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Europäische Wirtschaft im Kreuzfeuer
China wirft Niederlanden „Banditentum“ vor: Chip-Fiasko könnte auch deutsche Autobranche treffen
Es ist eigentlich ein Handelsstreit zwischen den USA und China – dennoch gerät die europäische Wirtschaft immer wieder zwischen die Fronten. Eine Analyse.
Für die deutsche Autoindustrie kommen die Schwierigkeiten aktuell von allen Seiten. Zölle beim Export in die USA, der Wettkampf mit Chinas innovativer E-Auto-Technologie, wachsende Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland – und nun könnte es auch noch zu Lieferproblemen bei Halbleitern kommen. Ausgelöst durch eine niederländische Regierungsentscheidung, die eigentlich genau das Gegenteil bewirken sollte.
Halbleiter sind in vielen alltäglichen Gegenständen verbaut, in Smartphones und Computern, aber auch in Haushaltselektronik. Sie sind zudem notwendig, um in Autos unterschiedliche Funktionen zu ermöglichen. Sie werden in der Steuerung verbaut und der Bedienung. Für Leistungselektronik, Fahrassistenz- und Sicherheitssysteme. Ein Auto kann mehrere Tausend solcher Chips benötigen. Deutsche Autohersteller wie BMW, VW, Porsche oder Audi beziehen einen Großteil der benötigten Halbleiter aus dem Ausland. Unter anderem vom niederländischen Chiphersteller Nexperia. Doch das Unternehmen kann Lieferungen aktuell nicht mehr garantieren.
USA zwingt Niederlande zum Handeln: Verzwickte Lieferkettensituation beim Chip-Hersteller Nexperia
Der Hintergrund: Im Zollstreit zwischen den USA und China wurde die niederländische Regierung von den USA zum Handeln aufgefordert. Nexperia ist ein Tochterunternehmen des chinesischen Herstellers Wingtech. Im Sommer hatte es aus den USA bereits Bedenken gegeben, dass Nexperia nicht unabhängig vom Mutterkonzern agieren könne, und es wurde gefordert, dem chinesischen Geschäftsführers Zhang Xuezheng seine Position zu entziehen. Wingtech steht auf der „Entity List“ der USA – einer schwarzen Liste für den Handel.
Das Bureau of Industry and Security (BIS) der Vereinigten Staaten hat eine Regelung erlassen, welche die US-Exportkontrollbeschränkungen auf Unternehmen ausweitet, die zu mindestens 50 Prozent im Besitz einer oder mehrerer auf der US-Entity-List geführter Einheiten sind. Dazu würde auch der niederländische Chiphersteller zählen.
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„Aufgrund schwerwiegenden Führungsmangels“ hat das niederländische Ministerium für Wirtschaft am 30. September das Gesetz über die Verfügbarkeit von Gütern genutzt und Nexperia unter die Führung der niederländischen Regierung gebracht. „Die Entscheidung zielt darauf ab, eine Situation zu verhindern, in der die von Nexperia hergestellten Güter (Fertig- und Halbfertigprodukte) im Notfall nicht mehr verfügbar wären. Der reguläre Produktionsprozess des Unternehmens kann fortgesetzt werden“, heißt es von Seiten der Regierung.
Mit dem Schritt solle die Kontinuität von „entscheidendem technologischem Wissen und Fähigkeiten auf niederländischem und europäischem Boden“ gesichert werden. Trotz europäischer Produktionsstandorte von Nexperia – der größte befindet sich in Hamburg – werden die Chips jedoch in China verpackt und zu weiteren Produkten zusammengebaut. Und da liegt aktuell das Problem. Denn das chinesische Handelsministerium gab als Reaktion eine Exportkontrollmitteilung heraus, die Nexperia China und seinen Subunternehmern die Ausfuhr spezifischer in China hergestellter Fertigkomponenten und Unterbaugruppen untersagt.
Die chinesische Handelskammer in der EU reagierte verärgert über den Schritt der niederländischen Regierung: „Die niederländischen Behörden haben einen modernen Akt wirtschaftlichen Banditentums begangen.“ Nexperia gibt in einem öffentlichen Statement zu dem Thema an, im Austausch mit den verantwortlichen Parteien zu stehen und schnell eine Lösung finden zu wollen.
Chance für deutsche Autobranche: Merz‘ Hightech-Agenda soll den Standort unabhängiger machen
Während Autohersteller in Deutschland noch keinen Alarm schlagen, strebt die deutsche Regierung bereits eigene Pläne an, um das Problem in Zukunft zu umgehen. Zwischen 2020 und 2023 gab es bereits eine „Chipkrise“, die damals auch Deutschland betraf. In der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Halbleitern in kurzer Zeit sehr stark an – unter anderem, weil global viele Arbeitnehmer ihr Homeoffice mit Technik nachrüsteten.
m so einen Mangel und Lieferengpässe in Zukunft zu verhindern, sieht die Hightech-Agenda von Bundeskanzler Friedrich Merz und seinem Kabinett mehrere Handlungsfelder vor. Unter anderem die Fähigkeiten im Chip-Design vor Ort zu stärken. (Quelle: Eigene Recherche, Government of the Netherlands, Nexperia, CCCEU, Bundesregierung)