Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Explodierende Kosten“

Mindestlohn-Anstieg alarmiert Betriebe: „Wird viele teuer zu stehen kommen“

Die Merz-Regierung bestätigt den höheren Mindestlohn. Angesichts „explodierenden Kosten“ stellt das viele Unternehmen vor „große Herausforderungen“.

Berlin – Von 12,82 Euro auf 14,60 Euro pro Stunde: Die Bundesregierung ist der Empfehlung der Mindestlohn-Kommission gefolgt und hat die schrittweise Erhöhung beschlossen. Mit insgesamt 13,9 Prozent ist es eine der deutlichsten Erhöhungen seit Einführung der Lohnuntergrenze. Aus einigen Branchen regt sich Kritik. Gerade der Einzelhandel sowie Restaurants und Hotels warnen vor den Folgen. „Die Erhöhung des Mindestlohns wird viele Unternehmen teuer zu stehen kommen“, erklärte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschlands (HDE), bei Ippen.Media. „Und das mitten in einer alles andere als rosigen Wirtschaftslage.“

Besonders für Restaurants wird der höhere Mindestlohn zu einer zunehmenden Belastung. (Symbolbild)

„Denn es müssen ja nicht nur die untersten Lohngruppen an den neuen Mindestlohn angepasst werden“, erklärte Genth die Auswirkungen über die Mindestlohn-Beschäftigten hinaus. Auch die Lohngruppen darüber müssten angehoben werden. „Das heißt, das ganze Lohngitter verschiebt sich nach oben, damit das Gehaltsgefüge wieder zusammenpasst.“ Im Ergebnis sei die Mindestlohn-Erhöhung damit für viele Handelsunternehmen eine „schwere Belastung“.

Mindestlohn-Erhöhung stellt Betriebe vor große Probleme – besonders wegen „explodierenden Kosten“

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat der Verordnung am Mittwoch, 29. Oktober, zugestimmt. Zum Jahreswechsel 2025 auf 2026 steigt der Mindestlohn zunächst von 12,82 Euro auf 13,90 Euro. Zum 1. Januar 2027 folgt der zweite Schritt – auf dann 14,60 Euro pro Stunde. Die unabhängige Mindestlohnkommission hatte die Anhebung im Juni empfohlen.

Auch Restaurants und Hotels warnen vor drohenden Schwierigkeiten durch die Mindestlohn-Erhöhung. „Mit Blick auf die aktuelle Lage der Branche – explodierende Kosten und sinkende Umsätze – stellt diese Mindestlohn-Erhöhung die Branche vor große Herausforderungen“, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes, Ippen.Media.

Restaurant-Verband drängt nach Mindestlohn-Erhöhung auf Gastro-Steuer

Hartges verwies darauf, dass die Arbeitskosten in der Branche laut Statistischem Bundesamt seit 2022 um 34,4 Prozent gestiegen seien. Dabei zähle die Branche mit 2,2 Millionen Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern des Landes. Mit Blick auf die Lage vieler Restaurants sei deshalb die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einführung des niedrigeren Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent auf Speisen zum 1. Januar 2026 „unverzichtbar“, so die Hauptgeschäftsführerin. „Dies sorgt endlich für Steuergerechtigkeit gegenüber anderen Essensanbietern und sicher Arbeitsplätze und Existenzen.“

Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten

Ein Koch steht an einer Arbeitspfläche in einer Küche und richtet seine Zutaten, darunter sind Tomaten.
Viele Restaurants müssen mehrere Ruhetage machen oder können nur mittags oder abends öffnen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen. Besonders bei ausgebildeten Köchen haben es Unternehmen schwer, Personal zu finden. Aber auch im Service bleiben zahlreiche offene Stellen unbesetzt. In der Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ergibt sich ein Index-Wert von 2,3. © Harald Tittel/dpa
Urteil im Prozess um heimliche Videos vom Schlachthof
Es gibt kaum noch Nachwuchs: Die Zahl der Auszubildenden im Fleischerhandwerk geht seit Jahren zurück. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks machten rund 2300 Menschen eine Ausbildung, zur Jahrtausendwende waren es noch 9500 Azubis. Ergebnis ist eine Fachkräftelücke. In der gesamten Lebens- udn Genussmittelherstellung ergibt sich im BA-Index ein Wert von 2,3 und damit ein Engpass. © Sina Schuldt/dpa
Ein Mann arbeitet in einer Werkstatt von Lufthansa Technik am Triebwerk eines Flugzeuges.
Im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik beobachtet die BA ebenfalls einen Fachkräftemangel. Das gilt auch für den Schiffbau. Gemeinsam kommen die Felder in der Engpassanalyse auf einen Indexwert von 2,3. © Daniel Reinhardt/dpa
Ein Mitarbeiter der Rochlitzer Porphyr Manufaktur zersägt mit einer Steinsäge einen Porphyrblock.
In den großen Debatten rund um den Fachkräftemangel finden das Feld der Naturstein-, Mineral- und Baustoffherstellung kaum statt. Dabei beobachtet die BA bei ihrer Analyse ebenfalls einen Engpass. Der Wert liegt bei 2,3. © Jan Woitas/dpa
Ein Bauer kontrolliert das Schneidwerk seines Mähdrescher.
Systemrelevant: Ohne die Landwirtschaft bleiben alle ohne Nahrung. Trotz der Bedeutung haben Betriebe Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden, berichtet das Branchemagazin Top Agrar. Im Index der BA liegt die Branche beim Wert von 2,3 – und damit im Bereich eines Engpasses. © Peter Gercke/dpa
Eine medizinische Fachangestellte führt eine Spritze an den Oberarm eines älteren Mannes, um ihn zu impfen. Im Hintergrund sitzt eine Ärztin.
Medizinsche Fachangestellte, kurz MFA, sind gefragt: Im Berufsfeld der Arzt- und Praxishilfe stuft die BA den Engpass mit 2,5 ein. Besonders kritisch ist die Fachkräftelücke im Bereich der zahnmedizinischen Fachangestellten. © Jens Kalaene/dpa
Auf einem Plakat einer Steuerberatungsfirma werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Azubis, Steuerfachangestellte, Steuerfachwirte, Steuerberater und Bilanzbuchhalter gesucht.
Auszubildende, Steuerfachangestellte, Fachwirte und Steuerberater gesucht: Auch im Bereich der Steuerberatung beobachten Fachleute einen Engpass, der BA-Index zeigt den Wert 2,5. © Jens Kalaene/dpa
Eine Kundin steht vor der Auslage einer Metzgerei, in der verschiedene Wurstsorten liegen. Sie deutet auf eine Wurst. Hinter der Theke steht einer Verkäuferin.
Allein in München und Oberbayern fehlen laut Industrie- und Handelskammer (IHK) über 2000 Verkäuferinnen und Verkäufer in Metzgereien, doch das Problem ist nicht regional begrenzt. Die BA verbucht für alle Berufe im Verkauf von Lebensmitteln eine Arbeitskräftelücke. Der Engpass-Indikator ergibt den Wert 2,5.  © Patrick Pleul/dpa
Zwei Techniker mit grellgelben Jacken stehen oben auf einem großen Windrad.
Auch der Energiesektor sucht händeringend nach Fachkräften. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt, dass der Mangel die Energiewende gefährden könne. Die BA bewertet die Lücke mit dem Indexwert von 2,5 – damit gibt es im Bereich der Energietechnik ebenfalls einen Engpass. © Jan Woitas/dpa
Eine Mitarbeiterin eines Automatisierungstechnik-Unternehmens prüft eine Platine mit einer Lupe.
Automatisierungstechnik und Mechatronik ist ein weiteres Berufsfeld, wo Unternehmen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Der Engpassindex der BA zeigt den Wert 2,5. © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Empfangsmitarbeiterin eines Hotels sitzt an der Rezeption und telefoniert. Im Hintergrund ist eine andere Mitarbeiterin zu erkennen.
Mit 2,6 stuft die Arbeitsagentur die Fachkräftelücke im Bereich der Hotellerie ein – und beobachtet damit einen Engpass. Zwar bewegt sich das Verhältnis von Arbeitsuchenden und Stellen im grünen Bereich. Alle übrigen Indikatoren senden Warnsignale. © Marcel Kusch/dpa
Ein Straßenbauer kniet auf einem frisch geteerten Asphalt, um den neuen Straßenbelag auszubessern.
Berufe im Tiefbau gehören zu den Tätigkeiten, die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind. Darunter fallen etwa Straßen- und Kanalbauer sowie Betonbauer. Die Bundesagentur für Arbeit berichtet von einem Engpass. Der entsprechende Indikator liegt bei 2,7. © Jörg Carstensen/dpa
Eine junge Frau, die eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima macht, trägt eine blaue Jacke. Sie steht an einer Wärmepumpe und hält ein gelb-schwarzes Messgerät in der Hand, auf das sie blickt.
Auszubildende für den Beruf der Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima sind gefragt. Denn auch im Bereich der Klempnerei, Santitär, Heizung, Klimatechnik besteht laut Arbeitsagentur ein großer Engpass. Auch hier liegt der Wert bei 2,7. © Uwe Anspach/dpa
Die Mitarbeiterin einer Zahntechnik-Firma arbeitet an einer Totalprothese des Oberkiefers
Ebenfalls einen großen Engpass gibt es bei Berufen der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik. Die BA vergibt auch hier den Wert 2,7. Neben Zahntechnikerinnen sind etwa Hörgeräteakustiker gefragt. © Patrick Pleul/dpa
Eine Pflegerin schiebt eine pflegebedürftige Person, die nicht zu sehen ist, in einem Rollstuhl über den Flur eines Pflegeheims.
Die Alterung der Gesellschaft belastet nicht nur den Arbeitsmarkt, weil viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Immer mehr Menschen werden damit auch Pflegebedürftig. Damit braucht es immer mehr Pflegekräfte, um sie zu versorgen. Laut Statistischen Bundesamt werden bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Plegekräfte fehlen. Die BA beobachtet bereits jetzt einen Engpass – und vergibt den Wert 2,7. © Christophe Gateau/dpa

Im Kontext der weiteren Entwicklung des Mindestlohns hob Hartges die Bedeutung der unabhängigen Mindestlohnkommission hervor. Ihre Forderung: „Für die Zukunft muss auch klar sein: Die Höhe des Mindestlohns darf nicht für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert werden.“ Es sei ebenso notwendig, die Entwicklung des Mindestlohns im EU-Ausland im Blick zu behalten.

Opposition kritisiert Mindestlohn-Erhöhung: „13,90 Euro in 2026 ist viel zu wenig“

Doch genau diese unabhängige Kommission, die aus je drei von den Arbeitgebern und Gewerkschaften entsandten Vertreterinnen und Vertretern besteht, ist unter Druck. Bereits vor der Entscheidung im Juni hatten Union und SPD über einen Mindestlohn von 15 Euro gestritten. Aus Reihen der Sozialdemokraten waren Rufe laut geworden, die Höhe notfalls per politischem Beschluss durchzusetzen. Die Kommissionsvorsitzende Christiane Schönefeld hatte deshalb bei der Bekanntgabe der Empfehlung vor „Versuchen der politischen Beeinflussung“ gewarnt, die mit der gewollten Unabhängigkeit „nicht vereinbar“ seien.

Auch nach der Bestätigung der Mindestlohn-Empfehlung durch die Merz-Regierung gab es aus den Reihen der Opposition Kritik. „Ein Mindestlohn von 13,90 Euro in 2026 ist viel zu wenig“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch Nachrichtenagentur AFP. „Wer arbeitet, muss davon nicht nur überleben, sondern gut leben können.“ Stattdessen müssten „Hunderttausende mit Sozialleistungen wie Wohngeld und Bürgergeld aufstocken, um über die Runden zu kommen“.

SPD-Generalsekretär Klüssendorf spricht von einer „deutlichen Erhöhung“ beim MIndestlohn

Auch Linken-Fraktionschef Sören Pellmann kritisierte: „Eine echte Entlastung für die von der Inflation gebeutelten Menschen wird also in die ferne Zukunft verschoben.“ Die Menschen bräuchten schon jetzt spürbare Lohnsteigerungen. „Auch die schon heute konstant wachsende Zahl von Menschen, die trotz lebenslanger Arbeit eine Armutsrente erhalten, wird sich aufgrund dieses unzureichenden Beschlusses nochmals erhöhen“, warnte er.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einer „deutlichen Erhöhung“. Die SPD erwarte weitere Steigerungen. „Wir hören nicht auf, für bessere Löhne zu kämpfen.“ (ms mit afp)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

Kommentare