Preise steigen rasant
„Tankrabatt wäre ein teurer Fehler“ – DIW-Chef Fratzscher warnt vor Folgen des Iran-Konflikts
DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt vor wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts. Steigende Energiepreise könnten Verbraucher in Deutschland treffen.
Der Konflikt im Nahen Osten rund um den Iran könnte auch für deutsche Verbraucher wirtschaftliche Folgen haben. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, drohen steigende Energiepreise – und damit neue Belastungen für Haushalte und Unternehmen.
Für Verbraucher könnten steigende Energiepreise schnell spürbar werden. Höhere Ölpreise verteuern bereits Kraftstoffe wie Benzin und Diesel – oft steigen in der Folge auch Transportkosten und damit Preise für viele Produkte des täglichen Bedarfs.
Nahost-Konflikt könnte deutsche Wirtschaft und Verbraucher belasten
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, nennt auf Anfrage von Ippen.Media erhebliche Risiken. „Der Krieg im Mittleren Osten könnte im Falle einer Eskalation erhebliche Kosten für die deutsche Wirtschaft verursachen und durch steigende Preise auch die Verbraucherinnen und Verbraucher belasten“, sagt der Ökonom. „Eine weitere Eskalation könnte die wirtschaftliche Erholung in Deutschland ausbremsen“, warnt Fratzscher.
In der politischen Debatte werden derzeit auch kurzfristige Entlastungsmaßnahmen diskutiert – etwa staatliche Zuschüsse oder Tankrabatte. Fratzscher hält solche Instrumente jedoch für problematisch. „Ein Tankrabatt zur Abfederung höherer Spritpreise wäre ein teurer Fehler der Bundesregierung und würde die falschen Prioritäten setzen.“
Ökonomen fordern gezielte Entlastung für Menschen mit niedrigem Einkommen
Die Politik müsse sich vielmehr mit den Folgen beschäftigen. „Die Bundesregierung kann höhere Preise zwar nicht verhindern, sie kann Bürgerinnen und Bürger jedoch gezielt entlasten.“ Aus Sicht des DIW-Präsidenten sollte die Unterstützung vor allem sozial ausgerichtet sein. „Oberste Priorität sollte dabei die Unterstützung von Menschen mit niedrigen Einkommen haben“, sagt Fratzscher.
Ein mögliches Instrument wäre aus seiner Sicht eine steuerliche Entlastung bei Grundbedürfnissen. „Dies ließe sich beispielsweise durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel erreichen.“
ifo-Chef Fuest sieht Grenzen staatlicher Eingriffe bei Energiepreisen
Auch andere Ökonomen betonen die Grenzen staatlicher Eingriffe. Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, betont auf Anfrage unserer Redaktion die Grenzen staatlicher Eingriffe. „Deutschland kann die Weltmarktpreise für Energie wie etwa den Preis für Öl oder Gas nicht beeinflussen – dazu ist Deutschland zu klein“, sagt Fuest.
Selbst wenn der Staat Steuern senke oder Preise deckele, ändere das nichts an den volkswirtschaftlichen Kosten der Energieimporte. „Die erhöhten Energiekosten kann die Politik nicht aus der Welt schaffen, sie kann sie nur umverteilen“, so Fuest. Gleichzeitig könnten zu starke Eingriffe wichtige Preissignale verzerren, die Verbraucher dazu bewegen, Energie effizienter zu nutzen.
Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treffen besonders ärmere Haushalte
Einigkeit besteht unter den Ökonomen dennoch in einem Punkt: Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treffen vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Gerade sie haben oft weniger Spielraum, ihren Verbrauch kurzfristig anzupassen. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten weiter ausweiten und die Energiepreise deutlich steigen, dürfte daher auch in Deutschland erneut eine politische Debatte über staatliche Entlastungen beginnen.
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