Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Stagnation prägt Wirtschaftsjahr
Merz von Wirtschaftsbossen genervt: Kanzler reagiert laut Bericht dünnhäutig auf Kritik
Bundeskanzler Friedrich Merz reagiert dünnhäutig auf Wirtschaftskritik. Bosse fordern schnellere Reformen. Deutschland steckt in der Dauerkrise.
Berlin – Die deutsche Wirtschaft steckt in einer beispiellosen Dauerkrise. Laut der aktuellen Konjunkturprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stagniert die deutsche Wirtschaft 2025 komplett. Erst für 2026 zeichnet sich eine leichte Erholung ab – mit einem Zuwachs von gerade einmal einem Prozent. Von einem kräftigen Aufschwung könne also keine Rede sein, warnen die Ökonomen.
Die deutsche Wirtschaft stagniert damit bereits das dritte Jahr in Folge, doch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigt sich zunehmend genervt von der anhaltenden Kritik der Wirtschaftsbosse. Laut Bildreagiere der Kanzler mittlerweile gar „dünnhäutig auf Forderungen der Wirtschaft, die Konjunktur schneller anzukurbeln“.
Schwere Zeiten: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kämpft mit einer stagnierenden Wirtschaft und wachsender Ungeduld der Unternehmen – das Vertrauen in die Regierung schwindet.
In internen Runden weist Merz Kritik am Regierungskurs mittlerweile deutlich zurück, berichten Verbandsvertreter gegenüber Bild. Stattdessen erkläre er, was die Regierung bereits alles für die Firmen getan habe. Doch die Sorgen der Wirtschaft sind nicht unbegründet: Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland 1,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Damit hat sich die Investitionskrise weiter verschärft“, heißt es in der IW-Analyse. Gegenüber 2019, also vor Ausbruch der multiplen Krisen, liegt das Minus inzwischen sogar bei elf Prozent.
Investitionskrise verschärft sich: Außenhandel im „Desorientierungsstress“
Noch deutlicher zeigt sich der Rückgang bei den Ausrüstungsinvestitionen. Hier rechnet das IW für das Gesamtjahr mit einem Minus von 2,5 Prozent. Das sei ein Warnsignal, betonen die Forscher – denn diese Investitionen entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten. Als wäre dies nicht schon genug, läuft auch der Exportmotor alles anders als rund.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Der deutsche Außenhandel befinde sich im „Desorientierungsstress“, beschreibt es das IW. Gründe seien die weltweiten Unsicherheiten und insbesondere die „unberechenbare US-Handelspolitik“. „Die konfrontative Außenpolitik der USA beeinträchtigt das globale Miteinander und ist eine Ursache für die deutsche Exportschwäche“, heißt es in der IW-Studie. Trotz des Handelsabkommens mit einer Zollobergrenze von 15 Prozent für EU-Erzeugnisse sorgt die unberechenbare US-Politik für massive Planungsunsicherheit. BGA-Präsident Dirk Jandura warnt: „Trumps Zoll-Politik ist eigentlich das noch größere Problem als die Zölle an sich.“ Für 2025 erwarten die Experten einen Rückgang der Exporte um 0,5 Prozent.
Baubranche bleibt im Minus: Vertrauen der Bevölkerung in Regierungskompetenz schwindet massiv
Eine Besserung ist auch in der Bauwirtschaft nicht in Sicht. Die Bauinvestitionen sollen 2025 erneut um 1,7 Prozent schrumpfen – im Wohnungsbau fällt das Minus laut IW sogar noch deutlicher aus. Erst ab 2026 könnten die staatlichen Investitionsprogramme Wirkung zeigen. Das schwache Konjunkturbild wirkt sich inzwischen auch auf die politische Stimmung aus. Laut ZDF-Politbarometer trauen nur noch 46 Prozent der deutschen Bürger der Bundesregierung zu, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Zum Vergleich: Im Mai, zum Start der Legislaturperiode, waren es noch 64 Prozent gewesen.
Beim Thema Entlastungen herrscht in der Bevölkerung hingegen weitgehend Einigkeit: Zwei Drittel der Befragten sehen den Abbau von Bürokratie als wichtigste Maßnahme, um die Wirtschaft anzukurbeln. Steuererleichterungen nennen 21 Prozent, nur neun Prozent setzen auf direkte Finanzhilfen.
Kränkelnde deutsche Wirtschaft: Unternehmer kritisieren Regierungsmaßnahmen als „absoluten Blödsinn“
Besonders die 30-prozentigen Abschreibungen auf Maschinen sieht Neyen kritisch: „Der absolute Geldbetrag, den man dadurch ein Jahr früher zur Verfügung hat, ist im Mittelstand nicht signifikant. Standortfaktoren sind viel wichtiger“. Auch die geplanten Steuersenkungen hält er für wirkungslos: „Glaubt wirklich jemand, wegen dieser 10.000 Euro gibt es jetzt einen barbarischen Investitionsboom? Absoluter Blödsinn“. Die wahren Probleme lägen woanders: „Den Stress mit Bürokratie und hohen Lohnkosten tun sie sich nicht mehr an“, so Neyen.
Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle, Konsum bleibt schwach: Reformen als einzige Chance
Die Arbeitsmarktsituation verschärft die Lage zusätzlich: „Die Erwerbstätigkeit stagniert bei rund 46 Millionen, die Arbeitslosenquote verharrt [bei 6,3 Prozent] auf erhöhtem Niveau“, so das IW. Besonders alarmierend ist die Entwicklung in der Metall- und Elektroindustrie, wo seit 2023 bereits 154.000 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Gesamtmetall-Geschäftsführer Oliver Zander warnt vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung: „Ohne massive Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit wird sich die Deindustrialisierung leider weiter fortsetzen.“
Ein weiteres Problem: Der private Konsum liefert ebenfalls wenig Impulse. Für 2025 erwarten die Ökonomen ein Plus von lediglich einem Prozent. Viele Haushalte hielten sich mit Ausgaben zurück – aus Sorge um den Arbeitsplatz und angesichts steigender Kosten. IW-Konjunkturchef Michael Grömling fordert die Politik daher zum Handeln auf: „Stellt die Bundesregierung im Herbst der Reformen endlich die richtigen Weichen, könnte es im kommenden Jahr wieder bergauf gehen.“
Die strukturellen Probleme sind hinlänglich bekannt: Hohe Energie- und Arbeitskosten, überbordende Regulierung, geopolitische Unsicherheiten und protektionistische Tendenzen bremsen die deutsche Wirtschaft gleichermaßen aus. Nötig seien vor allem eine Unternehmenssteuerreform, spürbare Bürokratieentlastungen und gezielte Investitionsanreize. (ls)