Ukraine müsste „30 bis 50 Prozent“ der russischen Anlagen zerstören
Ukraine schädigt Russlands Wirtschaft – Putins zentrale Industrie wird geschwächt
Die Ukraine erhöht ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien. Das endgültige Ziel ist die Destabilisierung der russischen Wirtschaft. Russlands Verteidigung schwächelt.
Kiew – Während die westlichen Verbündeten der Ukraine versuchen, Russlands Wirtschaft durch eine rigorose Sanktionspolitik zu beschädigen, reagiert Kreml-Chef Wladimir Putin mit immer neuen Tricks, um diese Sanktionen zu umgehen. Zum Beispiel verschifft eine russische Schattenflotte Öl im Wert vieler Milliarden US-Dollar. Die Ukraine geht nun ebenfalls immer stärker gegen Russlands Ölraffinerien vor.
Mit Drohnenangriffen gegen Russlands Wirtschaft – Ukraine fährt schwere Geschütze auf
Die Ukraine greift fast täglich die russische Infrastruktur an. Langstreckendrohnen dringen tief ins russische Inland vor, um Ölraffinerien und Tanklager zu beschädigen oder zu zerstören. Innerhalb der vergangenen Wochen sind Dutzende Anlagen der russischen Industrie den Drohnen zum Opfer gefallen. Unter anderem hatte es eine wichtige Ölraffinerie in der russischen Region Rjasan getroffen. Diese befindet sich südöstlich von Moskau und gilt als eine der größten des Landes. N-tv berichtete, dass Kiew mittlerweile auf zu Kampfdrohnen umgebaute Sportflugzeuge zurückgreift.
„Die Verladestation für die Bahn wurde zerstört, an der Ölraffinerie selbst gibt es auch Schäden“, hatte N-tv-Russland-Korrespondent Rainer Munz dazu gesagt. Am Samstag (15. Februar) soll ein ukrainischer Angriff auf eine Ölraffinerie im Volgograder Distrikt Krasnoarmeysky für mindestens 15 Explosionen gesorgt haben. Das berichtete Kyiv Independent und berief sich auf Aussagen von Lokalen. Die Aussagen ließen sich bislang nicht verifizieren.
Mit diesen Angriffen will die Ukraine die Spritpreise an russischen Zapfsäulen hochtreiben und auch die Exporte des Landes schwächen. Schon seit Ende Januar laufen diese Angriffe in unterschiedlicher Intensität – die Ukraine hatte in der letzten Januarwoche einen der größten Angriffe des Krieges gestartet.
Russland braucht Öl-Exporte – West-Sanktionen sollen Wirtschaft schwächen
Die Einnahmen aus Ölexporten sind für Russland mit die wichtigsten Einkommensströme. Laut dem Centre for Research on Energy and Clean Air hatte Russland im Januar durch den Verkauf von fossilem Treibstoff rund 687 Millionen Euro pro Tag eingenommen. Die Gewinne aus auf See gefördertem Rohöl stieg um 13 Prozent, obwohl die Exportmenge lediglich um zwei Prozent wuchs. Die Gewinne aus Exporten in die Türkei stiegen um 18 Prozent. Russische Raffinerien hatten auf Hochtouren gearbeitet, weil eine stärkere Sanktionierung russischer Öltanker zu befürchten steht.
Die westlichen Verbündeten der Ukraine versuchen ebenfalls seit längerer Zeit, Russlands Ölverkäufe zu stören. Das tun sie vorrangig durch Importverbote und den Ölpreisdeckel. Sollte von Tankern verschifftes russisches Öl mehr als 60 US-Dollar pro Barrel kosten, ist der Transport verboten. Das CREA hatte hier bereits wiederholt einen Preisdeckel von 30 Dollar vorgeschlagen. Ein Ölpreisdeckel von 30 US-Dollar hätte Russlands Einnahmen um 23 Prozent beschnitten – das zeigte jedenfalls eine entsprechende Projektion.
Dauerhafter Schaden für Russlands Wirtschaft noch nicht erreicht – Ukraine muss mehr Raffinerien zerstören
Welche Folgen die ukrainischen Angriffe auf Russlands Wirtschaft haben, wird sich noch herausstellen. In den angegriffenen Raffinerien wird kein Öl produziert, sondern verarbeitet – in seine unterschiedlichen Bauteile zerlegt und veredelt. Russland ist der Ukraine hinsichtlich des Schutzes der Anlagen Berichten zufolge unterlegen. Die Drohnen aus der Ukraine zerstörten die Anlagen schneller als sie repariert werden können.
Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, bräuchte es allerdings einen „erheblichen dauerhaften Schaden“. Hierfür müsste die Ukraine „30 bis 50 Prozent“ der russischen Raffinerien zerstören. So hatte es Olexander Kharchenko, der Leiter des Energie-Industrieforschungs-Centers (Energy Industry Research Center) in Kiew, gegenüber dem Tagesspiegel Background gesagt.
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