Die Ukraine feiert einen Dreifachschlag auf eine Raffinerie. Die Schläge in Russlands Hinterland sind ein Erfolg – und lösen eine Debatte aus. Eine Analyse.
Ein Treffer gegen Russlands Wirtschaft, mit Explosionen und Rauch – das tut der Ukraine im Verteidigungskampf gegen Wladimir Putins Angriffskrieg psychologisch gut. Drei Treffer an derselben Stelle, samt einer offiziellen Reaktion des Kremlchefs: Das ist ein Jackpot in der öffentlichen Wahrnehmung. Genau das ist den Spezialkräften der ukrainischen Armee gerade geglückt, an der Raffinerie Tuapse am Schwarzen Meer . Allerdings ist nicht jeder symbolträchtige Schlag auch ein Wirkungstreffer. Und die Angriffe der letzten Wochen werfen ein paar welt- und wirtschaftspolitische Fragen auf.
Ein Foto des Gouverneurs von Krasnodar zeigt Rauch über Tuapse – ein Erfolg für die Ukraine und Wolodymyr Selenskyj?
© Krasnodar governor Veniamin Kondratyev Telegram channel/Kay Nietfeld/dpa/picture alliance
Einige wichtige Fakten sind klar. Öl ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für Putins Kriegskasse. Und es hat wieder an Bedeutung gewonnen – mit Donald Trumps Iran-Krieg sind die Ölpreise gestiegen, zudem hat der US-Präsident jedenfalls vorübergehend Sanktionen gelockert. Denn er fürchtet vor den Midtermwahlen hohe Benzinpreise im eigenen Land. Fast zeitgleich mit dem Schritt hat die Ukraine begonnen, Russlands Ölindustrie wieder verstärkt ins Visier zu nehmen. Doch jenseits dieser Gewissheiten liegt der Teufel im Detail. Ein Überblick:
Ukraine düpiert Putin mit „Hattrick“: Schläge gegen Russlands Ölindustrie – Rätsel um Trump Was ist in Tuapse passiert? Mit einer Drohnenattacke hat die ukrainische Armee am Dienstag ein Großfeuer in der Raffinerie ausgelöst – die dritte Attacke in nicht einmal zwei Wochen. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte auf X ein Video einer großen Rauchwolke. Auch die Bevölkerung der russischen Mittelstadt bekommt das mit. Fünf Tage hatte es zuletzt gebrannt, in sozialen Medien kursieren Bilder brennenden Öls auf den Straßen. Zugleich droht eine Ölpest in der Urlaubsregion am Schwarzen Meer.
Warum der Raffinerie-Angriff – und wie passt er ins Gesamtbild? Wichtig zu verstehen ist: Ölprodukte wie Benzin sind für Russlands Steuereinnahmen weniger entscheidend als Rohöl. Steuern gibt es dort laut einer Analyse des Carnegie Endowment For Intenational Peace vor allem auf Ölförderung. Und fallen Raffinerien aus, kann Russland Rohöl exportieren. Zugleich ist die Raffinerie-Produktion nicht leicht auszuhebeln. Es gibt einfach sehr viele Anlagen. Allerdings dienen gerade Raffinerien im Westen Russlands der Versorgung des Angriffsfeldzugs in der Ukraine. Und die Bürger könnten auf Sicht Folgen spüren. Benzinexporte ins Ausland hat Putins Regierung bereits bis Ende Juli verboten, offiziell wegen hoher landwirtschaftlicher Nachfrage. In der Vergangenheit musste auch Nachbar Belarus schon mit Lieferungen aushelfen.
Das Rasseln des Krieges: Aus Wotan wird Dachs – Panzer und ihre Bedeutungsvielfalt Zum Sattsehen – der Mythos „Tiger“ lebt: Zwei Mal im Jahr wird im britischen Bovington dem letzten fahrbereiten Tiger-I-Panzer „gehuldigt“. Das dortige Panzer-Museum stellt das letzte Gefecht des „131“ am 24. April 1943 in Tunesien nach. Der Tiger galt als die große Hoffnung der deutschen Wehrmacht. Sie versprach sich von dem schweren Panzer die Fähigkeit zum Durchbruch durch feindliche Linien – und weniger das Zeug zum Duell mit russischen schweren Panzern. Daran gemessen blieb der Tiger aber eine Enttäuschung: Seine Stückzahl war mit rund 1400 Exemplaren einfach zu gering, er war technisch anfällig und geriet leicht in Brand. Dennoch wird kein Panzer stärker mit dem Zweiten Weltkrieg identifiziert als der Tiger. Er gilt nach wie vor als der Panzer schlechthin. © Daniel Lai/Imago „Wotan“ – der von Anbeginn an Unterlegene: „A7V“ lautet die technische Bezeichnung des ersten Panzers der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Von diesem Modell seien 20 Exemplare gebaut, von einem anderen fünf, erläutert Ralf Raths. „Dem gegenüber standen 6838 alliierte Panzer. Das bedeutet ein Verhältnis von 273:1“, so der Wissenschaftliche Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster – dort steht ein Modell, das „Wotan“ getauft worden ist. Die Oberste Heeresleitung und der Kaiser waren keine Freunde von Panzern. Deutschland wollte den Krieg auf See gewinnen, und die britischen Panzer hatten sich als weniger schrecklich, dafür aber sehr anfällig erwiesen. „Wotan“ soll die Hölle auf Erden gewesen sein – für die Besatzung. Die bestand aus bis zu 23 Soldaten in einem engen Stahlcontainer, darunter auch Brieftaubenwarte als Vorläufer des Funkers. Raths: „Das Fahrzeug war unglaublich voll, es war unglaublich eng. Gleichzeitig waren die Lebensbedingungen hier drinnen fürchterlich.“ Allein der Motor sei groß gewesen wie ein Schrank, und das ganze Fahrzeug war voller Abgase. © Imago Die Hölle auf Ketten: Der Erste Weltkrieg endete mit der Einführung von Tanks. „Die Idee der Briten war, ihre Panzer möglichst überraschend und in großer Zahl aufs Schlachtfeld zu bringen, um eben den größtmöglichen Effekt zu haben“, sagt Ralf Raths. Zu Zeiten ihrer Entwicklung während des Krieges wollten die Briten Spionen keine Hinweise geben, woran sie arbeiteten und suchten eine Bezeichnung der neuen Waffe, die möglichst viel verschleierte, so der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. „Landschiff“ beziehungsweise „Landkreuzer“ seien literarisch bereits bekannt gewesen. „Machine Gun Destroyer“ wäre zu verräterisch gewesen. Letztlich einigten sich die Konstrukteure auf die Bezeichnung für einen schweren Wasserbehälter: „Water tank“ – was dann zu „Tank“ verkürzt wurde. Hier ein britischer Beutepanzer, der bereits mit deutschen Insignien versehen wurde. © Library of Congress/dpa Der Anfang vom Ende – die Schlacht von Kursk: „Kursk galt in der sowjetischen Geschichtsschreibung neben Moskau und Stalingrad als eine der drei Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkriegs“, schreibt der Historiker Roman Töppel. Unbestreitbar trafen niemals wieder so viele Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und/oder Geschütze aufeinander wie in den Kämpfen zwischen der Wehrmacht und der Sowjetarmee – wobei die Zahlen stark variieren. 3147 Panzerfahrzeuge sollen den deutschen Angriffsverbänden am Kursker Frontbogen am 30. Juni 1943 mindestens zur Verfügung gestanden haben. Demgegenüber werden den Sowjets rund 5000 Panzer und Selbstfahrlafetten zu Beginn der Kämpfe zugeschrieben. Laut Töppel soll das Verhältnis aber in der Praxis weniger ungünstig gewesen sein als auf den ersten Blick: Die Verluste der Sowjetarmee zu Beginn der Schlachten gelten als katastrophal. Das Foto zeigt eine Szene aus der Schlacht um Prokhorowka vom 10. Juli 1943. Mit dem „Unternehmen Zitadelle“ wollte Hitler die Wehrmacht im Osten wieder handlungsfähig machen – und das mit aller Panzer-Gewalt. © Imago Roman Töppel schaut aus der Fahrerluke eines Panzerkampfwagen III. Der Panzer als „Steckenpferd“ – Dr. Roman Töppel ist einer der profiliertesten deutschen Historiker in Panzerfragen. Über die Panzerschlacht bei Kursk weiß er Bescheid wie wahrscheinlich kein Zweiter. Und er entzaubert auch den Mythos von Heinz Guderian „als dem geistigen Schöpfer der deutschen Panzerwaffe, der sie aus dem Nichts geschaffen habe“, wie er Zeitgenossen Guderians zitiert. Aufgrund historischer Quellen und im Rückgriff auf seinen Historiker-Kollegen Markus Pöhlmann gilt ihm Guderian eher als „gut vernetzter Medienmanager“, der erst spät in den 1930er Jahren koordinierend in die Entwicklung der Panzerwaffe der Wehrmacht eingriff und Überlegungen seiner Vorgänger realisieren half. Töppel bezeichnet den General der Wehrmacht entgegen der allgemeinen Einschätzung als „höchstens den späteren Ziehvater des Kindes Panzerwaffe, und dieses Kind hatte er weder gezeugt, noch aus der Taufe gehoben.“ Töppel ist hier zu sehen an Bord eines Panzerkampfwagens III. © Privat Generalfeldmarschall Erwin Rommel im Gespräch mit französischen Offizieren. Der Mann der schnellen Panzer – Generalfeldmarschall Erwin Rommel (Mitte): Bereits 1937 hatte Adolf Hitler darauf hingewiesen, dass die Kriege gegen seine Nachbarn „blitzartig schnell“ erfolgen müssten. Das geschah vor allem auf dem Westfeldzug: „Rommel enteilt Freund und Feind“ titelt die Bundeswehr über den Vormarsch der 7. Panzer-Division im Rahmen der „Operation Sichelschnitt“ gegen Frankreich unter ihrem damaligen Generalmajor: „Panzer hatte die Wehrmacht bislang nur zur taktischen Unterstützung auf Divisionsebene genutzt. Jetzt wurden sie erstmals zu Panzerkorps zusammengefasst und als eigenständiger Faktor auf operativer Ebene eingesetzt. Es gelang, durch das dicht bewaldete Mittelgebirge der Ardennen durchzubrechen und mit großer Geschwindigkeit nach Norden zum Ärmelkanal vorzustoßen.“ Rommel war während seiner Attacke oftmals selbst für eigene Stäbe kaum zu lokalisieren; auch die Verteidiger überraschte er. Rommels 7. Panzer-Division ist auch unter dem Begriff „Gespensterdivision“ in die Geschichte eingegangen. © Imago Das Heck eines verrosteten Sherman-Panzers im „Musée du Débarquement de Utah Beach“ in der Normandie Die Flamme der Freiheit? Das Heck des US-amerikanischen Standardpanzers M4 Sherman im „Musée du Débarquement de Utah Beach“ in der Normandie. Dieser mittlere Panzer war die Standardwaffe der Invasionstruppen zur Unterstützung ihrer Infanterie. Geschätzte 50.000 Einheiten sollen zwischen 1942 und 1945 produziert worden und an vielen Fronten eingesetzt worden sein – teilweise sogar in Nordafrika. Der Sherman galt als ebenbürtiger Gegner für die deutschen Panzerkampfwagen II und III, war aber den schweren Panzern Panther, Tiger und Königstiger an Bewaffnung und Panzerung unterlegen. Das „National WWII-Museum“ in New Orleans merkt an, dass der Panzer leicht zur Todesfalle für seine fünf Mann starke Besatzung wurde: „Aufgrund ihrer hohen Entflammbarkeit erhielten Shermans den Spitznamen ,Ronsons‘, nach einem Feuerzeug, das beworben wurde mit dem Slogan ,Zündet immer an‘.“ © Imago Schlacht von El Alamein – ein britischer Soldat rennt auf einen Panzer zu, ein Fahrer reckt die Hände in die Luft zum Ergebnis. Der Panzer als Illusion von Schutz: In der Schlacht von El Alamein (Foto von einer deutschen Besatzung, die sich ergeben hat) hatten die Panzer sowohl Minen zu fürchten als auch die gegnerische Panzerabwehr – vorrangig durch Geschütze. Aus der Kriegsgeschichte sei bekannt, dass die Panzerwaffe mit ihrer mobilen Art der Gefechtsführung ein probates Mittel ist, um ... Stellungskriege zu vermeiden“, schreibt das Magazin hartpunkt. Bis in die Moderne sind Panzer sogar mit simplen Molotow-Cocktails, also einfachen Brandsätzen auszuschalten gewesen. Die Panzerabwehr ist aber durch Panzerfäuste, Raketen und Hohlladungsgeschosse sehr viel ausgefeilter geworden, und Panzer-Konstrukteure legen heute verstärkten Wert auf Panzerungen, die auftreffende Munition schon vor Auftreffen auf den Stahl neutralisieren. © dpa Panzer im Frankreich-Feldzug um 1940, Frühe Selbstfahrlafetten – der Panzer als Notbehelf: Um die Mobilität von Geschützen zu erhöhen, wurden Kanonen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs auf Panzerchassis gestellt – um dann in ihrer weiteren Entwicklung entweder als Panzerhaubitzen eingesetzt zu werden oder als Sturmgeschütze. Je älter ein Krieg ist, desto abenteuerlicher die Konstruktionen, die aus der Not an Material geboren werden. Im Gegensatz zu einer modernen Panzerhaubitze 2000 als eigenständige Artillerie-Waffe wurden im Zweiten Weltkrieg Geschütze auf Selbstfahrlafetten auch als Panzerjäger eingesetzt, um die zahlenmäßige Unterlegenheit der Wehrmacht an Kampfpanzern auszugleichen. Die Konstruktionen waren dabei sehr ungelenk: Die Fahrzeuge hatten anfangs eine hohe Silhouette und waren daher schlecht zu tarnen; vor allem aber boten sie der Besatzung kaum Schutz – hier ein Foto aus dem Frankreich-Feldzug um 1940. © Imago T-72 Panzer mit einem über dem Turm gebauten Käfig, aus dem Drahtseile hervorstechen wie die Stacheln eines Igels gegen Drohnen. Der T-72 – als monströse Mutation: Diese „Igel“ „verfügen über die üblichen reaktiven Panzerungsblöcke auf ihren Stahl- und Verbundwerkstoffwannen sowie, wie es scheint, über Drohnenabwehrkäfige. Aus diesen Käfigen ragen Tausende von Drahtstreben hervor, die – zumindest theoretisch – Drohnen aus der Ego-Perspektive zur Detonation bringen sollen, „bevor diese die Panzerwannen treffen“, so David Axe im Forbes-Magazin. Beide Kontrahenten im Ukraine-Krieg haben ihre Panzerwaffe schützen müssen gegen die immer effektiveren Drohnenangriffe in den „Todeszonen“, also in den Frontabschnitten, die kein Panzer ohne Angriff passieren kann. In der Ukraine entwickelt sich der endgültig gegen Drohnen resistente Panzer aus einer Do-It-Yourself-Lösung bis zur nächsten weiter. © Dmitry Yagodkin/Imago Ein Königstiger umringt von Menschen, die sein Vorbeifahren mit Handys filmen. Der (un)vergessene „Blitzkrieger“ – der Tiger II oder „Königstiger“: „Das Fahrzeug erzeugt auch heute noch – fast 80 Jahre nach seinem sehr, sehr kurzen Einsatzleben – Emotionen wie kaum ein anderes. Es wird geliebt und gehasst, es wird verehrt und verspottet, es wird kritisiert und verteidigt“, erläutert Ralf Raths auf dem YouTube-Kanal des Deutschen Panzermuseums in Munster. Dessen Wissenschaftlicher Direktor erinnert daran, dass die Zahlen von produzierten Panzern des Dritten Reiches auch erst durch Zwangsarbeit erreicht wurden – „weil sie uns daran erinnern, dass die Produktion dieser Kriegsmaschinen, die wir heute als Museumsstücke immer noch beeindruckend finden, nur durch die mörderische Ausbeutung von Menschen gelang“. Die Panzer waren dafür gebaut worden, den „Endsieg“ zu erzwingen; aber am Ende des Krieges fehlte sogar der Sprit für die Ausbildung, so dass die Kraftfahrer schon beim Abholen der Fahrzeuge diese aus Unerfahrenheit gegen Bäume fuhren. Die Aufnahme entstand zur Erinnerung an die Schlacht um Bastogne im Musée des Blindés, dem Panzermuseum in Saumur an der Loire im Westen Frankreichs © Arnaud Beinat/Imago Die Mündung einer deutschen Panzerabwehrkanone Die Pak – Anfang vom Ende des Panzers: Als den „gefürchtetsten Panzer-Killer des Zweiten Weltkrieges“ betitelte der Stern das als „Acht-Acht“ in die Geschichte eingegangenen Geschützes mit 8,8 Zentimetern Rohrdurchmesser. Ursprünglich gebaut, um Bomber vom Himmel zu holen, erwies sich das Geschütz, dass beispielsweise auch im Tiger-Panzer verwendet wurde, als äußert durchschlagkräftig. Die Waffe kam neben ihrer Verwendung als Flugabwehrkanone (Flak) auch als Panzerabwehrkanone (Pak) an die Front. Allerdings hatte ihre Kampfkraft seinen Preis: Die Pak war so schwer, dass sie nur durch Zugmaschinen bewegt werden konnte und somit für Angriffe unbrauchbar war – daneben war mit ihr unmöglich geworden, nach Schüssen zügig die Stellung zu wechseln. Technisch hatten die Ingenieure Grenzbereiche erreicht, schreibt das Deutsche Panzermuseum über sein Exponat. Dem Stern zufolge „war die Acht-Acht dennoch zeitweise die einzige Waffe, die die Frontpanzerung der schweren sowjetischen Panzer wie T-34 oder KW-1 aufbrechen konnte“. © Karsten-D. Hinzmann Das Rohr eines deutschen Panther-Kampfpanzers mit einer Beschlagnahme-Notiz der Staatsanwaltschaft Das Objekt der Begierde – der Panther: Ein Nazipanzer im Rentnerkeller, wie die Süddeutsche Zeitung formulierte, hat im Sommer 2015 sogar in den Medien der USA für Erstaunen gesorgt: Im Kieler Vorort Heikendorf waren ein deutscher Panther-Jagdpanzer und eine 8,8-cm-Flugabwehrkanone in der Tiefgarage eines 84-Jährigen entdeckt und beschlagnahmt worden. Unter anderem wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ist der Besitzer zu 14 Monaten Gefängnis auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 250.000 Euro verurteilt worden. Dennoch besteht eine Szene an Sammlern: „Wehrmacht ist der Goldstandard“, zitiert die Zeit Thomas Roeb. Den Professor für Wirtschaftswissenschaften aus Düren kürt das Blatt zum Besitzer der vielleicht größten privaten Artilleriesammlung der Welt. © Carsten Rehder/dpa Ein T-34/85 paradiert in Novorossiysk zum Gedenken an den Sieg über Hitler-Deutschland. Der Fahrer grüßt. Der T-34 – der Panzer, der ein Volk rettete, wie die Welt schreibt: „Wir eröffneten sofort das Feuer, aber die Panzerung wurde erst auf 100 Meter durchschlagen. Auf 200 Meter blieben die panzerbrechenden Geschosse in der Panzerung stecken“, zitiert die Welt Berichte der Panzerjäger-Abteilung 42, die in der 7. Panzerdivision der Wehrmacht Anfang Juli 1944 am Dnepr kämpfte. Die Waffe trieb die deutschen Invasoren zurück, so die Welt weiter: „Ein halbes Dutzend PaK 36 feuert. Es hört sich an wie Trommelwirbel. Aber der Feind fährt unbeirrt weiter, wie ein prähistorisches Monster.“ Zwischen 1940 und 1944 sollen rund 36.000 T-34 verschiedener Modelle gebaut worden sein. Das Foto zeigt einen T-34/85 am 9. Mai 2025 während einer Parade in Novorossiysk zum Gedenken an den Sieg über Hitler-Deutschland. © Dmitry Feoktistow/Imago Eine Landkarte mit Aufmarschplänen des Warschauer Pakts sowie der NATO. „Fulda Gap“ – das Einfallstor für Panzer des Warschauer Pakts: Der Dritte – atomare – Weltkrieg hätte womöglich in Hessen seinen Anfang genommen. Als schnellster Weg in das NATO-Territorium für die Panzertruppen des Warschauer Pakts galt die Fuldaer Senke des Osthessischen Berglandes, die im Bündnis-Jargon als „Fulda Gap“ bezeichnet wurde: Sie „gab den Weg frei für einen schnellen Vorstoß in Richtung Frankfurt am Main, um Westdeutschland an seiner schmalsten Stelle zu durchschneiden, ein zentrales Logistikzentrum der US-Streitkräfte auszuschalten, die Verteidigung des nord- und des süddeutschen Raumes voneinander zu trennen und die von Bremerhaven aus südwärts verlaufenden amerikanischen Nachschubwege abzuschneiden“, schreibt das Landesgeschichtliche Informationszentrum des Landes Hessen. Das Verteidigungsbündnis hätte sich mit taktischen Atomwaffen gewehrt. Die Geschichte um diesen ehemaligen Hotspot erzählt die Gedenkstätte Point Alpha lan der ehemaligen hessisch-thüringischen Grenze (innerdeutsche Grenze) zwischen der Stadt Geisa im Wartburgkreis (Thüringen) und der Gemeinde Rasdorf im Landkreis Fulda (Hessen). © Imago Im Beisein des Inspekteur des Heeres und Verteidigungsministers rollt der erste Panzer Leopard in München vom Band. Der Konsolidierungs-Panzer – die Bundeswehr begrüßt ihren Leopard 1: „Mit dem ,Leopard 1‘ wurde ab 1965/66 der erste größtenteils in der Bundesrepublik entwickelte Kampfpanzer an die Bundeswehr ausgeliefert“, schreibt die Bundeswehr. Dieser Kampfpanzer galt als Eckpfeiler der „langsamen Konsolidierung“; einer Phase, in der die im November 1955 gegründete westdeutsche Armee einiges überstanden hatte: die Pro-und-Contra-Diskussionen bezüglich der Wiederbewaffnung sowie ihren Stammplatz in der westlichen Bündnisverteidigung. Die Bundesrepublik Deutschland war Frontstaat gegen die Armeen des Warschauer Paktes. Ein Nachfolger des US-amerikanischen M47 „Patton“ musste beschafft werden – idealerweise als bi- bis multilaterales Unternehmen. Da Frankreich wegen Finanzierungsproblemen aus dem Projekt ausschied, erhielt der Panzer 1963 einen deutschen Namen. Für 1,5 Milliarden Deutsche Mark bewilligte der Bundestag insgesamt 1500 Stück. Die Waffe bildete den Hauptgegner des russischen T-54/T-55 und wurde seit seiner Indienststellung kontinuierlich weiterentwickelt bis zum aktuellen Modell Leopard 2A8. Im Beisein des Inspekteurs des Heeres, Ulrich de Maizière, und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel, rollte der erste Panzer Leopard in München vom Band. © Bundeswehr/IMZ-Bildarchiv Ein Modell des M48 Patton steht bei der Panzerbrigade 21 Lipperland in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im Kreis Lippe. Die vergessene erste Wahl der Abschreckung – der M47 und M48 Patton: „Der zwischen 1951 und 1953 gebaute mittlere Panzer „war im Grunde schon veraltet, als ihn die Bundeswehr 1956 einführte“, wie die Bundeswehr schreibt. Der M47 war als Übergangslösung geplant. Beim M48 wollte die Bundeswehr von seiner stärkeren Panzerung profitieren, der höheren Beweglichkeit dank höherer Leistung, einen größeren Innenraum und einer vermeintlichen höheren Treffergenauigkeit. Bis der Patton vom Leopard abgelöst wurde, blieb er bis 1979, also mehr als 20 Jahre, der Hauptkampfpanzer der Bundeswehr und bildete das Rückgrat der Abschreckungsfähigkeit der Bundeswehr im Kalten Krieg. © Christoph Hardt/imago Franz-Josef Strauß flüstert im Bundestag Konrad Adenauer etwas ins Ohr. Der „Panzerangriff“ auf den Minister: Franz-Josef Strauß (CSU) – hier im Gespräch mit Bundeskanzler Konrad Adenauer – hatte als zweiter Verteidigungsminister der Bundesrepublik in den 1950er Jahren den ersten handfesten Skandal der Panzerwaffe auszubügeln, wie er in seinen Memoiren schreibt – den Fehlkauf des Schützenpanzers HS-30: „Aufgrund eines Holzmodells war ein Vertrag geschlossen worden, wonach sich Hispano-Suiza verpflichtete, 12.000 Fahrzeuge entsprechend dem Holzmodell zu liefern. In dem Vertrag stand nicht einmal, dass der Schützenpanzer truppenbrauchbar oder kriegsverwendungsfähig sein müsse, es war nur von einer exakten Ausführung des Modells die Rede.“ Der Spiegel vermutete hinter dem Skandal schlichtweg Bestechung, in die die Regierungspartei involviert gewesen sein soll. Auch die Frankfurter Rundschau hatte mit Hinweisen aufgewartet, nach denen die CDU Millionen-Beträge kassiert haben sollte. Wie der Spiegel schrieb, habe Strauß gewusst, „daß die Bundesrepublik betrogen worden war“. Allerdings ist der Schützenpanzer dann doch noch nach Nachbesserungen von 1559 an mit etwa 2200 Exemplaren in die Truppe integriert worden, und die „hat im allgemeinen sogar ein einigermaßen zufriedenes Urteil über den HS-30 abgegeben“, wie Strauß schreibt. © Kurt Rohwedder/dpa Soldaten fahren mit dem Schützenpanzer HS 30 im Gelände im Juni 1960. Schweizer Fehlgriff – der deutsche Schützenpanzer-Skandal: „Schön ist es, immer ändern zu dürfen, man ändert bei den Vorentwürfen, doch ändert man auch nach Belieben, was fertig ist und unterschrieben.“ Unter der „Inventarnummer Ü 667“ führt das deutsche Panzermuseum in Munster ein Gedicht der Mitarbeiter der Firma Hanomag (Hannoversche Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft) zur 1000. Konstruktionsänderung des Schützenpanzers HS 30 im März 1960. Ein Grund der grundsätzlichen Untauglichkeit des Fahrzeugs war, dass die Grenadiere über die Bordwand auf- und absitzen mussten – weil die im Panzerbau unerfahrenen Schweizer Konstrukteure beispielsweise mit der Anordnung von Batterien und Kraftstofftanks nahe der am Heck angebrachten Luke den Zugang zum Fahrzeug enorm erschwerten. Hispano-Suiza arbeitete als Generalunternehmer und hatte die in der Produktion von Kriegsgerät erfahrenen Unternehmen Hanomag und Henschel sowie die britische Firma BMARC hinzugezogen, wie das Panzermuseum darlegt. Nachfolger des umstrittenen HS 30 wurde der Schützenpanzer Marder. © Bundeswehr/Siwik Panzergrenadiere sitzen ab von einem Schützenpanzer Puma während der Übung Quadriga 2024. Der Puma – Deutschlands prominenter Pannenpanzer? Als Nachfolger des altgedienten Marder hatte die Bundeswehr den Nachfolger Puma dazu auserkoren, mittels starker Bewaffnung und moderner Technik Panzergrenadiere bis ins Herz ihres Einsatzes zu fahren. Aber „Schon in der Entwicklung ,unerwartete technische Schwierigkeiten‘“, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung 2022 über die Waffe, die Maßstäbe setzen sollte. Bis zu 17 Millionen Euro kostet ein Exemplar, womit die Bundeswehr wieder Hightech ins Gefecht schicken will gegen einen Gegner wie vermutlich Russland. Dessen einstiges Staatsoberhaupt Josef Stalin hatte eine konträre Doktrin verfolgt mit seinem Credo, Quantität sei auch eine Qualität. Noch Ende 2022 soll beispielsweise ein Pulver-Feuerlöscher im Puma einen Kabelbrand zwar gelöscht, aber auch gleich die gesamte Technik lahmgelegt haben. Über etwa 400 Exemplare soll die Bundeswehr letztlich verfügen können. Mit der Verbindung des Schützenpanzers und dem „System Infanterist der Zukunft“ entsteht das „System Panzergrenadier“. Die Infanteristen seien untereinander, mit dem Gefechtsfahrzeug und weiteren Schützenpanzern ihrer Einheit digital verbunden, schreibt die Bundeswehr. © Kay Nietfeld/dpa Computermodelle des Mainground Combat System mit verschiedenen Funktionen und Turmmodellen. Das neue Main Ground Combat System – modular aufgebaut und als Quantensprung in der Offensive und der Defensive gedacht. Deutschland und Frankreich wollen ihn gemeinsam bauen als Amalgam aus dem deutschen Leopard 2 und dem französischen Leclerc. Mobilität soll eines der Charakteristika des MGCS werden – geplant sind 50 Tonnen Gewicht als Maximum – damit wäre er ungefähr gleich gewichtig wie der russische T-14 Armata. Der MGCS soll von einem Hybridsystem mit 1325 kW (1800 PS) angetrieben werden und mit rund 36 PS pro Tonne die Konkurrenz um zehn PS pro Tonne übertrumpfen. Die um den Ladeschützen minimierte zweiköpfige Besatzung arbeitet darin zum besseren Schutz in einer gekapselten Kammer im Rumpf. © AFP Ralf Raths, der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster, vor seinen Exponaten. Ralf Raths – der Mann mit dem stählernen Blick: Der 1977 in Goslar geborene Historiker ist seit 2013 Direktor des Deutschen Panzermuseums im niedersächsischen Munster. Studiert hat er
Geschichte und Politik an der Leibniz Universität Hannover. Raths’ Leistung als Direktor eines Museums ist, dass er einerseits die Exponate erläutert und in den zeithistorischen Kontext setzt und sein Museum dafür offensiv nach draußen trägt: Raths nutzt konsequent das Medium YouTube, um angesichts der politischen Entwicklungen in unterschiedlichen geschichtlichen wie politischen Dimensionen die Rolle des Panzers verständlich einzuordnen – beispielsweise die Bedeutung der unterschiedlichen russischen T-Modelle im Ukraine-Krieg; oder die Bewertung der Darstellung eines deutschen „Tiger“-Panzers im gleichnamigen aktuellen Amazon-Film. Oder aber die Erläuterung eines gewöhnlich verdrängten Themas in einer mehrteiligen Reihe: Auf welche Arten Soldaten in ihrem Panzer zu Tode kommen können. © Reto Klar/Imago Das Schaufenster der Panzergeschichte – das Deutsche Panzermuseum im niedersächsischen Munster Das Schaufenster der Panzergeschichte – das Deutsche Panzermuseum im niedersächsischen Munster (DPM). „Organisierte Gewalt ist eines der wichtigsten Themen der Geschichte; maschinisierte Gewalt ein zentrales Thema des 20. und 21. Jahrhunderts“, schreibt die Museumsleitung über die Identität der Sammlung von Fahrzeugen und Waffen, die mit diesem thematischen Schwerpunkt in Deutschland konkurrenzlos ist. „Diese Sammlung ist eine der besten weltweit“, urteilt Museumsdirektor Ralf Raths. Die Ausstellung des Deutschen Panzermuseum Munster umfasst mehr als 150 Großobjekte und erstreckt sich über fünf Hallen auf mehr als 10.000 Quadratmeter. Die Zeit, aus der die einzelnen Großexponate stammen, beginnt 1900 und erstreckt sich bis zu Modellen der Zukunft. © Bastian Schimpf/Deutsches Panzer Museum. Panzer „Pz.Kpfw. III“ Der Panzerkampfwagen III – in Kubinka lebt er wieder auf: Das Panzer- beziehungsweise Weltkriegsmuseum nahe Moskau gilt als eines der größten seiner Art weltweit. Neben Exponaten lebt im nahe gelegenen „Park der Patrioten der als Großer Vaterländischer Krieg bezeichnete Zweite Weltkrieg immer wieder auf: „Kanonenschießen, Nahkampf-Demonstration, Panzerrennen: Ein militärischer Erlebnispark bei Moskau soll jungen Russen Patriotismus beibringen und Werbung für die vaterländische Rüstungsindustrie machen“, wie der Spiegel geschrieben hat. Der hier abgebildete „Pz.Kpfw. III“ wurde von 1936 an in verschiedenen Versionen und mit verschiedenen Bewaffnungen beziehungsweise mit verschieden starkem Panzerschutz gebaut. Er galt als der wichtigste Kampfpanzer der Phase, in der die Wehrmacht in ihren Feldzügen gegen Polen und Frankreich vor allem auf Überraschung durch Geschwindigkeit mittels Panzern setzte und den Begriff „Blitzkrieg“ prägte. © Jewgeni Odinokow/Imago Ein Tiger-Panzer rollt an einem diesigen Tag an einer Ruine vorbei. Die Besatzung schaut aus den Luken. Der Tiger – Sinnbild eines Krieges: „Er ist so omnipräsent, dass seine markante Silhouette auch 80 Jahre nach seinem letzten Einsatz von Laien erkannt wird, auch wenn sie seinen Namen überhaupt nicht kennen“, schreibt Ralf Raths. Laut dem Direktor des Deutschen Panzermuseums ins Munster steht der Film „Der Tiger“ in einer langen Tradition von Kriegsfilmen: „Denn das Leben und Leiden der Menschen, die im engen Bauch einer Gewaltmaschine zusammengepfercht sind, fasziniert durch seine Widersprüchlichkeit: Einerseits steuern diese Menschen eine machtvolle Kriegsmaschine, die scheinbar unaufhaltsam Tod und Vernichtung bringt – andererseits sind sie tatsächlich aber hochgradig verwundbar und müssen jederzeit damit rechnen, zu verbrennen, zu ersticken, verstümmelt oder zerfetzt zu werden.“ Die deutsch-tschechische Amazon-Produktion ist seit dem 02. Januar 2026 an weltweit bei Prime Video verfügbar. © Amazon MGM Studios & Prime Video Ein von innen rot-orange beleuchtetes Wrack eines Panzerkampfwagen V Panther Das Ende, mit Schrecken: Ein Sd.Kfz. 171 (Sonderkraftfahrzeug) – Panzerkampfwagen V Panther, Ausführung A. Das Fahrzeug ist ein Fundstück aus Tscherkassy, etwa 150 Kilometer südöstlich von Kiew, Ukraine. In der Entwicklung des Modells zählten vor allem Feuerkraft, dann die Mobilität und als Letztes die Panzerung. „Das macht den Panther zum Ahnherrn des Leopard 1“, sagt Ralf Raths, Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. Das Wrack steht im Technik-Museum im baden-württembergischen Sinsheim und soll nahezu im Fundzustand belassen worden sein. Wahrscheinlich ist das Fahrzeug von der eigenen Besatzung gesprengt worden, so dass keine menschlichen Überreste in den Wrackteilen zurückgeblieben waren. © Technikmuseum Sinsheim Nach dem Jahrhunderthochwasser in der Eifel mit Überschwemmungen und Überflutung rollt ein Räumpanzer über eine Behelfsbrücke Aufbauen statt zerstören – der Panzer als Nothelfer: „Die Bundeswehr setzte schweres Gerät ein, um zerstörte Infrastruktur zu reparieren und Rettungswege freizuräumen. Brückenlegepanzer ermöglichten den Bau von Behelfsbrücken, da viele Brücken durch die Wassermassen zerstört wurden. Räumfahrzeuge wurden genutzt, um Straßen von Schutt und Trümmern zu befreien und so die Mobilität in den betroffenen Regionen wiederherzustellen“, schreibt die Bundeswehr über ihre Rolle in der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Zu sehen ist hier der Pionierpanzer Dachs. Ralf Raths vom Deutschen Panzermuseum in Munster weist darauf hin, dass unter dem Begriff „Panzer“ häufig an den Kampfpanzer gedacht werde – diese Bezeichnung aber zu kurz greife: Gepanzerte Fahrzeuge würden für verschiedene spezialisierte Aufgaben eingesetzt – für den Truppen- wie Verwundeten-Transport genauso wie das Minenräumen oder den Abschuss von Raketen. Und eben auch für Katastrophenhilfe. Die Bundeswehr verfügt mit gepanzertem, schwerem Pioniergerät über, wie sie schreibt, „spezialisierte Fähigkeiten und Ausrüstung, auf die es in Krisensituationen ankommt“. © Christoph Hardt/Imago Aber die Ukraine greift auch Ölpumpstationen oder Ölhäfen an. Im März hat sie bei Luftangriffen laut der Agentur Reuters zwischenzeitlich 40 Prozent der Ölexportkapazitäten lahmgelegt. Russland liefert stattdessen etwa über Pipelines nach China – offenbar aber zu weniger lukrativen Preisen. Exportiert Russland weniger Öl, hat das auch Konsequenzen für den Weltmarkt, wie der Energieexperte Jörg Schindler unserer Redaktion schon 2024 sagte . Berichten zufolge wollte Joe Bidens Regierung damals deshalb Schläge auf die Ölproduktion unterbinden. Was eine weitere Frage aufwirft.
Ukraine attackiert Russlands Öl-Infrastruktur – hat Trump nichts dagegen? Partnerstaaten hätten darum gebeten, die Intensität der Schläge zu verringern, erklärte Selenskyj Ende März. Um welche Länder es sich handelte, verriet er nicht. Trump scheint zumindest nicht generell etwas gegen derartige Angriffe auf Russland zu haben. Im Oktober 2025 berichtete die Financial Times , US-Geheimdienste gewährten der Ukraine Hilfe bei Schlägen auf die russische Energieinfrastruktur.
Mit dem Iran-Krieg hat sich die Gemengelage natürlich verändert. Tagesaktuelle Äußerungen Trumps zum Thema gibt es nicht. Ende Februar erklärte laut CNN die ukrainische Botschafterin in den USA, Olga Stefanischyja, Trumps Regierung habe sich über einen Schlag beschwert, der amerikanische Investments in Kasachstan geschädigt habe. Es sei aber nicht um einen generellen Stopp von Angriffen auf russische Infrastruktur gegangen. Über die Lage hinter den Kulissen lässt sich nur spekulieren. Klar ist aber, dass die Ukraine selbstbewusster wird. Die USA sind in einigen Bereichen weiter wichtig für das Land . Aber die Hilfe ist unter Trump mehr oder minder auf Null geschrumpft. Und Washington hat wohl sogar Interesse an ukrainischen Waffenentwicklungen in der Luftabwehr – der Iran hatte mit billigsten Drohnen den Einsatz teurer US-Abwehrraketen provoziert.
Fehlkalkulation oder Weg zum Frieden? Ukraine trifft Putins Russland tief im Hinterland Ändert sich die Lage im Ukraine-Krieg? Ein umittelbarer Gamechanger sind die Angriffe kaum. Sie sind aber Symptom einer Veränderung: Die Ukraine hat ihre Fähigkeit zu Schlägen tief im russischen Hinterland ausgebaut – und will das auch mit Deutschlands Hilfe weiter tun . Mit eigenen Drohnen muss die Ukraine keine Limitationen von Geberländern beachten . Russlands Medien ignorieren oder beschönigen Probleme zwar. Aber über Messengerdienste verbreiten sich Bilder dennoch. Selenskyj betonte auf X, Tuapse liege 1.500 Kilometer entfernt, und attestierte eine „neue Phase in der Nutzung ukrainischer Waffen, um das Potenzial von Russlands Krieg zu begrenzen.“
Selbst Putin sah sich nun zu einer Stellungnahme genötigt. Er dementierte ernste Gefahren, alles sei unter Kontrolle – und beklagte zugleich zunehmende ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur. Fakt ist, dass Russland seit Jahren dasselbe tut, mit Schlägen gegen Ziele ohne jede Kriegsbedeutung. Ein weiterer interessanter Aspekt: Womöglich hat die Ukraine von der Gegenwehr des Iran gelernt. Das den USA militärisch unterlegene Mullah-Regime hatte Energieinfrastruktur seiner Nachbarn angegriffen. „Es ist, als hätten die Ukrainer bemerkt, dass sie auch einen ökonomischen Hebel haben“, sagte Timothy Ash vom Thinktank Chatham House dem US-Sender CBS .
Sind die Treffer also gute Nachrichten? Es gibt auch mahnende Stimmen. Der Analyst Alexander Kolyandr vom Centre For European Policy Analysis warnte bei The Spectator etwa, der russische Staat profitiere aufgrund der Steuergesetze mehr von steigenden Ölpreisen, als dass ihm Exportausfälle schadeten.
Auch wenn dem so ist, dürfte sich aber ein weiteres Problem für Russlands Wirtschaft auftun – womöglich auch Gründe für Streit in den Eliten. Und die Ukraine stört nicht nur die Kriegslogistik, sondern bekommt mit erhöhter Reichweite ihrer Angriffe und den Schlägen gegen die Energieindustrie im besten Fall ein Druckmittel in die Hand. Selenskyj erklärte bereits, er sei offen für jede Form von Waffenstillstand. Auch begrenzt auf Energieinfrastruktur. So lange würden die Angriffe weiterlaufen. (Quellen: Reuters, New York Times, Financial Times, X, Carnegie Endowment for International Peace, The Spectator, Chatham House, CBS, Centre for European Policy Analysis, dpa, eigene Recherchen )
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