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Rohstoffverarbeitung in Frankreich

Kritische Rohstoffe: So möchte ein EU-Land die China-Abhängigkeit beenden

Bei Seltenen Erden dominiert China als Lieferant. Europa strebt nun aktiv nach Alternativen für mehr Unabhängigkeit.

Paris – China hält ein bedeutendes Rohstoff-Monopol. Die Volksrepublik exportiert Seltene Erden rund um den gesamten Globus. Jene Metalle nehmen eine Schlüsselrolle in der Transformation zur Klimaneutralität ein. Im Zuge des US-Handelskriegs stehen den Exporten nun Begrenzungen im Weg. Europa muss sich daher neu ausrichten. Den Anfang wagt Frankreich: Dort wird in den Aufbau einer Recycling- und Raffinerieanlage investiert. Künftig soll diese einen Großteil der Nachfrage abdecken – und die Abhängigkeit von China verringern, so die Hoffnung.

Ausbau der Anlage Caremag: 216 Millionen Euro investiert

„Carester ist ein Unternehmen, das ich im Februar 2019 mit fünf Experten für die Raffination seltener Erden gegründet habe. Wir hatten alle unabhängig voneinander für Minen auf der ganzen Welt gearbeitet“, erklärt einer der Gründer, Frédéric Carencotte. „Irgendwann beschlossen wir, unsere Kräfte zu bündeln, jüngere Talente einzubinden und dieses einzigartige Know-how weiterzugeben“, sagte Carencotte.

Die Anlage Caremag wird in Lacq im Südwesten des Landes gebaut und soll 2026 fertiggestellt werden, 2027 dann in Betrieb gehen. 216 Millionen Euro wurden privat und aus öffentlicher Hand (106 Millionen Euro) investiert. Das Projekt zieht viele Investoren an, darunter auch Japan (110 Millionen Euro). Weil Frankreich über hinreichend günstige Kernenergie verfügt, um die Verarbeitung der Seltenen Erden wirtschaftlich zu halten, setzen Investoren der europäischen Industrie große Hoffnung in den Ausbau.

Seltene Erden: Schlüsselrolle für Energiewende und Digitalisierung

Seltene Erden spielen eine Schlüsselrolle in Europas Energiewende und Digitalisierung. Mitunter werden sie zur Herstellung von Abgaskatalysatoren, Hochleistungsmagneten für Elektromotoren oder Windkraftanlagen genutzt. Ein typischer Elektromotor kann bis zu zwei Kilogramm seltenerdhaltige Magnete enthalten. Zunehmend werden die Metalle auch wichtig für Europas Waffenproduktion. So sind diese in Magnetlegierungen für Motoren oder Festplatten enthalten. Beispielsweise beherbergt ein amerikanisches F35-Kampfflugzeug mehr als 400 Kilogramm verschiedener Materialien, die mindestens eine Seltene Erde enthalten. 

Für die Energiewende in Europa sind kritische Rohstoffe entscheidend.

Die Gruppe der Seltenen Erden wird in 17 Elemente eingeteilt und abhängig vom Atomgewicht in die Kategorie schwer und leicht eingegliedert:

Kategorie NameVerwendung
Leichte (LREE)Lanthan (La)Katalysatoren, Rußpartikelfilter, Brennstoffzellen
Cer (Ce)Auto-Katalysatoren, Rußpartikelfilter
Praseodym (Pr)Dauermagnet, Flugzeugmotoren, Elektromotoren
Neodym (Nd)Dauermagnete, Elektromotoren, Windkraftanlagen,
Europium (Eu)Leuchtstoffe
Samarium (Sm)Samarium-Cobalt-Magneten für Motoren, Generatoren, Sensoren und Messgeräte
schwer (HREE)Scandium (Sc) Brennstoffzellen
Yttrium (Y)LED, Plasmabildschirm, Brennstoffzelle
Promethium (Pm)Wärmequellen in Raumsonden und Satelliten
Samarium (Sm)Dauermagnete, Raumfahrt
Europium (Eu)LEDs, Leuchtstofflampen, Plasmafernseher
Gadolinium (Gd)Radar-Bildschirme
Terbium (Tb)Dauermagnete
Dysprosium (Dy)Dauermagnete (z. B. Windkraftanlagen), Atomreaktoren
Holmium (Ho)Hochleistungsmagnete, Atomreaktoren
Erbium (Er)Glasfaserkabel
Thulium (Tm)Leuchtstofflampen, Fernsehgeräte
Ytterbium (Yb)Infrarotlaser
Lutetium (Lu)Nuklearmedizin

Europas Autoindustrie stark von chinesischen Importen abhängig

Obwohl die Entdeckung von natürlichen Vorkommen in Europa zunimmt, ist die EU stark von Importen, besonders aus China abhängig. Etwa zwei Drittel seiner Seltenen Erden stammen aus chinesischen Einfuhren. Die asiatische Supermacht übernimmt Analysen zufolge auf dem Weltmarkt eine dominante Rolle bei Seltenen Erden. China baute noch 2023 70 Prozent der weltweiten Vorkommen ab, verarbeitet einen globalen Anteil an 90 Prozent seltener Erden, so eine Untersuchung des Instituts Polytechnique de Paris.

Der aufwendige und energieintensive Verarbeitungsprozess von Seltenen Erden wird zudem einzig durch China ganz durchgeführt. Nach dem Abbau müssen die hoch nachgefragten Metalle aus Erzen getrennt, gereinigt und veredelt werden. Dabei werden die Produktionskosten so niedrig gehalten, dass die Förderung und Verarbeitung in anderen Ländern nicht rentabel wäre. Die Volksrepublik beherrscht demnach die gesamte Wertschöpfungskette.

Nicht nur entfielen über 90 Prozent der weltweiten Produktion der Permanentmagneten auf China, ebenso dominiert China als Hersteller von Elektroautos den Weltmarkt. Wegen seiner marktbeherrschenden Stellung hat China auch erheblichen Einfluss auf die Preisbildung. So kann es mittels Exportkontrollen und Produktionsbeschränkungen des Landes die Verfügbarkeit eingrenzen und somit die Preise beeinflussen, wie zuletzt im April im Zuge des Handelsstreits mit den USA.

Unabhängigkeit von China: Caresters will 15 Prozent des Weltmarktes abdecken

Die Hoffnung Europas liegt jetzt in Frankreich. Dort baut das Start-up seit März dieses Jahres Anlagen zum Recycling und zur Raffinierung. „Wir entwickeln die erste Anlage in Europa, die Seltenerdoxide verantwortungsbewusst und wettbewerbsfähig herstellt“, sagte Carencotte dem Handelsblatt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Anlage künftig bis zu 15 Prozent des Weltmarktbedarfs decken kann.

„Frankreich war in den 1970er- und 1980er Jahren einer der Pioniere in dem Bereich der seltenen Erden. Das verlorene Wissen wollen wir wieder aufleben lassen“, teilte Caresters technischer Direktor, Alain Rollat, mit. Das Land übernimmt eine Führungsrolle der 47 strategischen Projekte für die Unabhängigkeit Europas bei kritischen Rohstoffen, die im Rahmen des EU-Gesetzes über kritische Rohstoffe gefördert werden.

Nicht die gesamte Wertschöpfungskette wird darin aber abgedeckt, es wird vielmehr über Recycling und den Import von Konzentraten ausgelastet, weil Selteneerdenminen als Lieferanten in Europa kurzfristig nicht verfügbar sind. „Uns wurde klar, dass wir eine Ressource direkt vor uns hatten – all diese Altgeräte. Also beschlossen wir, unser eigenes Industrieprojekt auf Recyclingbasis zu starten.“, so Carencotte.

Das Ziel der Anlage Caremag ist es, 2.000 Tonnen Altmagnete und 5.000 Tonnen gefördertes Konzentrat pro Jahr zu verarbeiten. 500 Tonnen Dysprosiumoxide und 100 Tonnen Terbium, eine Untergruppe der Seltenen Erden. Außerdem sollen künftig 800 Tonnen Neodym- und Praseodymoxide produziert werden. Etwa 90 Prozent der leichten Seltenen Erden sollen aus recycelten Quellen aus Europa kommen, 90 Prozent der schweren Seltenen Erden aus dem Bergbau außerhalb Europas.

„Wenn Europa bei den Rohstoffen von anderen Ländern unabhängig werden will, ist es notwendig, dass es in Minen zum Abbau investiert – mit öffentlichen und privaten Geldern –, auch um mit den USA mithalten zu können“, so Rollat zur Zukunft der europäischen Industrie.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jochen Tack

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