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Domino-System Weltwirtschaft

Nobelpreisträger rechnet mit Trump ab: „Sieht düster aus für die USA“

Nobelpreisträger Paul Romer warnt vor Trump-Politik. USA droht institutioneller Kollaps. Auch Deutsche Wirtschaft stagniert zum dritten Mal.

Washington/Berlin – In einem aktuellen Interview mit der Wirtschaftswoche äußert sich der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Romer äußerst pessimistisch über die Zukunft der USA unter Donald Trump. „Es sieht düster aus für die USA“, warnt der renommierte Ökonom. Seine Befürchtung: „Kaum einer hat bisher verstanden, wie schlimm es wirklich wird. Trump könnte buchstäblich zum Diktator werden“.

Romer, der 2018 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, sieht die Gefahr nicht nur in Trumps Wirtschaftspolitik, sondern vor allem in der systematischen Zerstörung staatlicher Institutionen. „Trump zerstört die Institutionen, die es der US-Regierung ermöglichen, auf Krisen zu reagieren“, erklärt der Experte gegenüber der Wirtschaftswoche.

Handshake, Chaos, große Gesten: Das Trump-Putin-Treffen in Bildern

Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich in Alaska zum Gipfel. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich im US-Bundesstaat Alaska zum Gipfel in Sachen Ukraine-Krieg. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.  © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson + IMAGO / Anadolu Agency + IMAGO / ITAR-TASS
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska.
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska. © dpa/FR596 AP | Luis M. Alvarez
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen.
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Nikolsky
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen.
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt.
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor.
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor. © IMAGO / SNA
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska.
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska. © IMAGO/Hasan Akbas/Anadolu Agency
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander.
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander. Trump soll ihm laut US-Medien dort sogar kurz applaudiert haben. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück.
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One.
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut.
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen.
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen.
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff.
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.).
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.). © IMAGO/Kremlin Press Office
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement.
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement. © dpa/AP | Jae C. Hong
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio.
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska.
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska. © dpa/AP | Jae C. Hong
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“.
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“. © dpa/XinHua | Wu Xiaoling
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden.
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden. © Wu Xiaoling/dpa/AP
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus.
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen.
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz.
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz. © IMAGO/Gavriil Grigorov
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder.
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Treffen von Trump und Putin.
Putin legt nach dem Treffen mit Trump Blumen an den Gräbern sowjetischer Soldaten nieder, die während des Zweiten Weltkriegs auf dem Nationalfriedhof Fort Richardson in Alaska begraben wurden. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets.
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov

USA vor historischem Bevölkerungsrückgang: Wirtschaftsnobelpreisträger warnt vor institutionellem Kollaps

Die Warnungen des Nobelpreisträgers erhalten durch aktuelle Entwicklungen zusätzliche Brisanz. Laut Handelsblatt stehen die USA vor einem „historischen Bruch“: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes könnte die Bevölkerung 2025 schrumpfen. Ursache ist Trumps harte Anti-Migrationspolitik, die laut Studien von Pew Research und dem American Enterprise Institute zu mehr Ab- als Zuwanderung führen wird. Das American Enterprise Institute rechnet mit einem Bevölkerungsrückgang von 525.000 Menschen, während Pew Research einen noch stärkeren Rückgang prognostiziert. Diese Entwicklung bedroht das traditionelle amerikanische Wachstumsmodell fundamental, da laut Handelsblatt „die stetige Zunahme der amerikanischen Einwohnerzahl für die Volkswirtschaft essenziell“ war.

Während die USA mit demografischen Problemen kämpfen, stagniert Deutschland bereits zum dritten Mal in Folge. Laut den aktuellen Daten des Bundeswirtschaftsministeriums ist das preisbereinigte BIP im zweiten Quartal 2025 um 0,1 Prozent zurückgegangen. Auf die Frage nach Deutschlands ökonomischen Problemen antwortet Romer: „Wachstum kommt von besseren Ideen und von der Offenheit, Dinge anders zu machen. Ohne den Mut für Experimente ist Wachstum nur schwer zu erzielen“. Der Nobelpreisträger betont dabei einen oft übersehenen Aspekt: „Zwei Drittel der Wirtschaftsleistung eines Staates beruhen auf den Fähigkeiten seiner Arbeitskräfte“.

Paul Romer erhielt 2018 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften – jetzt rechnet er schonungslos mit Trumps Zerstörung amerikanischer Institutionen ab.

Deutschland vor drittem Stagnationsjahr in Folge: Demografischer Wandel als Wachstumsbremse

Die Bedeutung der Demografie für das Wirtschaftswachstum zeigt sich in den Zahlen: Zwischen 1990 und 2025 wuchs die US-Wirtschaft laut Handelsblatt „jährlich fast doppelt so stark wie die der EU“. Ein wesentlicher Grund liegt in der unterschiedlichen Altersstruktur – das amerikanische Durchschnittsalter liegt „fast zehn Jahre unter dem deutschen“, was laut Handelsblatt „ein klarer Standortvorteil“ ist, da „eine jüngere Bevölkerung innovativer und dynamischer“ ist. Von 2023 auf 2024 wuchs die US-Bevölkerung noch um 3,3 Millionen Menschen, wobei laut US-Census „mehr als vier Fünftel auf die Nettozuwanderung zurück“ gingen. Diese Entwicklung droht Trump nun zu stoppen.

Trotz der düsteren Prognosen für die USA sieht Romer durchaus positive Beispiele in Europa. Besonders hebt er die Subventionierung von Airbus hervor: „Die Anschubfinanzierung für Airbus – vielleicht eine der besten Subventionen jemals“, erklärt der Ökonom gegenüber der Wirtschaftswoche. Das Erfolgsgeheimnis von Airbus liegt laut Romer in der strategischen Weitsicht: „Als es so aussah, dass der große amerikanische Konkurrent Boeing scheitern würde, war Airbus als weiterer Flugzeugproduzent verlässlich zur Stelle“. Europa solle sich häufiger an diesen Erfolg erinnern: „Europa scheint unter einem Minderwertigkeitskomplex zu leiden. Mein Plädoyer ist deshalb: Denkt öfter an Airbus!“

Warnung vor chaotischer Krisenbewältigung: Ökonomen als Teil des Problems

Bemerkenswert selbstkritisch äußert sich der Nobelpreisträger über seine eigene Zunft. Bereits 2020 stellte Romer die provokante These auf, dass „Ökonomen mehr Schaden anrichten, als sie Gutes bewirken“. Diese Einschätzung hat er nicht revidiert: „Legt man eine Kosten-Nutzen-Analyse an, würde ich sagen: Die wenigen schädlichen Punkte überwiegen in ihrer Tragweite die vielen kleinen guten. Also: ja“. Als konkretes Beispiel nennt Romer die großen Technologiekonzerne: „Die großen Techmonopole dürften zum Beispiel gar nicht existieren“. Die Schuld dafür sieht er auch bei Ökonomen, die argumentierten, „solange Monopolisten effizient arbeiteten, sei alles okay“.

Besonders alarmierend sind Romers Warnungen vor der amerikanischen Krisenfähigkeit unter Trump. „Sollte eine tiefe Wirtschaftskrise kommen oder die nächste Pandemie, wäre die Regierung gelähmt und handlungsunfähig – wie ein verschrecktes Reh im Scheinwerferlicht“, prognostiziert der Experte. Als Beleg für diese Befürchtung führt Romer Trumps Außenpolitik an: „Der chaotische Versuch, Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu bewirken, zeigt, worauf wir uns einstellen müssen in einer richtigen Krise. Das schadet den USA und dem Rest der Welt“. Während Deutschland bereits mit den Folgen einer alternden Gesellschaft kämpft, drohen den USA durch Trumps Politik ähnliche strukturelle Probleme – mit weitreichenden Konsequenzen für die Weltwirtschaft. (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / TheNews2

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