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Markt überhitzt

Weltgrößter E-Auto-Konzern findet keine Abnehmer für seine Fahrzeuge

BYD als führender E-Auto-Konzern weltweit hat zu viele Fahrzeuge produziert. Die Absatzzahlen in China nehmen ab. Steht die E-Auto-Blase vor dem Kollaps?

Düsseldorf – Der E-Automarkt in China wuchs in der Vergangenheit dynamisch an. Die Volksrepublik dominierte diesen weltweit und löste aufseiten westlicher Hersteller Existenzängste aus. Doch nun kündigt sich laut Experten ein Ende des Booms an: Wie aus einer Erhebung des Datendienstleisters Marklines hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegt, hat der chinesische Marktführer BYD im ersten Quartal weniger Autos verkauft und sitzt jetzt auf Überkapazitäten. Selbst die Regierung Chinas hat sich bereits eingeschaltet. Ist das das Ende des chinesischen E-Auto-Booms?

Sinkende Absatzzahlen: BYD schwächelt im ersten Quartal 2025

BYD plant für das Jahr 2025 eigentlich den Verkauf von 5,5 Millionen (+30 Prozent) Stromern, nachdem der Konzern das Jahr zuvor 4,27 Millionen Autos verkaufte. Doch Ende Mai sei ein Überhang von 340.000 verbucht worden, mehr als im gesamte Jahr 2024. Im ersten Quartal 2025 wuchs der Autobauer lediglich um 5,5 Prozent, während der gesamte chinesische Elektroauto-Markt ein Wachstum von 45 Prozent aufweist. Auf dem heimischen Markt sinken die Verkaufszahlen damit den dritten Monat infolge.

Noch im vergangenen Jahr wuchs der E-Auto-Absatz von BYD auf einen Rekordwert von 1,76 Milliarden und jagte damit dem US-Hersteller Tesla beinahe seine Spitzenposition ab. Doch den Daten zu urteilen, spitzt sich offenbar die Krise auf dem überhitzten, chinesischen E-Automarkt zu. Subventionen, Kaufprämien und eine aggressive Vertriebspolitik bringen jetzt womöglich bald das große Beben.

Chinesische Rabattschlacht auf E-Autos: „Gift trinken, um den Durst zu stillen“

Es wurden im Zuge der vergangenen Jahre Milliarden in den in wankende Automobilunternehmen, den Ausbau von Werken und Batterieparks investiert. Mit über Hundert Marken ist der Wettbewerb in China deutlich schwieriger geworden. Infolge des aufgeblähten, chinesischen Marktes resultieren nun Überkapazitäten und Wettbewerbsverzerrungen, da die Preise durch die stattlichen Subventionen niedrig gehalten wurden.

Ende Mai führte BYD Rabatte von bis zu 34 Prozent auf 22 Modelle ein, um den Abwärtstrend der Absätze auf dem heimischen Markt abzufedern. Die hohen Nachlässe wurden seitens der Branche scharf kritisiert. Sie seien wie „Gift trinken, um den Durst zu stillen“, kritisierte Chery-Chef Yin Tongyue, Vorstandsvorsitzende von Chery Automobile. Für BYD ginge es darum, sich weiterhin Größenvorteile auf dem chinesischen Markt zu sichern, statt die Rentabilität pro Auto zu sichern, so Analysten.

In chinesischen Medien warnte die Regierung vor dem tobenden Preiskampf für kurzfristige Erhöhung der Gewinnspannen, denn dieser „habe das Ökosystem der Branche und die Marktordnung schwer beeinträchtigt und die Sicherheit der Lieferketten beeinträchtigt“. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie hat daraufhin mitgeteilt, den Wettbewerb zu prüfen und die Regeln zu verschärfen.

BYD verbucht den dritten Monat infolge sinkende Absätze – und bleibt auf Überkapazitäten sitzen.

Lagerbestände zu hoch: Chinas Handelsnetzwerk bricht zusammen

Trotzdem großzügige Preisnachlässen vergeben wurden, sind die Lagerbestände weiterhin zu hoch. So registrierte man laut Angaben des Händlerverbandes CADA ein Höchstwert von durchschnittlich 3,21 Monaten bei Händlern. Experten schlagen Alarm: Das chinesische Händlernetz stehe daher kurz vor dem Zusammenbruch. „Es gab sehr große Preisnachlässe auf Fahrzeuge und überhöhte Lagerbestände bei den Einzelhändlern, was zu einer Reihe von Zusammenbrüchen in den Einzelhandelsnetzen in China geführt hat“, erklärte Richard Molyneux, Finanzchef bei JLR im vergangene Jahr. 

Um die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, mussten deutsche Premiummarken wie Mercedes oder BMW dreistellige Millionenbeträge an Händler in China zahlen, weil die Nachfrage drastisch sank. Die Autobauer beklagten sinkende Absätze auf dem chinesischen Markt. Tausende chinesische Händler schlossen ihre Betriebe, weil sie einfach nicht rentabel seien, wie aus Berichten der Automobilwoche hervorgeht.

Berichte: BYD verlangsamt Produktion in China

Branchenkenner führen die stockenden Verkäufe in China nicht auf die schwindende Nachfrage zurück. Im Gegenteil: die Nachfrage ist weiterhin auf hohem Niveau, doch es gibt zu viele Hersteller auf dem Markt – folglich werden Überkapazitäten aufgebaut. Infolge jahrelanger Subventionen durch die chinesische Regierung wurde der Boom am Elektroautomarkt beschleunigt. Bis zu 2.800 Euro wurden pro Fahrzeug an sowohl an Händler als auch an Hersteller ausgezahlt. E-Autos waren zudem bis Ende 2024 von der Kaufsteuer bereit, was zu Entlastungen von bis zu zehn Prozent führte.

Wie Reuters-Berichte nahelegten, verlangsamte der BYD daher seine Produktion durch Schichtkürzungen in Fabriken und stellte Pläne für seine Produktionslinie zurück. Laut Marklines-Zahlen ist im Mai ein Produktionsrückgang von 2,6 Prozent im Vorjahresmonat verbucht worden. Gründe dafür seien Einsparung von Kosten, da die auferlegten Ziele nicht erreicht worden sind, so anonyme Quellen zu Reuters.

Expansion nach Europa: BYD sucht neue Absatzmärkte

Als Reaktion auf die sinkenden Absätze am chinesischen Markt forciert BYD nun auch die Expansion nach Europa. 20 Milliarden Dollar an Investitionen plant der Konzern allein für Europa. In Ungarn und Türkei sind weitere Werkeröffnungen geplant. Und auch Deutschland steht bereits auf der Expansions-Liste. „In Mitteleuropa ist das Geschäft für BYD schwieriger“, sagte Analyst Jürgen Pieper der Tagesschau, „denn hier ist die Konkurrenz größer und stärker“. BYD hätte zudem noch kein nennenswertes Händler-Netz.

Indem die Produktion nach Mitteleuropa verlagert wird, sollen auch die hohen EU-Importzölle umgangen werden. Der Weltmarktführer hatte zuvor mit einer umstrittenen Taktik für Aufsehen gesorgt: Reuters-Berichte enthüllten, dass Chinas Autohersteller jahrelang Neuwagen als Gebrauchtwagen in Ausland verkauft haben, um den Absatz zu steigern. Auf diese Weise konnten Zollabgaben auf Neuwagen umgangen werden.

Mittels der Vergabe von zusätzliche Exportlizenzen, dem Gewähren von beschleunigte Steuergutschriften und Infrastrukturinvestitionen sollen lokale Behörden diese Export-Strategie sogar gefördert haben. „Dies ist das Ergebnis eines fast vierjährigen Preiskampfes, der die Unternehmen dazu gebracht hat, verzweifelt um jeden möglichen Umsatz zu kämpfen“, so Tu Le, der Gründer der Beratungsfirma Sino Auto Insights.

Rubriklistenbild: © dpa/Xinhua | Li Jianan

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