Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Iran-Konflikt

„Politik kann Energiekosten nicht einfach senken“ – ifo-Chef Fuest warnt vor falschen Erwartungen

Die Eskalation rund um den Iran könnte Energiepreise treiben. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht nur begrenzte Möglichkeiten für politische Eingriffe.

Spannungen im Nahen Osten wirken sich häufig direkt auf die Energiepreise aus. Sollte der Konflikt rund um Iran weiter eskalieren, könnten Öl und Gas auf den Weltmärkten teurer werden – mit Folgen für Haushalte und Unternehmen auch in Deutschland.

Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest warnt davor, die Möglichkeiten der Politik zu überschätzen.

Ifo-Chef Fuest: Deutschland hat kaum Einfluss auf Energiepreise

Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnt davor, die Möglichkeiten der Politik zu überschätzen. „Deutschland kann die Weltmarktpreise für Energie wie etwa den Preis für Öl oder Gas nicht beeinflussen – dazu ist Deutschland zu klein“, sagt der Ökonom zu Ippen.Media.

Steigende Energiepreise seien deshalb vor allem das Ergebnis internationaler Entwicklungen. Zwar könne der Staat über Steuern beeinflussen, welchen Preis Verbraucher hierzulande zahlen. „Aber das ändert nichts an dem Preis, der für Ölimporte anfällt und der letztlich volkswirtschaftlich getragen werden muss.“

Gerade geopolitische Konflikte im Nahen Osten haben traditionell starken Einfluss auf die Energiemärkte, weil ein erheblicher Teil der weltweiten Ölproduktion aus der Region stammt.

Steuersenkungen oder Tankrabatte lösen das Problem laut Fuest nicht

In der politischen Debatte werden bei steigenden Energiepreisen häufig kurzfristige Entlastungsmaßnahmen diskutiert – etwa Tankrabatte oder Steuersenkungen. Aus Sicht von Fuest lösen solche Instrumente das grundlegende Problem jedoch nicht.

Eine Senkung der Mineralölsteuer könne zwar kurzfristig den Preis an der Zapfsäule senken, sagt er. „Das führt aber nicht dazu, dass die volkswirtschaftlichen Kosten für Energieträger sinken.“

Die Kosten verschwänden nicht, sondern würden lediglich verschoben. „Die Einnahmeausfälle beim Staat müssen letztlich gegenfinanziert werden“, so Fuest. Am Ende müssten Bürger sie entweder als Steuerzahler oder über geringere staatliche Leistungen tragen.

Hohe Energiepreise senden wichtige Knappheitssignale

Der ifo-Präsident sieht zudem einen grundsätzlichen ökonomischen Effekt: Staatliche Eingriffe könnten wichtige Preissignale verzerren. „Die erhöhten Energiekosten kann die Politik nicht aus der Welt schaffen, sie kann sie nur umverteilen“, sagt Fuest.

Gerade in einer Marktwirtschaft erfüllten steigende Preise eine wichtige Funktion. „Öl ist knapp und teuer, also sollten die Konsumenten das Signal erhalten, jetzt etwa weniger davon zu verbrauchen, wenn sie können.“

Solche Signale könnten Verbraucher dazu bewegen, Energie effizienter zu nutzen – etwa durch sparsamere Autos, geringeren Verbrauch oder Investitionen in bessere Gebäudedämmung.

Steigende Energiepreise treffen besonders Haushalte mit geringem Einkommen

Besonders belastend können steigende Energie- und Lebensmittelpreise jedoch für Haushalte mit niedrigem Einkommen sein. Menschen, die viel Energie verbrauchen und kaum Möglichkeiten zum Ausweichen haben, seien besonders betroffen. „Vor allem für ärmere Menschen können daraus schmerzhafte Belastungen erwachsen“, sagt Fuest.

Gleichzeitig warnt der Ökonom davor, bei steigenden Preisen reflexartig nach staatlicher Hilfe zu rufen. „Bei jeder Belastung gleich nach dem Staat zu rufen, lässt in Vergessenheit geraten, dass unsere Wirtschaft auf Dauer ohne ein gewisses Maß an Eigenverantwortung nicht funktioniert.“

DIW-Chef Fratzscher sieht wirtschaftliche Risiken durch Nahost-Konflikt

Auch andere Ökonomen sehen Risiken für die deutsche Wirtschaft durch eine mögliche Eskalation im Nahen Osten. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt vor möglichen Folgen für Wachstum und Verbraucherpreise.

„Der Krieg im Mittleren Osten könnte im Falle einer Eskalation erhebliche Kosten für die deutsche Wirtschaft verursachen und durch steigende Preise auch die Verbraucherinnen und Verbraucher belasten“, sagt Fratzscher zu Ippen. Media. Eine weitere Zuspitzung des Konflikts könne zudem die wirtschaftliche Erholung in Deutschland ausbremsen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Britta Pedersen/Sina Schuldt (Montage)

Kommentare