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Energiewende

Versteckte Emissionen beim LNG – Warum sogar Kohle am Ende umweltfreundlicher sein könnte

Bis zu 13 LNG-Terminals sollen Deutschlands Energiesicherheit garantieren. Dabei gibt es jedoch Probleme. Zum Beispiel den hohen Treibhausgasausstoß.

Berlin – Nachdem Kreml-Chef Wladimir Putin den Ukraine-Krieg vom Zaun gebrochen hatte, fürchteten viele westliche Politiker, dass Russland die Energieversorgung durch Gas und Öl zu einer Waffe machen könnte. Allzu schnell bewahrheitete sich das: So hatte Russland zum Beispiel die Lieferungen durch Nord Stream 1 heruntergefahren und jeweils Vorwände gesucht. Das wiederum stellte die deutsche Politik vor die Frage, woher die Energie denn kommen soll, wenn nicht aus russischem Gas. Amerikanisches LNG war eine der Antworten.

Klimasünder LNG – Treibhausgasausstoß noch höher als Kohle?

Die absoluten Triebhausgasemissionen von LNG sind weitaus höher als die von Kohle – das hatte der US-Wissenschaftler und Biogeochemiker Robert W. Howarth bereits im Sommer 2022 im Interview mit EnergieWinde gewarnt. Besonders fatal für die Umweltbilanz sei die Förderung durch sogenanntes Fracking, das in den USA der Standard ist. Beim Fracking gelangen enorme Mengen Methan in die Atmosphäre. Bei der Berücksichtigung aller Faktoren sollen die Treibhausgasemissionen von Flüssigerdgas rund 274 Prozent höher liegen als die von Kohle.

Blick auf das LNG-Spezialschiff Energos Power im Hafen von Mukran in Sassnitz (Symbolfoto). Bis zu 13 LNG-Terminals sollen Deutschlands Energiesicherheit garantieren. Dabei gibt es jedoch Probleme. Zum Beispiel den hohen Treibhausgasausstoß.

Trotzdem hatte sich die Ampel-Regierung, nachdem Russland 2022 den Ukraine-Krieg begonnen hatte, schnell auf LNG versteift, als es um die Frage nach Alternativen zu russischem Gas ging. In vergleichsweise kurzer Zeit hatte die Regierung LNG-Terminals bauen und die Arbeit aufnehmen lassen. Laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) kommt das meiste LNG in Wilhelmshaven an, gefolgt von Brunsbüttel. Weitere Terminals befinden sich in Stade, Lubmin und Mukran. Bis zu 13 Terminals sind geplant.

Das Nachrichtenportal EnergieZukunft berichtete davon, dass viele der schon in Betrieb befindliche Terminals nicht annähernd an der Auslastungsgrenze arbeiten. Im zweiten Quartal 2024 sollen sie bis zu 48 Prozent ausgelastet gewesen sein. Und das, obwohl die Regierung enorme finanzielle Mittel in den Bau der Terminals steckt. Ein Beispiel dafür ist das Terminal in Brunsbüttel, das statt 740 Millionen Euro rund 940 Millionen Euro kosten soll – ein Anstieg um fast 30 Prozent.

LNG und sein Treibhausgasausstoß – geheimer Killer Methan

Howarth hatte in seiner Analyse den gesamten Weg betrachtet, den in den USA gefördertes flüssiges Erdgas (liquefied natural gas, LNG) von der Förderung bis zur Nutzung geht. Dem Forscher zufolge kommt LNG hauptsächlich aus Schiefergas, und die Förderung benötigt viel Energie – der Verflüssigungsprozess und der Transport ebenso. Das wiederum trage in „signifikanter“ Weise dazu bei, den energetischen Fußabdruck von LNG hochzutreiben. Schlimmer noch: Beides (Förderung und Transport) von Schiefergas erzeugt viel Methan, ein Gas, das sich zwar vergleichsweise schnell verflüchtigt, aber viel Schaden anrichtet.

Zum Vergleich: Kohlenstoffdioxid (CO₂) verursacht bei der Verbrennung rund 34 Prozent des Treibhausgasausstoßes von LNG, Methan hat daran einen Anteil von 38 Prozent. Zu den „entscheidenden“ Prozessen, die den Treibhausgasausstoß hochtreiben, gehören der Verflüssigungsprozess (5,5 Prozent im Durchschnitt) und die Emissionen von Tankschiffen (zwischen 3,9 Prozent bis 8,1 Prozent). „Erstaunlicherweise haben die meisten modernen Tankschiffe höhere Treibhausgasemissionen als Tanker, die mit Dampfmaschinen laufen“.

Alles in allem ist der Treibhausgasausstoß für LNG als Treibstoff um 33 Prozent höher als der von Kohle.

LNG im Detail – zusätzliche Umweltbelastung durch Fracking

Dabei stellt sich die Frage: Was ist LNG überhaupt? Dabei handelt es sich um verflüssigtes Erdgas, das meistens per Schiff zu dafür ausgerichteten Terminals transportiert und dort ins Gasnetz eingespeist wird. Der bisherige Gasbedarf lässt sich über die schwimmenden Terminals bislang zu etwa einem Drittel decken, erklärte die Bundesregierung im Jahr 2023. Das LNG-Beschleunigungsgesetz vom Juni 2022 sollte den Ausbau vorantreiben und dabei helfen, Erdgas aus Russland schnell zu ersetzen.

In den USA kommt häufig die Fracking-Methode (von Hydraulic Fracturing) zum Einsatz, um Erdgas zu fördern. Die Förderunternehmen benutzen eine Mischung aus Bohrungen und die Einpressung von Flüssigkeit (meistens ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch), um Risse im Gestein zu fördern, das das Erdgas hält. Innerhalb der letzten Jahre, so berichtete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, sei Fracking immer beliebter geworden, was die Förderung aus „unkonventionellen Lagerstätten“ angeht. Damit sind Vorkommen gemeint, bei denen das Gas nicht einfach frei einer Förderbohrung zuströmt.

Laut dem Ministerium bringt Fracking außerdem die folgenden Umweltrisiken mit:

  • Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser
  • Lärm- und Luftemissionen
  • Großer Flächenverbrauch
  • Hoher Wasserverbrauch

LNG in Deutschland – Terminals laufen noch nicht auf Hochtouren

Wie viel LNG braucht Deutschland? Die USA haben sich nach Kriegsbeginn in der Ukraine zum zweitgrößten Gaslieferanten der Europäischen Union weiterentwickelt. Auch Deutschland setzt aufs amerikanische LNG. 84 Prozent des Gases, das an den neu errichteten LNG-Terminals im Norden Deutschlands ankommen, sind LNG aus den Vereinigten Staaten. Laut dem IW Köln kommen außerdem Gaslieferungen im Wert von 72 Terawattstunden aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich – Sekundärlieferungen aus den USA. Das hatte das Institut der Deutschen Wirtschaft im Juli 2024 berichtet.

Eine Abhängigkeit von US-amerikanischem Gas sei jedoch nicht zu erwarten, da die Anteile an der Versorgung grundsätzlich geringer sind. Außerdem haben die Terminals einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Pipelines: Es können auch andere Nationen anliefern. Einige europäische Länder kaufen trotzdem russisches Gas – in LNG-Form.

Howarth sagte im Interview mit EnergieWinde von Orsted, dass es am Ende sinnvoller wäre, noch eine Weile lang auf Kohle zu setzen, anstatt auf LNG. „Um die kurzfristige Nachfrage zu befriedigen, halte ich es, so ungern ich das auch sage, für sinnvoll, etwas Kohle zu verbrennen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/photo2000

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