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„Landet irgendwann auch beim Gast“

Mindestlohn-Plus „trifft Gastro besonders hart“: Preis-Erhöhungen und Insolvenzen drohen

Die Merz-Regierung hat die Erhöhung des Mindestlohnes beschlossen. Das trifft die Gastro-Branche besonders. Und könnte auch für Kunden spürbar werden.

München – Von einer „Erfolgsgeschichte für Millionen hart arbeitende Menschen“, von „Gerechtigkeit“ und „Anerkennung“ spricht Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas. Mit diesen Worten feiert die SPD-Politikerin die Anhebung des Mindestlohns in zwei Schritten ab 1. Januar 2026. Diese hatte das Kabinett von Kanzler Friedrich Merz (CDU) gerade beschlossen. Doch für personalintensive Betriebe, wie die Gastronomie, stellt die Erhöhung ein weiteres Problem in einer ohnehin wirtschaftlich angespannten Lage dar.

Großer Besucherandrang bei sommerlichen Temperaturen in einem Restaurant am Viktualienmarkt in München. (Archivbild)

„Die jüngste Erhöhung der Löhne und Mindestlöhne trifft die Gastronomiebranche besonders hart“, ordnet der Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern, Dr. Thomas Geppert, die Lage gegenüber merkur.de von IPPEN.MEDIA ein.

Mindestlohn-Erhöhung trifft Gastronomie: Preis-Erhöhungen und Insolvenzen drohen

Personalintensive Branchen, „die auf den direkten Kontakt zwischen Menschen angewiesen sind, spüren steigende Personalkosten immer besonders deutlich“, so Geppert. Die Mindestlohn-Erhöhung treffe demnach klassische Restaurants, Cafés und Betriebe mit vielen Aushilfen und Servicekräften am härtesten. „Überall dort, wo viel Personal notwendig ist, schlagen die Erhöhungen besonders stark durch. Das gilt auch für den Gesundheits- und Pflegebereich“, weitet Geppert den Blick.

Alles, was vorne teurer wird, landet irgendwann auch beim Gast

Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern

Die Branche kämpfe aktuell ohnehin mit dem zunehmenden Arbeitskräftemangel infolge des demografischen Wandels. Immer weniger junge Schulabgänger stünden immer mehr Renteneintritten gegenüber. Und: „Gerade die Gastronomie bietet auch Menschen ohne Ausbildung eine Chance“, so der Dehoga-Bayern-Chef. „Wenn aber einfache Tätigkeiten durch höhere Mindestlöhne immer teurer werden, können sich viele Betriebe das schlichtweg nicht mehr leisten – mit der Folge, dass Geringqualifizierte aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden“, erklärt er die gesellschaftlichen Folgen weiter.

„Obwohl sich die exakten Auswirkungen schwer beziffern lassen, ist klar: Alles, was vorne teurer wird, landet irgendwann auch beim Gast“, so Geppert zu möglichen Preiserhöhungen in der Gastronomie durch die Mindestlohn-Erhöhung. Gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten setzen die Branche demnach ohnehin unter Druck. Jetzt treibt der höhere Mindestlohn auch noch die Personalkosten weiter in die Höhe. Für Bayern sieht Geppert keine besonderen Effekte. Es gebe bundesweit dieselben Probleme.

Fakten zur Mindestlohnerhöhung:

Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar auf 13,90 Euro pro Stunde und ein Jahr später um weitere 70 Cent auf 14,60 pro Stunde. Aktuell liegt er bei 12,82 Euro. Das Bundeskabinett beschloss in Berlin eine entsprechende Verordnung. Eine weitere Zustimmung durch Bundestag oder Bundesrat ist nicht nötig. 

Von der Erhöhung sollen nach früheren Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) rund sechs Millionen Beschäftigte profitieren. Die Regierung schätzt, dass auf Arbeitgeber im kommenden Jahr durch den Schritt zusätzliche Lohnkosten in Höhe von rund 2,2 Milliarden und im Jahr darauf um rund 3,4 Milliarden Euro zukommen könnten. 

„Bei vollständiger Überwälzung der Lohnerhöhungen“ könnten Preise für einzelne Waren und Dienstleistungen moderat steigen. Nennenswerte Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau, insbesondere das Verbraucherpreisniveau, seien nicht zu erwarten, heißt es weiter.

„Damit Preissteigerungen moderat bleiben können“, seien Entlastungen dringend erforderlich, so Geppert. Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen auf sieben Prozent sei dabei „einer der wichtigsten Schritte“. Diese Neuerung würde „vielen Betrieben Luft zum Atmen verschaffen und echte Perspektiven geben“, so der Verbands-Präsident. Ein dringend erforderlicher Schritt, denn: „Ohne sie droht gerade kleineren und mittelständischen Häusern das Aus“.

Mindestlohn treibt Gastro-Preise: Dehoga Bayern hat vier Forderungen an Merz und Söder

Dennoch könnte sich die Lage der Betriebe auch durch den höheren Mindestlohn „weiter zuspitzen“. Laut Geppert liegt das Problem an anderer Stelle: Man habe steigende und sehr hohe Bruttolöhne bei relativ niedrigen Nettoeinkommen. „Das eigentliche Problem liegt im hohen Steuer- und Abgabenniveau“, so der Verbands-Chef der Dehoga Bayern. Es brauche Entlastungen, durch die die Beschäftigten mehr Netto vom Brutto übrig hätten. Eine Forderung, die Wirtschaftsverbände seit Monaten an die Regierung herantragen.

Der Gastronomieverband Bayern fordert dementsprechend ein Reformpaket der Regierung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern. Dr. Geppert nennt im Interview vier entscheidende Punkte:

  • Senkung der Einkommensteuer
  • Spürbarer Bürokratieabbau
  • Flexiblere Wochenarbeitszeiten
  • Gezielte Unterstützung personalintensiver Branchen

Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation wolle die Gastronomie weiter auf Qualität und Service setzen, so der Dehoga-Landeschef: „Unsere Gäste erwarten zu Recht gute Küche und freundlichen Service – daran werden wir nicht sparen.“ Aber: Ohne Entlastungen aus der Politik werde es immer schwieriger, diesem Anspruch auch gerecht zu werden.(Verwendete Quellen: eigenes Interview, dpa)

Rubriklistenbild: © Ralph Peters/Imago

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