Große Herausforderungen
Ausweitung der Mütterrente: Ökonomen warnen neuen Finanzminister Klingbeil vor Problemen
Die Ausweitung der Mütterrente ist stark umstritten. Besonders die Finanzierung ist Ökonomen ein Dorn im Auge. Lindners Nachfolger Klingbeil wird viel zu tun haben.
Berlin – Eine wichtige Renten-Änderung der Union und SPD betrifft die Pläne für die Mütterrente. Geplant ist eine Anpassung der Mütterrente, wovon zehn Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren könnten. Bislang war das Geburtsjahr des Kindes für die Höhe der Rente entscheidend, die Müttern – selten auch Vätern – für die Kindererziehungszeit zusteht. Das soll sich ändern – doch bereits jetzt bahnen sich Probleme an.
Union und SPD planen Änderung bei Mütterrente – Millionen Menschen profitieren
Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD auf eine Ausweitung der Mütterrente geeinigt. Dies war vor allem ein Herzensanliegen der CSU. „Wir werden die Mütterrente mit drei Rentenpunkten für alle vollenden – unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder –, um gleiche Wertschätzung und Anerkennung für alle Mütter zu gewährleisten“, heißt es im Koalitionsvertrag.
Bedeutet: Statt wie bisher 2,5 Rentenpunkten pro Kind, das vor 1992 geboren wurde, soll es für alle drei Entgeltpunkte geben. Also gibt es für alle Berechtigten drei Rentenpunkte, unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder. Die Rentenpunkte sind jedoch maßgeblich für die Ermittlung der Rentenhöhe. Ein Punkt entspricht derzeit 39,32 Euro Rente im Monat. Mit der Erhöhung zum 1. Juli 2025 steigt der Wert eines Entgeltpunktes auf 40,79 Euro.
Was ist die Mütterrente?
Mit dem Begriff Mütterrente ist eine bessere Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder gemeint, die vor 1992 geboren wurden. Die Mütterrente gibt es seit dem 1. Januar 2014. Zum 1. Januar 2019 wurde die „Mütterrente II“ eingeführt, dank der Erziehende pro Kind, das vor 1992 geboren wurde, bis zu einem halben Jahr Erziehungszeit zusätzlich bei der Rente angerechnet bekommen. Nun sollen auch für vor 1992 geborene Kinder sollen drei statt bisher maximal zweieinhalb Erziehungsjahre bei der Rente angerechnet werden.
Ausweitung der Mütterrente: Ökonomen kritisieren Finanzierung und Kosten
Die Ausweitung der Mütterrente steht stark in der Kritik. Vor allem die Finanzierung bereitet vielen Ökonomen Sorge. Die Ausweitung der Mütterrente soll nicht durch die Beiträge der Erwerbstätigen bezahlt werden. Stattdessen findet sich im Koalitionsvertrag der Zusatz: „Die Finanzierung erfolgt aus Steuermitteln, weil sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.“
Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung hatte Mitte März 2025 die Vereinbarung von Union und SPD kritisiert, die Mütterrente auszuweiten. Es handele sich um eine „sehr teure Umverteilung“, warnte Gundula Roßbach im Berliner Tagesspiegel. Die Ausweitung koste fünf Milliarden Euro pro Jahr, aber zur Finanzierung stehe nichts im Sondierungspapier, so Roßbach noch im März 2025. Die Finanzierungsfrage dürfte auch den neuen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) beschäftigten.
Jens Südekum, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Düsseldorf und SPD-Parteimitglied, erwartet von Klingbeil klare Ansagen an die Koalitionäre. „Für viele der gewünschten Projekte, etwa für die Ausweitung der Mütterrente, dürfte erst einmal kein Geld da sein“, sagte Südekum der Welt. Das müsse Klingbeil seinem Koalitionspartner Markus Söder (CSU) näher bringen.
Ausweitung der Mütterrente stellt neuen Finanzminister Klingbeil vor Herausforderung
Doch die Herausforderungen für Klingbeil gehen laut Ökonomen über die Mütterrente hinaus. Eine weitere Baustelle sind die Ausgaben für Sozialausgaben, unter anderem für die Rente. Friedrich Heinemann, Leiter des Bereichs Öffentliche Finanzen beim Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), fordert von Klingbeil strenge Maßnahmen, um „die Kontrolle über das Wachstum der Sozialausgaben zurückzugewinnen“.
Jeder vierte Euro im Haushalt gehe ins Rentensystem. „Auch die neuen Schulden nach der Grundgesetzänderung werden die Finanzierungsprobleme nicht lösen können, wenn es nicht zu einer Eindämmung kommt“, sagte Heinemann. Klingbeil komme nicht umhin, den Druck auf die Sozialpolitiker – auch in seiner Partei – zur Kostendämpfung in Rente, Gesundheit und Pflege zu erhöhen.
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer erwartet eine rasche Aufstellung des Bundeshaushalts. Angesichts des Neuzuschnitts der Ministerien sei dies keine leichte Aufgabe. Die zusätzlichen Finanz-Spielräume durch die Reform der Schuldenbremse und das Sondervermögen müssten „zukunftsorientiert und wachstumsförderlich“ eingesetzt werden. Als Finanzminister müsse Klingbeil auch Nein sagen können – „egal, von welcher Fraktion die Wünsche kommen“, sagte die oberste Wirtschaftsweise Monika Schnitzer am Mittwoch (30. April 2025) der Welt. Da sei viel Verhandlungsgeschick gefragt. (bohy mit Material von Reuters)
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