Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Milliardenkosten für Bund

Mindestlohn unzureichend: Mehr Arbeitnehmer benötigen Bürgergeld

Mehr Arbeitnehmer benötigen wieder Bürgergeld, weil ihr Einkommen sonst nicht zum Leben genügt. Den Bund kostet das sieben Milliarden Euro. Welche Rolle spielt der Mindestlohn?

Berlin – Die Zahl der Menschen, die arbeiten und trotzdem vom Bürgergeld abhängig sind, ist gestiegen. 2024 mussten rund 826.000 Erwerbstätige trotz ihrer Arbeit die Leistung beziehen, weil das Einkommen nicht zum Leben reichte. Den Bund kostete das sieben Milliarden Euro, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Cem Ince hervorgeht.

Zusätzlich zum Gehalt: Mehr Arbeitnehmer brauchen Bürgergeld – erster Anstieg seit 2015

Erstmals seit 2015 ist die Zahl der sogenannten Aufstocker gestiegen. Damals waren es noch 1,2 Millionen Arbeitnehmer, die zusätzlich vom Bürgergeld abhängig waren. 2018 waren es noch 1,098 Millionen. 2020 lag die Zahl mit rund 933.000 erstmals unter der Marke von einer Million. 2023 folgte der Tiefstand von 795.846 Betroffenen.

JahrZahl der Aufstocker im Bürgergeld
20151,2 Millionen
20181,098 Millionen
20191,018 Millionen
2020933.000
2021864.000
2022813.000
2023796.000
2024826.000

Im vergangenen Jahr ist der Rückgang jedoch gebrochen worden. Im Jahresschnitt waren es 826.000 Menschen. Damit nahmen auch die Kosten von 6,19 Milliarden Euro 2023 auf rund 6,99 Milliarden Euro zu.

Mit Einführung des Mindestlohns ist Zahl der Arbeitnehmer im Bürgergeld-Bezug gesunken

Immerhin: In den ersten beiden Monaten, für welche die Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits Daten ausweist, ist die Zahl wieder zurückgegangen. Im Februar 2025 waren 813.766 Bürgergeld-Beziehende erwerbstätig.

Ein Mindestlohn von 15 Euro pro Stunde soll helfen, dass wieder weniger Arbeitnehmer auf das Bürgergeld angewiesen sind. (Montage)

Mit dem ursprünglichen Beginn des Rückgangs der Aufstocker 2015 fällt auch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zusammen – zunächst 8,50 Euro pro Stunde. Über die Jahre ist der Mindestlohn auf 9,35 Euro 2020, 12 Euro im Oktober 2022 auf inzwischen 12,41 Euro 2024 gestiegen. 2025 folgte die bisher letzte Erhöhung auf 12,82 Euro.

Linken-Abgeordneter kritisiert, „dass Hunderttausende trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind“

Der Linken-Abgeordnete Ince sieht die Zahlen zu Aufstockern im Bürgergeld als Argument für eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns. „Es kann nicht sein, dass Hunderttausende trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind“, sagte er der Deutschen-Presse-Agentur (dpa), der die Zahlen vorliegen.

„Wir unterstützen damit niedrige Löhne und halten die Ausbeutung der Arbeitskraft aufrecht, anstatt in Pflege- und Kitaplätze zu investieren, die vielen Menschen den Weg aus der Teilzeitfalle ermöglichen würden“, sagte Ince. Die neue Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) diskutiert derzeit über eine Erhöhung des Mindestlohns. Ob der 2026 auf 15 Euro ansteigen kann, ist ein Streitpunkt. Die Mindestlohnkommission wird das klären.

Großteil der arbeitenden Bürgergeld-Empfänger in Teilzeit und Mini- bzw. Midijobs

Tatsächlich ist die Mehrheit der Erwerbstätigen, die auch vom Bürgergeld abhängig sind, in Teilzeit oder Mini- bzw. Midijobs tätig. Die aktuellsten BA-Daten sind aus dem November 2024. Von rund 832.000 erwerbstätigen Leistungsbeziehern waren nur 81.419 in Vollzeit beschäftigt. 250.000 gingen einer Teilzeitstelle nach. Dazu gab es 277.881 ausschließlich geringfügig Beschäftigte.

Arbeit der Erwerbstätigkeit im November 2024Anzahl der Beschäftigten (Anteil)
Erwerbstätige Bürgergeld-Empfänger831.882 (100 %)
Darunter abhängig Beschäftigte773.357 (92,96 %)
Darunter sozialversicherungspflichtig Beschäftigte420.693 (50,57 %)
in Vollzeit81.419 (9,79 %)
in Teilzeit250.380 (30,10 %)
in Ausbildung88.894 (10,69 %)
Ausschließlich geringfügig Beschäftigte277.881 (33,40 %)
ohne Beschäftigungsmeldung74.783 (8,99 %)
Selbstständige63.486 (7,63 %)
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Viele Betroffene sind durch die Erziehung von Kindern gebunden. 143.345 Alleinerziehende haben im November 2024 zu den Aufstockern gehört. 253.894 Bedarfsgemeinschaften aus zwei Erwachsenen mit Kindern gehörten ebenfalls dazu. Fehlende Kinderbetreuungsangebote halten viele andere Bürgergeld-Empfänger allgemein von Arbeit ab. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa//IPON/Imago

Kommentare