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Ist die Halbleiter-Lieferung von Nexperia durch den Handelskrieg zwischen den USA und China in Gefahr? Leidtragende wären auch deutsche Hersteller.
Nijmegen/Hamburg – Ein winziges Bauteil sorgt für große Unruhe: Halbleiter von Nexperia, einem niederländischen Chiphersteller, sind aus vielen Autos in Europa kaum wegzudenken. Doch jetzt drohen Lieferengpässe – und das offenbar wegen des anhaltenden Handelskriegs zwischen den USA und China.
Die Folgen könnten gravierend sein, denn Alternativen stehen kurzfristig kaum zur Verfügung. In der Autoindustrie macht sich weitere Unruhe breit. Der Hintergrund der aktuellen Krise ist geopolitisch:
Handelskrieg zwischen USA und China: Nexperia im Zentrum
Nexperia gehört seit einigen Jahren zum chinesischen Konzern Wingtech. Das Unternehmen produziert in Hamburg (rund 2500 Angestellte) einfache Halbleiter wie Dioden und Transistoren, die in fast jedem modernen Auto stecken. Die Chips werden in Deutschland gefertigt, aber zur Weiterverarbeitung in die Volksrepublik geliefert.
Nun verbietet das chinesische Handelsministerium den Export bestimmter Bauteile, die mit Nexperia-Chips bestückt sind. Laut Wingtech betrifft das rund 80 Prozent der Endprodukte. Zuvor geriet Wingtech in den USA auf eine Sanktionsliste – US-Firmen dürfen keine Geschäfte mehr machen. Die Folge: Nexperia kann seine Lieferungen an Autobauer nicht mehr garantieren. Am 10. Oktober wurden die Kunden informiert, dass die Bestände nur noch für wenige Wochen reichen könnten.
Nexperia: Alarmstufe Rot bei Mercedes, BMW und Volkswagen
Die Nachricht verunsichert die ohnehin angeschlagene europäische Autoindustrie. Der Verband ACEA warnt in einer Mitteilung vor Produktionsstopps, sollten die Nexperia-Chips ausbleiben. „Wir befinden uns plötzlich in dieser alarmierenden Lage“, so ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries. „Wir brauchen wirklich schnelle und pragmatische Lösungen von allen beteiligten Ländern.“
Auch die US-Autolobby drängt: „Wenn die Lieferung von Auto-Chips nicht schnell wieder aufgenommen wird, wird dies die Autoproduktion in den USA und vielen anderen Ländern stören und einen Dominoeffekt auf andere Branchen haben“, wird John Bozzella, Chef der Alliance for Automotive Innovation, von Reuters zitiert.
Betroffen wären nicht nur deutsche Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, sondern auch große Zulieferer wie Bosch, Aumovio oder Valeo.
Nexperia: Niederländische Regierung greift auf Druck der USA ein
Nexperia hat längst die Politik auf den Plan gerufen: Die niederländische Regierung übernahm bereits Ende September die Kontrolle über das Unternehmen – ein beispielloser Eingriff in die europäische Technologiebranche. Der chinesische Firmenchef Zhang Xuezheng wurde per Gerichtsbeschluss abgesetzt. Laut Gerichtsdokumenten geschah dies auf Druck der US-Regierung. Ziel: Die Weitergabe von sensibler Technologie an die chinesische Mutter verhindern. Wie die Zeitung NRC berichtet, soll Zhang auch in China zu Geldstrafen verurteilt worden sein, weil er gegen Börsenregeln verstoßen habe.
Das niederländische Wirtschaftsministerium begründete den Schritt mit „akuten Anzeichen für schwerwiegende Mängel in der Unternehmensführung und Handlungen“ bei Nexperia. Es gehe um die Sicherung wichtiger technologischer Kenntnisse und Fähigkeiten für Europa. Details zu den Governance-Problemen nannte die Regierung nach Angaben von Reuters nicht.
Halbleiter von Nexperia als geopolitisches Faustpfand
Der Fall Nexperia zeigt, wie sehr Halbleiter zum Spielball der Weltpolitik geworden sind. Die USA haben bereits zuvor den Export modernster Halbleitertechnik aus den Niederlanden nach China eingeschränkt. China wiederum reagierte mit Exportbeschränkungen für Seltene Erden, die für die Chipproduktion und andere Branchen unverzichtbar sind. Das chinesische Handelsministerium verwies explizit auf die US-Maßnahmen als Grund für diese Schritte.
Nicht zum ersten Mal steht Nexperia wegen seiner chinesischen Eigentümer im Fokus westlicher Sicherheitspolitik: Schon 2022 verhinderte Großbritannien den Kauf einer Chipfabrik durch Nexperia, aufgrund von nationalen Interessen. Die USA versuchen derweil schon länger, mit Chip-Verboten den Druck auf China zu erhöhen.
USA, China und Nexperia: Was heißt das für Europas Autoindustrie?
Für die europäischen Autobauer droht die Lage an einer weiteren Front ernst zu werden. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen betonen, dass ihre Produktion aktuell weiterläuft. Doch die Unsicherheit bleibt, und die Unternehmen stehen in engem Kontakt mit Zulieferern, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Warum sich die Lage entspannen könnte: Der bisherige deutsche Finanzvorstand Stefan Tilger übernimmt bei Nexperia übergangsweise die Führung.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, als Halbleiter aus Asien knapp waren, sind noch allgegenwärtig. Klar ist: Die Kontrolle über kritische Lieferketten wird für Europa aus wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten immer wichtiger. (PF)