Experte schaut auf Strompreis
Aus für das Heizungsgesetz? Deutscher Städtetag befürchtet „großes Durcheinander“ durch Union-Plan
Vor der Bundestagswahl fragt sich Deutschland, wie es mit dem Heizungsgesetz weitergeht. Eine von der Union geplante Abschaffung sehen Experten kritisch.
Berlin – Bevor es sich so richtig entfalten konnte, soll das sogenannte Heizungsgesetz schon wieder Geschichte sein. Die Union, in Umfragen vor der Bundestagswahl durchgehend mit Respektsabstand der anderen Parteien an erster Stelle, verspricht in ihrem Programm die Abschaffung des Prestigeprojekts der Ampel-Koalition.
Dieses sah vor, dass neue Heizungen für die Wärmewende spätestens Mitte 2028 mit 65 Prozent erneuerbarer Energie laufen müssen. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt Wärmepumpe. CDU und CSU versprechen dagegen eine „Entscheidungsfreiheit“ für die Bürger und „technologieoffen emissionsarme Wärmelösungen zu fördern“. Dabei müsse „auch das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz“ eine Option sein.
Heizungsgesetz vor dem Ende: „180-Grad-Kehrtwende würde großes Durcheinander schaffen“
Kurz und knapp: In einer von der Union angeführten Regierung hat das Heizungsgesetz keine Zukunft. Mit diesem Versprechen ließ sich durchaus punkten, wie Umfragen aufzeigten. Auch wenn eine Milliardenbelastung auf den Steuerzahler warten könnte. Im heißen Wahlkampf ist das Thema Heizung allerdings merklich abgekühlt.
Aber es hat sich durchaus in den Köpfen derjenigen verfestigt, die beruflich unmittelbar betroffen sind. So warnt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, in der Wirtschaftswoche (Wiwo): „Ein Gesetz an der einen oder anderen Stelle nachzubessern ist normal, aber eine 180-Grad-Kehrtwende würde großes Durcheinander schaffen.“
Noch sind die Städte und Kommunen dazu angehalten, ihre bisherigen Planungen für den Ausbau von Wärmenetz oder klimaneutralem Gasnetz fortzusetzen. Womöglich können diese aber schon bald zu den Akten gelegt werden. Aktuell aber stellt sich die Frage: Wärmepumpe oder Fernwärme?
Union und das Heizungsgesetz: „Abschaffung würde Situation weiter verschlimmern“
Der Bundesverband Wärmpumpe (BWP) erwartete Ende November für das Jahr 2025 bei den aktuellen Bedingungen, dass rund 260.000 Geräte verkauft werden. 2024 hatte es nach dem Rekordjahr 2023 erstmals seit langer Zeit einen Rückgang gegeben – von 356.000 auf weniger als 200.000.
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Der Trend habe aber die ganze Branche betroffen, betont Björn Schreinermacher in der Wiwo. Der Leiter Politik beim BWP erklärte: „Wir haben im vergangenen Jahr einen Absatzeinbruch von 50 Prozent bei allen Wärmeerzeugern gesehen. Wenn man nun die Situation weiter verschlimmern will, dann schafft man das Heizungsgesetz ab.“
Auch andere Experten sehen eine Rückabwicklung kritisch. „Die Heizungsförderung, die wir heute haben, ist die attraktivste, die es je gab“, lobte etwa Thomas Heim, Geschäftsführer der mittlerweile in die USA verkauften Heizungssparte von Viessmann, im Handelsblatt: „Aber populistische Diskussionen verunsichern die Bevölkerung.“ Norbert Schiedeck, Vorsitzender der Vaillant Group Geschäftsführung, gab gegenüber der Zeitung zu bedenken: „Der Markt hat sich auf das Gebäudeenergiegesetz eingestellt.“
Was wird aus dem Heizungsgesetz? Experte fordert „verlässliche und langfristige Leitplanken“
Verbesserungspotenzial gibt es freilich durchaus. Das verdeutlichte Tillmann von Schroeter, Geschäftsführer von Vaillant Deutschland, im Wiwo-Gespräch. Er plädiert für „verlässliche und langfristige Leitplanken beim Heizungstausch“ und moniert „eine lange Liste von Nebenbedingungen für so ziemlich jede Lebenslage“ im Gebäudeenergiegesetz.
Sein Vorschlag sieht so aus: „Um den Umstieg zu beschleunigen, sollte der Strompreis deutlich reduziert werden und maximal das 2,5-Fache des Gaspreises betragen.“ Weiter rät von Schroeter dazu, die Stromsteuer zu senken und Kunden nicht zusätzlich durch Netzentgelte zu belasten. „Hilfreich wäre ein günstiger Netzausbau zum Beispiel durch Digitalisierung und oberirdische Stromleitungen“, zeigt er einen Weg auf.
Wärmepumpe oder Fernwärme: Abnahmezwang „dürfte Akzeptanz nicht erhöhen“
Im selben Artikel verweist Hannes Münzinger, Geschäftsführer vom Solartechnik-Anbieter Homenergy, auf die Kosten von derzeit 30.000 Euro für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation. Künftig könnten bis zu 5000 Euro gespart werden, ist er überzeugt. Dabei setzt er auf Flexibilität hinsichtlich der Größe des Geräts, denn diese seien bislang oft „überdimensioniert“. Größere Mengen und „optimierte Prozesskosten bei den Installateuren“ würden für „bessere Einkaufskonditionen“ sorgen.
Außerdem ist Münzinger überzeugt: „Bei zunehmender Erfahrung mit Wärmepumpen werden künftig auch mehr traditionelle Installationsbetriebe auf diese Heizvariante setzen.“ Zum Thema Fernwärme findet von Schroeter derweil, es müssten „ausreichend Abnehmer“ zur Verfügung stehen. Den von einigen Kommunen geplanten Abnahmezwang sieht er kritisch: „Es dürfte die Akzeptanz nicht erhöhen.“ (mg)
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