Ukraine-Kriegs die Strompreise in die Höhe schnellten. Gleichzeitig sei er nun im Nachteil, da die eigens erzeugte Energie mittlerweile wieder mehr koste, als die Energie aus dem Stromnetz. Das findet Maier falsch. „Es sollten alle staatlich unterstützt werden, die selbst Energie produzieren können oder wollen. Nicht auch noch draufzahlen“, kritisiert er.
15.000 Tonnen Bio-Müll kommen jährlich aus Wasserburg
Ein weiteres Standbein des Rosenheimer Erdenwerks ist die Biomüll-Verwertung. Hier landet auch der Bio-Müll aus Wasserburg. 15.000 Tonnen verarbeite das Unternehmen jährlich in der Biogasanlage. Rund 1.150 Tonnen davon stammen aus Wasserburg, der Rest aus Dingolfing und Pfarrkirchen. Zum 1. Mai 2025 wurde die bundesweit geltende Abfallverordnung verschärft, seither darf der gesamte Bioabfall nur noch ein Prozent sogenannter Störstoffe enthalten.
Diese sind auch Maier ein Dorn im Auge, wobei er die Wasserburger in Schutz nimmt: „Die meisten Bürger sind aufgeklärt und wissen, was in den Bio-Müll darf und was nicht“, sagt er. So seien Teebeutel und Kaffee-Pads „das geringste Problem“. Wobei es auch bei den Pads Unterschiede gebe. „Wenn er Milchschaum erzeugt, sind im Filter Plastikeinlagen enthalten. Dann müssen das Pad geöffnet und der Störstoff entfernt werden“, erklärt er.
Es gebe aber auch Leute, die die Bio-Tonne mit einem „Leck-mich-am-Arsch-Gefühl“ als Restmüllverwertung missbrauchen würden. „Plastik, Flaschen, Windeln, Schuhe, Metall“, zählt Maier auf. Viel Verbotenes habe er dort schon entdeckt. Das mache ihm und seinen Mitarbeitern zusätzlich Arbeit. Denn: je weniger Störstoffe, desto weniger Aufwand für den Betrieb. „Und das kommt auch dem Geldbeutel der Bürger zugute, denn diese bezahlen ja den Mehraufwand“, verdeutlicht der 44-Jährige.
Auf dem Hof in Aham sind zahlreiche, große Erdhaufen zu entdecken – von Hügeln mit vielen Störstoffen bis zu frisch aufgeschütteten Erhöhungen ist alles dabei. Immer wieder fährt ein Mitarbeiter mit einem Lader herum, nimmt bei der einen Anhäufung Material auf und fährt es zur nächsten. Unter einem großen Dach ist eine lange Reihe an Erde aufgetürmt. Mit einem sogenannten Überfahrumsetzer wird diese täglich gewälzt, eine Sternsiebanlage entfernt die Störstoffe. Ein anderes Gerät, ausgestattet mit einem Magneten, fischt die metallischen Teile heraus. So bleibt am Ende die frisch aufbereitete Erde zurück, die im Werk wieder in die Säcke verpackt und ausgeliefert wird.
Insgesamt arbeiten im Rosenheimer Erdenwerk rund 40 Leute, in Voll- und Teilzeit sowie Minijobber. Auch Maier beschäftigt der Personalmangel, zurzeit sei er auf der Suche nach einem Betriebsschlosser und Elektriker. Er habe über die Jahre festgestellt, dass sich die Leute nicht mehr schmutzig machen wollen. „Das ist bei uns aber so, im Erdenwerk ist es staubig“, weiß er. Das sei nicht zu ändern. Er findet auch, dass viele „nicht mehr so belastbar“ seien wie früher. „Aber: Die älteren Generationen haben über uns geschimpft und wir beklagen uns über die nächste“, sagt er lachend. „So ist das halt.“
24-Stunden-Stördienst
Maier, der selbst erst 44 Jahre ist, weiß selbst auch noch nicht, ob eines seiner drei Kinder einmal das Werk übernehmen will. „Das dürfen sie selbst entscheiden“, sagt er frei heraus. Es stecke eben auch viel Arbeit drin, der Chef selbst sei „sein eigener 24-Stunden-Stördienst“. Wenn es also bei der Biogasanlage Probleme gebe, stehe er quasi immer parat. Da er selbst schon immer in Aham lebe – der ehemalige Aussiedlerhof, in dem Maier mit seiner Familie wohnt, befindet sich direkt neben dem Erdenwerk – „geht das schon“. Seine beiden älteren Kinder würden mit einspringen, so könne er auch mal Urlaub machen. So war er beispielsweise schon zwei Wochen in Schweden. Und die Digitalisierung habe große Vorteile: Maier steuert die Anlage mittlerweile mit dem Smartphone.




