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„Explodierende Kosten“
Mindestlohn-Anstieg alarmiert Betriebe: „Wird viele teuer zu stehen kommen“
Die Merz-Regierung bestätigt den höheren Mindestlohn. Angesichts „explodierenden Kosten“ stellt das viele Unternehmen vor „große Herausforderungen“.
Berlin – Von 12,82 Euro auf 14,60 Euro pro Stunde: Die Bundesregierung ist der Empfehlung der Mindestlohn-Kommission gefolgt und hat die schrittweise Erhöhung beschlossen. Mit insgesamt 13,9 Prozent ist es eine der deutlichsten Erhöhungen seit Einführung der Lohnuntergrenze. Aus einigen Branchen regt sich Kritik. Gerade der Einzelhandel sowie Restaurants und Hotels warnen vor den Folgen. „Die Erhöhung des Mindestlohns wird viele Unternehmen teuer zu stehen kommen“, erklärte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschlands (HDE), bei Ippen.Media. „Und das mitten in einer alles andere als rosigen Wirtschaftslage.“
„Denn es müssen ja nicht nur die untersten Lohngruppen an den neuen Mindestlohn angepasst werden“, erklärte Genth die Auswirkungen über die Mindestlohn-Beschäftigten hinaus. Auch die Lohngruppen darüber müssten angehoben werden. „Das heißt, das ganze Lohngitter verschiebt sich nach oben, damit das Gehaltsgefüge wieder zusammenpasst.“ Im Ergebnis sei die Mindestlohn-Erhöhung damit für viele Handelsunternehmen eine „schwere Belastung“.
Mindestlohn-Erhöhung stellt Betriebe vor große Probleme – besonders wegen „explodierenden Kosten“
Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat der Verordnung am Mittwoch, 29. Oktober, zugestimmt. Zum Jahreswechsel 2025 auf 2026 steigt der Mindestlohn zunächst von 12,82 Euro auf 13,90 Euro. Zum 1. Januar 2027 folgt der zweite Schritt – auf dann 14,60 Euro pro Stunde. Die unabhängige Mindestlohnkommission hatte die Anhebung im Juni empfohlen.
Auch Restaurants und Hotels warnen vor drohenden Schwierigkeiten durch die Mindestlohn-Erhöhung. „Mit Blick auf die aktuelle Lage der Branche – explodierende Kosten und sinkende Umsätze – stellt diese Mindestlohn-Erhöhung die Branche vor große Herausforderungen“, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes, Ippen.Media.
Restaurant-Verband drängt nach Mindestlohn-Erhöhung auf Gastro-Steuer
Hartges verwies darauf, dass die Arbeitskosten in der Branche laut Statistischem Bundesamt seit 2022 um 34,4 Prozent gestiegen seien. Dabei zähle die Branche mit 2,2 Millionen Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern des Landes. Mit Blick auf die Lage vieler Restaurants sei deshalb die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einführung des niedrigeren Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent auf Speisen zum 1. Januar 2026 „unverzichtbar“, so die Hauptgeschäftsführerin. „Dies sorgt endlich für Steuergerechtigkeit gegenüber anderen Essensanbietern und sicher Arbeitsplätze und Existenzen.“
Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten
Im Kontext der weiteren Entwicklung des Mindestlohns hob Hartges die Bedeutung der unabhängigen Mindestlohnkommission hervor. Ihre Forderung: „Für die Zukunft muss auch klar sein: Die Höhe des Mindestlohns darf nicht für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert werden.“ Es sei ebenso notwendig, die Entwicklung des Mindestlohns im EU-Ausland im Blick zu behalten.
Opposition kritisiert Mindestlohn-Erhöhung: „13,90 Euro in 2026 ist viel zu wenig“
Doch genau diese unabhängige Kommission, die aus je drei von den Arbeitgebern und Gewerkschaften entsandten Vertreterinnen und Vertretern besteht, ist unter Druck. Bereits vor der Entscheidung im Juni hatten Union und SPD über einen Mindestlohn von 15 Euro gestritten. Aus Reihen der Sozialdemokraten waren Rufe laut geworden, die Höhe notfalls per politischem Beschluss durchzusetzen. Die Kommissionsvorsitzende Christiane Schönefeld hatte deshalb bei der Bekanntgabe der Empfehlung vor „Versuchen der politischen Beeinflussung“ gewarnt, die mit der gewollten Unabhängigkeit „nicht vereinbar“ seien.
Auch nach der Bestätigung der Mindestlohn-Empfehlung durch die Merz-Regierung gab es aus den Reihen der Opposition Kritik. „Ein Mindestlohn von 13,90 Euro in 2026 ist viel zu wenig“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch Nachrichtenagentur AFP. „Wer arbeitet, muss davon nicht nur überleben, sondern gut leben können.“ Stattdessen müssten „Hunderttausende mit Sozialleistungen wie Wohngeld und Bürgergeld aufstocken, um über die Runden zu kommen“.
SPD-Generalsekretär Klüssendorf spricht von einer „deutlichen Erhöhung“ beim MIndestlohn
Auch Linken-Fraktionschef Sören Pellmann kritisierte: „Eine echte Entlastung für die von der Inflation gebeutelten Menschen wird also in die ferne Zukunft verschoben.“ Die Menschen bräuchten schon jetzt spürbare Lohnsteigerungen. „Auch die schon heute konstant wachsende Zahl von Menschen, die trotz lebenslanger Arbeit eine Armutsrente erhalten, wird sich aufgrund dieses unzureichenden Beschlusses nochmals erhöhen“, warnte er.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einer „deutlichen Erhöhung“. Die SPD erwarte weitere Steigerungen. „Wir hören nicht auf, für bessere Löhne zu kämpfen.“ (ms mit afp)