2,6 Prozent zum Vorjahresmonat
„Unerwartet stark gestiegen“ – Inflation macht das Leben teurer
Die Inflationsrate hat 2024 wieder zugenommen, vor allem in der Dienstleistungsbranche und bei bestimmten Lebensmitteln. Die Prognosen für 2025 sind unter Ökonomen umstritten.
Wiesbaden – Die Inflationsrate ist im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Das belegen kürzlich veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Der Dienstleistungssektor war im vergangenen Jahr besonders von den Preissteigerungen betroffen, während auch die Nahrungsmittelpreise bei bestimmten Produkten deutlich zunahmen. Gleichzeitig meldete das Statistische Bundesamt jedoch auch Preissenkungen, vor allem im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel. Ökonomen blicken mit gemischten Gefühlen auf den Ausblick für 2025.
Inflationsrate in 2024 geringer als in Jahren davor
Im Durchschnitt lag die Inflationsrate im Jahr 2024 bei 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am 16. Januar mitteilte. Damit war die Inflationsrate im letzten Jahr deutlich niedriger als in den Jahren zuvor. 2023 lag sie bei 5,9 Prozent und 2022 sogar bei 6,9 Prozent. Speziell im Monat Dezember sei die Inflationsrate laut Ulrike Kastens von der Fondsgesellschaft DWS „unerwartet stark gestiegen.“ Diese hatte einen Zuwachs von 2,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Ökonomen seien jedoch laut Berichten nur von rund 2,4 Prozent Zuwachs ausgegangen.
| Jahr | Verbraucherindex (Veränderung gegenüber dem Vorjahr) |
|---|---|
| 2024 | +2,2 Prozent |
| 2023 | +5,9 Prozent |
| 2022 | +6,9 Prozent |
| 2021 | +3,1 Prozent |
| 2020 | +0,5 Prozent |
| 2019 | +1,4 Prozent |
| 2018 | +1,8 Prozent |
| 2017 | +1,5 Prozent |
Drastischer Preisanstieg im Dienstleistungssektor – vor allem eines Dienstleisters
Insgesamt sind die Preise im Verbraucherindex und für Waren im Jahr 2024 weniger stark gestiegen. Preisanstiege notierte die Statistikbehörde vor allem im Dienstleistungssektor, der überdurchschnittlich zum Vorjahresniveau, um 3,8 Prozent angestiegen ist. Der Leiter des volkswirtschaftlichen Teams der Fondsgesellschaft Union Investment, Michael Herzum, erklärt den Anstieg im Sektor mit kräftiger Lohnsteigerung. In einem Bericht der Welt spricht er davon, dass das „Inflationsmonster“ in absehbarer Zeit zu einem „Papiertiger mutieren“ werde. Die Preise für den Dienstleistungssektor verteuern sich aber auch seiner Meinung zu sehr.
Versicherungen wurden im letzten Jahr besonders teuer und stiegen um 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Preise für soziale Einrichtungen wie Pflegeheime oder Tagesbetreuungsstätten erhöhten sich um 7,8 Prozent. Gaststätten wurden 6,8 Prozent teurer, und die Wartung oder Reparatur von Fahrzeugen stieg um 6,1 Prozent.
Diese Lebensmittel sind 2024 teurer geworden
Nahrungsmittel verzeichneten im letzten Jahr eine Teuerungsrate von insgesamt 1,4 Prozent zum Vorjahr. Speziell sind die Preise von Speisefetten und -ölen stark angestiegen, um 10,3 Prozent. Die Preise von Zucker, Marmelade und Honig, sowie andere Süßwaren steigen um 6,4 Prozent an. Um die gleiche Rate sind auch alkoholfreie Getränke teurer geworden. Tabakwaren wurden sechs Prozent teuer im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich sanken die Preise bei Milchprodukten, sowie Gemüse um wenige Prozent.
Doch auch Preissenkungen notierte das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr. So sanken die Kosten für kombinierte Tickets für öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn wegen des eingeführten Deutschlandtickets, um 7,4 Prozent zum Vorjahr. Ab 2025 wird das deutschlandweite Ticket jedoch teurer. Die Energiekosten gingen ebenfalls etwas runter, um 3,2 Prozent, da vor allem Strom wieder im Vergleich zum Vorjahr billiger geworden ist. Einen drastischen Preisanstieg verzeichnete Fernwärme wiederum mit 27,1 Prozent Zuwachs seit 2023. Auch Kraftstoffe wurden um 3,2 Prozent billiger.
Experten gehen von keinen starken Preisanstiegen erstmal aus – doch Stagflation schließt sich nicht aus
Insgesamt gehen Experten nicht davon aus, dass Deutschland von einer Teuerungswelle in naher Zukunft betroffen sein wird. Dennoch äußern sich kritische Stimmen, dass zumindest kurzfristig „das Gespenst der Stagflation“ zurückkehren wird, wie Carsten Brzeski, Chefökonom Deutschland der Großbank ING, in der Welt erklärt. Die hänge laut ihm mit einer nach wie vor schwachen Konjunkturstimmung und einer beschleunigten Teuerungsrate zusammen. Er geht davon aus, dass die Kohlendioxid- und Gaspreise noch leicht ansteigen werden. Generell, rechnen Ökonomen aktuell mit einem Anstieg der Lebenshaltungskosten von rund 2,5 Prozent.
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