Wohnkosten steigen doppelt
Nebenkosten auf dem Vormarsch: Mieter in Metropolen stark belastet
„Die Ausgaben für das Wohnen verdoppeln sich“, alarmiert eine Kennerin der Immobilienbranche. Sowohl Mieten als auch Nebenkosten steigen deutlich an – besonders in den Großstädten.
München – Nicht nur die Mieten an sich steigen, auch die Nebenkosten nehmen immer weiter zu. In den letzten knapp zwei Jahren sind die Mietnebenkosten im Schnitt um 20 Prozent gestiegen – deutschlandweit um etwa 17 Prozent. „Die Wohnkostenbelastung wächst somit doppelt“, sagte Gesa Crockford, Geschäftsführerin des Immobilien-Portals Immoscout24. Besonders groß ist die Belastung für Mieter in Deutschlands Metropolen.
Gestiegene Energiekosten treiben Nebenkosten bei der Miete deutlich: Bis zu 20 Prozent teurer
Grund für die höhere Belastung bei den Nebenkosten sind demnach deutlich gestiegene Energiekosten. „Steigende Energiepreise, Inflation und höhere Lohnkosten treiben die Nebenkosten nach oben und belasten Mieter und Mieterinnen, die ohnehin unter steigenden Kaltmieten leiden“, erklärte Crockford. Aber auch in Neubauten nehmen die Belastungen zu. Das liegt etwa an höheren Wartungskosten für Aufzüge und Tiefgaragen
| Zeit | Nebenkosten Bestand (gesamt) | Nebenkosten Neubau (gesamt) |
|---|---|---|
| Q1 2022 | 2,52 Euro pro Quadratmeter | 2,57 Euro pro Quadratmeter |
| Q3 2024 | 2,94 Euro pro Quadratmeter (+ 16,7%) | 2,85 Euro pro Quadratmeter (+ 10,9%) |
Die Nebenkosten für Bestandswohnungen liegen im dritten Quartal 2024 bei durchschnittlich 2,94 Euro pro Quadratmeter. Im ersten Quartal 2022, also vor knapp zweieinhalb Jahren, lagen sie bei 2,52 Euro. Damit sind die Preise um 16,7 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Analyse von Immoscout24 hervor, die Inserate auf dem Portal mit Angaben zu Kalt- und Warmmieten verglichen hat.
Besonders in den Metropolen steigt die Nebenkosten-Belastung für Mieter deutlich
In den Großstädten ist die Belastung der Mieter durch Nebenkosten ohnehin schon höher gewesen. 2022 lag der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter bei 2,87 Euro. Derzeit sind es 3,45 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 20,2 Prozent. Damit müssen Wohnungssuchende in den Metropolen durchschnittlich 35,70 Euro mehr pro Monat zahlen als in anderen Teilen Deutschlands. Gründe seien gestiegenen Preise für Dienstleistungen, die in die Abrechnung mit einfließen. Dazu gehören Hausmeisterdienste, Reinigung sowie Wartungskosten.
| Zeit | Nebenkosten Bestand (Metropolen) | Nebenkosten Neubau (Metropolen) |
| Q1 2022 | 2,87 Euro pro Quadratmeter | 3,15 Euro pro Quadratmeter |
| Q3 2024 | 3,45 Euro pro Quadratmeter (+20,2 %) | 3,48 Euro pro Quadratmeter (+10,5 %) |
Auch bei Neubauten stellte Immoscout24 in der Analyse einen Anstieg der Nebenkosten fest. Dieser fällt jedoch kleiner aus: Etwas mehr als zehn Prozent müssen Mieter 2024 mehr zahlen als noch vor zwei Jahren. „Dass Neubauwohnungen dennoch ähnlich hohe Nebenkosten aufweisen wie Bestandswohnungen, liegt unter anderem an höheren Wartungskosten für zum Beispiel Fahrstuhl und Tiefgarage“, heißt es in der Mitteilung.
Mehrheit der privaten Vermieter will Betriebskosten weiter erhöhen
Die Aussichten sind zudem schlecht. Laut einer Umfrage von Immoscout24 mit 815 Befragten im September 2024 erklärten 69 Prozent der privaten Vermieter, dass sie die Betriebskosten oder die Abschlagszahlung voraussichtlich erhöhen werden. Dabei ist die Inflation wieder zurückgegangen.
Durch die Doppelbelastung von steigenden Mieten und Betriebskosten wird das Wohnen gerade in Städten immer schwerer zu bezahlen. Das Verhältnis der Einkommen und Mietpreise geht immer weiter auseinander, wie eine Rangliste der bezahlbarsten Großstädte in Deutschland zeigt, die Immoscout erstellt hat. Auch hier ist die Belastung für Mieter in den Metropolen am größten, vor allem in München, Hamburg und Berlin. Damit wird Wohnen immer mehr zur sozialen Frage.
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