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Narzissmus als politisches Programm

„Selbstzerstörerisch und töricht“ – Nobelpreisträger üben massive Kritik an Trump

Zahlreiche Nobelpreisträger kritisieren Trumps Wirtschaftspolitik heftig. USA würden zum „beängstigenden“ Investitionsstandort. Der Isolationismus schadet der weltweiten Wirtschaft.

Washington, D.C. – Während US-Präsident Donald Trump vom Friedensnobelpreis träumt und sogar schon Norwegens Finanzminister Jens Stoltenberg anrief, um über eine Nominierung zu sprechen, treffen sich diese Woche 18 Nobelpreisträger für Wirtschaft zum 8th Lindau Nobel Meeting in Economic Sciences in Lindau am Bodensee, um über Inflation, wirtschaftlichen Nationalismus und den Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Arbeits- und Finanzmärkte zu diskutieren. Ihre Botschaft an Trump fällt vernichtend aus.

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz äußerte sich gegenüber The Guardian besonders kritisch: Die USA seien unter Trump „ein beängstigender Ort für Investitionen“ geworden. Die Unsicherheit durch Trumps Zollpläne und seine Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien würden Investoren abschrecken. Stiglitz warnte vor der Gefahr einer Stagflation – einer Kombination aus hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation. Laut Stiglitz mache Trumps Zollpolitik die Federal Reserve „eindeutig nervös“. Die Inflationsrisiken durch Zölle gingen in die falsche Richtung. Der Nobelpreisträger kritisierte auch Finanzminister Scott Bessent scharf: Dieser helfe dabei, die Zinskurve durch einen Absturz der US-Wirtschaft zu senken – „keine gute Politik“, so Stiglitz.

Trump träumt vom Nobelpreis – Ökonomen warnen vor seiner Politik: Isolationismus als „selbstzerstörerische Torheit“

Noch härter urteilte Nobelpreisträger Simon Johnson. Er bezeichnete den amerikanischen Isolationismus als „selbstzerstörerische und törichte Aktion der Trump-Administration“. Diese Politik zerstöre Humankapital und verschaffe geopolitischen Konkurrenten massive Vorteile, so Johnson gegenüber dem Nobel Prize Conversations Podcast. Und auch Roger Myerson, ebenfalls Nobelpreisträger und Teilnehmer des Lindauer Treffens, äußerte sich besorgt über die amerikanische Politik. In einem Meinungsstück für The Hill warnte er: „Wenn große Wählergruppen davon überzeugt sind, dass nur eine Partei sich wirklich um sie kümmert, dann haben sie möglicherweise keinen Anteil mehr an der Demokratie selbst“ und könnten ihren Anführer dabei unterstützen, „unbequeme verfassungsrechtliche Beschränkungen abzuschütteln“.

Die scharfe Kritik der Nobelpreisträger zeigt: Während Trump von internationaler Anerkennung träumt und sein Oval Office vergoldet, sehen die renommiertesten Ökonomen der Welt seine Politik als Bedrohung für Demokratie und globalen Wohlstand.

Ironischerweise strebt Trump selbst den Nobelpreis an. Allerdings nicht irgendeinen, sondern den Friedensnobelpreis – eine der höchsten Auszeichnungen für herausragende Verdienste im Bereich globaler Friedenssicherung und Konfliktlösung. Wie berichtet hat er bereits mehrfach öffentlich erklärt, den Preis zu „verdienen“. Er behauptet, sieben Kriege beendet zu haben, darunter Konflikte zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie Thailand und Kambodscha. Mehrere Länder, darunter Israel, Pakistan und Kambodscha, haben ihn bereits nominiert.

Eine unerwartete Stimme kam auch seitens der Demokraten, und zwar von niemanden geringeren als Hillary Clinton, Trump einstige Konkurrenten, um die US-Präsidentschaft. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin erklärte, sie würde Trump für den Friedensnobelpreis nominieren, falls er den Ukraine-Krieg beenden könne, „ohne die Ukraine in eine Position zu bringen, in der sie ihr Territorium an den Aggressor abtreten muss“.

Trumps Friedensnobelpreis-Ambitionen: Goldener Glanz als Spiegel des Narzissmus

Trumps Obsession nach Anerkennung auf der internationalen Bühne ist bekannt. Beim NATO-Gipfel in Den Haag Ende Juni 2025 erhielt Trump einen geradezu königlichen Empfang. Die Reden sollten kurz gehalten werden, das servierte Essen erstklassig sein und der eigentlich blaue Teppich für NATO-Treffen, hatte rot und extra lang zu sein. Alles, um dem Big-Man aus Amerika zu gefallen. Doch Trumps Fanatismus nach Prunk, zeigt nicht nur in seinem Streben nach dem Nobelpreis, sondern auch in materieller Form. Beispielweise in der pompösen Neugestaltung des Oval-Office. So hat Trump das Büro mit goldenen Akzenten überladen – ein krasser Stilbruch zu Joe Bidens schlichter, traditioneller Einrichtung. Fast 20 Gemälde hängen nun an den Wänden, vergoldete Bilderrahmen dominieren den Raum. Auf dem Tisch prangt ein goldener Briefbeschwerer mit der Aufschrift „TRUMP“, goldene Untersetzer tragen ebenfalls seinen Namen.

Der österreichische Psychiater Reinhard Haller versuchte sich bereits 2017 in der Süddeutsche Zeitung in einer Ferndiagnose und beschreibt, wie Trump „den Narzissmus in einer geradezu lehrbuchartigen Weise zelebriert“. Beunruhigend sei, dass „zur Schau gestellter Narzissmus offensichtlich ein überzeugendes Wahlprogramm ist“. (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Cover-Images/ Newscom World

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