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Merz will nachsteuern
Trotz Fachkräftemangel Millionen im Bürgergeld: Arbeitsmarkt „funktioniert zunehmend schlechter“
Fachkräftemangel und gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit: Ein Ökonom sieht den Arbeitsmarkt in Gefahr. Die Politik reagiert mit Änderungen beim Bürgergeld.
Frankfurt/Nürnberg – Die Zahl der Arbeitslosen hat im August die symbolisch bedeutende Marke von drei Millionen überschritten. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind konkret 3.025.000 Menschen ohne Job, im Vergleich zum Vorjahr sind das 153.000 mehr. Die Entwicklung hatte sich jedoch abgezeichnet. So hatte etwa Ökonom Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bereits im Juli die Entwicklung vorhergesehen. Dennoch lasse der Pessimismus der Arbeitsagenturen nach. Eine Chance auf eine Trendwende sei da.
Angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung gibt es daran jedoch Zweifel. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zurückgegangen – und damit stärker als zunächst erwartet, die das Statistische Bundesamt am Freitag, 22. August, erklärte. Ulrich Kater, Chefökonom der DekaBank, sieht die „schleppende Konjunkturentwicklung“ als einen Grund für die steigende Arbeitslosigkeit.
Arbeitsmarkt funktioniert „zunehmend wieder schlechter“ – und lässt Bürgergeld-Empfänger im Stich
Doch gleichzeitig beobachtete Kater: „Nach erfolgreichen Arbeitsmarktreformen vor mehr als zwanzig Jahren funktioniert der Arbeitsmarkt in Deutschland nun zunehmend wieder schlechter.“ Denn die Entwicklungen zeigten, „dass das Profil der Arbeitssuchenden nicht zum Profil der vorhandenen Jobs passt“ sagte der Volkswirt IPPEN.MEDIA.
Tatsächlich haben etwa zahlreiche Bürgergeld-Empfänger nicht die Qualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist. Knapp 80 Prozent der gemeldeten Stellen richteten sich laut Arbeitsministerium an Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Die könnten zwei Drittel der Erwerbslosen im Bürgergeld jedoch nicht vorweisen. Die Chancen der Betroffenen seien damit auf einem „historischem Tiefstand“, hatte das Ministerium im Mai eingeräumt.
Arbeitslosigkeit steigt „trotz des notorischen Fachkräftemangels“: Merz-Regierung will nachsteuern
Damit steige die Arbeitslosigkeit „trotz des notorischen Fachkräftemangels“. Den beobachtet Kater jedoch bei „mittel- und hochqualifizierten Fachkräften“. Dazu sei es in einigen Bereichen wie der Gastronomie „sogar schwierig, einfache Tätigkeiten zu besetzen“.
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Die Bundesregierung will gegensteuern. Im Zuge des Umbaus des Bürgergelds zur neuen Grundsicherung soll einerseits der Druck auf die Empfänger erhöht werden, dass sie offene Stellen schneller annehmen. Darüber hinaus planen Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas eine bessere Unterstützung der Bürgergeld-Empfänger durch die Jobcenter. Dazu sollen die Einrichtung ausreichend finanzielle Mittel erhalten. Ab dem kommenden Jahr ist etwa eine Milliarde Euro mehr für die Eingliederung geplant.
Merz-Regierung will Erwerbslose im Bürgergeld besser fördern
Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) will durch die bessere Qualifizierung das sogenannte Mismatch auflösen, das auch Deka-Chefökonom Kater beobachtete. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber hatte bereits häufiger betont, dass dabei „alle Register“ gezogen werden müssten. Neben der Qualifizierung und einer stärkeren Verbindlichkeit, die auch durch Sanktionen geschaffen werden soll, müssten etwa finanzielle Anreize zur Mehrarbeit verstärkt werden. Dazu spielt auch der Ausbau der Kinderbetreuung eine Rolle, damit besonders Alleinerziehende in Arbeit kommen können.
Dabei ist jedoch zu beachten: Nicht alle Erwerbslosen aus der Statistik erhalten Bürgergeld. So erhalten nach der neusten Hochrechnung der Arbeitsagentur 1.019.000 Menschen Arbeitslosengeld. Das sind 99.000 mehr als noch vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeld-Berechtigten ist im Vergleich zum Vorjahr dagegen um 88.000 gesunken und liegt hochgerechnet bei 3,9 Millionen. Davon stehen jedoch nur rund 1,8 Millionen dem Arbeitsmarkt auch tatsächlich zur Verfügung. Rund 800.000 Personen im Bürgergeld-Bezug arbeiten, müssen ihr zu knappes Gehalt jedoch mit der Grundsicherung aufstocken.