Video-Kolumne von Sandra Navidi
„Keine Strategie und kein Endgame“: Iran-Krieg wird zur Bedrohung für Trump
In ihrer Video-Kolumne „USA ungefiltert“ erklärt US-Expertin Sandra Navidi, warum der Schlag gegen den Iran für US-Präsident Donald Trump bitter enden könnte.
Hi, hello and welcome, hier ist Sandra Navidi aus New York. Warum hat Donald Trump den Iran angegriffen? Das wissen wir nicht, denn er hat wechselnde Gründe genannt. Eine atomare Bedrohung, ein drohender Erstschlag des Irans, Regime-Change und Vergeltung gegen den Iran dafür, dass dieser angeblich versucht habe, die Wahlen zu seinem Nachteil zu beeinflussen. All diese vermeintlichen Gründe sind durch offizielle Stellen wie dem Pentagon, der Atomaufsichtsbehörde und Mitgliedern der Trump-Administration selbst ausdrücklich entkräftet worden.
Wie wird Donald Trump nun weiter vorgehen? Auch das wissen wir nicht, denn er hat keine Strategie und kein Endgame. Ganz im Gegensatz zum Iran. Der scheint sich offensichtlich die letzten 20 Jahre auf genau eine solche Konfrontation vorbereitet zu haben. Er hält sich an keine geopolitischen Spielregeln mehr und greift gezielt US-Basen, Geheimdienststandorte, Logistikzentren und die gesamte Energieinfrastruktur des Mittleren Ostens an. Ziel des Iran ist es, die wirtschaftliche Existenz der Golfstaaten zu erschüttern und diese zu destabilisieren. Letztendlich soll die Weltwirtschaft ins Mark getroffen werden, um so massiven politischen Druck auf die USA, Israel und die Golfstaaten zu erzeugen.
Welche Auswirkungen könnte der Krieg auf die globale Finanzstabilität haben? Die Auswirkungen könnten dramatisch sein, weil die Golfstaaten für die Stabilität des globalen Finanzsystems ein struktureller Anker sind. Denn sie verkaufen Öl in Dollar. 1974 haben die USA mit Saudi-Arabien vereinbart, dass Öl weltweit in Dollar abgerechnet wird, im Gegenzug für Sicherheitsgarantien und Waffen. Aus diesem Grund müssen alle Länder Dollar halten, um überhaupt Öl kaufen zu können. Später wurde diese Vereinbarung zwischen den USA und Saudi-Arabien auf andere Golfstaaten ausgedehnt. Diese Absprache beruht auf Vertrauen. Die Golfstaaten gehen davon aus, dass die USA ihre Sicherheit insbesondere gegenüber dem Iran garantieren.
Wenn der Krieg jetzt aber die Golfstaaten direkt gefährdet, weil die Angriffe auf den Iran Gegenangriffe auf sie provozieren und die USA sie nicht ausreichend schützt, dann sind die USA für die Region keine Schutzmacht mehr, sondern ein Risiko, das sie zur Zielscheibe macht. Die Golfstaaten müssten ihr Sicherheitskonzept überdenken und versuchen, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Das wiederum wäre für die USA ein Problem, weil die Golfstaaten die Erlöse, die sie durch den Verkauf von Öl erzielt haben, in US-Anleihen und Aktien investiert haben.
Sandra Navidi
Kaum ein Land ist uns gleichzeitig so nah und fern wie die USA. In Zeiten der Regierung des US-Präsidenten Donald Trump fragen sich viele: Wie ticken die USA wirklich? Sandra Navidi, Bestseller-Autorin, Expertin für globale Finanzmärkte, Wirtschaft und Politik, lebt seit mehr als 25 Jahren in New York. Es gibt wenige, die die USA aus erster Hand mit deutschem Blick und amerikanischem Insiderwissen so erklären können wie sie.
Damit hat der Petrodollar entscheidend die Dollarnachfrage, US-Defizite und tiefe Zinsen gestützt. Wenn diese Investitionen jetzt wegfallen sollten, würden dem bereits hoch bewerteten und hoch verschuldeten US-Finanzsystem wichtige Zuflüsse entzogen. Schlimmstenfalls könnte die KI-Blase platzen und einen systemischen Schock auslösen, der nicht nur Kursverluste an den Märkten zur Folge hätte, sondern auch die Stabilität des globalen Finanzsystems erschüttern könnte.
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