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Europäischer Rüstungsdeal
Norwegen steckt Milliarden in deutsche U-Boote: ThyssenKrupp Marine Systems verbucht lukrativen Auftrag
Norwegen ordert zwei weitere U-Boote bei TKMS. Das Verteidigungsbudget wächst um knapp vier Milliarden Euro. Polen bevorzugt die schwedische Konkurrenz.
Kiel/Oslo – Nach einer herben Niederlage in Polen kann der Kieler Marineschiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) einen Erfolg verbuchen. Norwegen hat am Freitag, dem 5. Dezember, die Bestellung von zwei weiteren U-Booten der Klasse 212CD angekündigt und erhöht dafür sein Verteidigungsbudget. Die Zahl der für die norwegische Marine vorgesehenen Boote steigt damit von vier auf insgesamt sechs Stück.
Europa rüstet auf: Norwegens Verteidigungsbudget steigt um Milliarden
Die neuen U-Boote der Klasse 212CD werden etwa 72 Meter lang sein und verfügen über eine verbesserte Sensorik. Sie sollen mit 30 Besatzungsmitgliedern fahren und sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt. Die Buchstaben „CD“ stehen für gemeinsames Design (“Common Design“), wodurch Kosten verringert und eine einfache Zusammenarbeit zwischen der Marine verschiedener Staaten ermöglicht werden sollen.
Um den Kauf zu finanzieren, will die norwegische Regierung ihr Verteidigungsbudget um 46 Milliarden Kronen – umgerechnet 3,9 Milliarden Euro – erhöhen. Bisher war das Budget für 2025 mit 110 Milliarden Kronen – rund 9,3 Milliarden Euro – veranschlagt. Die U-Boote seien „für die Verteidigung unseres Landes absolut unerlässlich“, erklärte der norwegische Verteidigungsminister Tore O. Sandvik. Sandvik verwies auf „eine Zunahme der Aktivitäten der russischen Streitkräfte im Nordatlantik und in der Barentssee“. Als „Augen und Ohren der Nato“ in Nordeuropa müsse Norwegen seine Fähigkeit ausbauen, Präsenz zu zeigen, die Region zu überwachen und „abzuschrecken. [...] In diesem Zusammenhang sind U-Boote absolut unverzichtbar“, so Sandvik. Die norwegische Regierung gab zudem den Kauf von Langstrecken-Raketen, die Ziele in bis zu 500 Kilometern Entfernung treffen können, für 19 Milliarden Kronen bekannt.
Nach TKMS-Börsengang Ausblick auf weitere Großaufträge: Rückschlag in Polen vor norwegischem Erfolg
Der norwegische Auftrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem TKMS eine Niederlage in Polen hinnehmen musste. Das Nachbarland hatte sich bei der Anschaffung von drei neuen U-Booten für das schwedische Modell Saab A26 Blekinge entschieden. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz begründete die Entscheidung: „Das schwedische Angebot war das einzige, das alle Anforderungen unserer Marine erfüllte.“ Im internationalen Wettbewerb um den polnischen Auftrag waren neben TKMS auch Anbieter aus Frankreich, Spanien, Italien und Südkorea beteiligt. Experten sehen die Gründe für den schwedischen Erfolg vor allem in der operativen Passgenauigkeit, im Zeitplan und in der industriellen Einbindung des Angebots, analysiert das Portal Europäische Sicherheit & Technik (ESUT). TKMS konnte aufgrund der aktuell gut laufenden U-Boot-Produktion offenbar keine kurzfristige Übergangsplattform anbieten, während Saab konkrete Indienststellungszeiträume und eine Interimslösung für die polnische Marine bot.
Trotz der Niederlage in Polen bleibt TKMS gut positioniert. Der U-Boot-Bauer bewirbt sich unter anderem um einen großen Rüstungsauftrag zum Bau von acht bis zwölf konventionellen U-Booten für Kanada. „Als nächste Phase besteht die Möglichkeit der Programmerweiterung um potenziell zwölf kanadische U-Boote“, sagte Burkhard. Im August besuchte der kanadische Premierminister Mark Carney die U-Boot-Schmiede in Schleswig-Holstein. Mitbewerber ist eine Werft aus Südkorea. (ls/dpa)