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Schusswaffenhersteller

Heckler & Koch in Zeiten der Aufrüstung: „Mehr Wertschätzung“ und steigende Bewerberzahl

In Zeiten der Kriege und Aufrüstung boomt auch das Geschäft mit Schusswaffen. Der Chef von Hersteller Heckler & Koch erläutert den Höhenflug und was das mit Philosophie zu tun hat.

Oberndorf/München – Die geopolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren geändert und das nicht zum positiven. Rüstungsunternehmen und auch Waffenproduzenten beschert die Entwicklung prächtige Umsatzzahlen. Wenn es um Schusswaffen geht, ist Heckler & Koch mit Hauptsitz in Baden-Württemberg eine der führenden Marken.

H&K stellt Sturm- und Maschinengewehre (MG), Granatwerfer und Pistolen her, Hauptabnehmer sind Armeen von NATO-Staaten sowie Polizei-Behörden und Sicherheitskräfte. Zudem spielt das Waffengeschäft mit Zivilisten in Ländern wie die USA eine große Rolle.

Heckler & Koch: Waffenhersteller früher „allenfalls respektiert“, nun „wertgeschätzt“

Der Vorstandsvorsitzende von Heckler & Koch erläutert, dass seit Beginn des Ukraine-Kriegs mitsamt „Zeitenwende“ in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein wachsendes Interesse an der Rüstungs- und Waffenindustrie besteht. „Früher war es so, dass die Industrie gebraucht wurde, aber nicht beliebt war, allenfalls respektiert. Mit den aktuellen Bedrohungslagen hat sich das geändert“, schildert Jens Bodo Koch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Ihm zufolge habe sich die externe „Wertschätzung“ erhöht, nicht jedoch das Selbstverständnis: Der Schusswaffenproduzent sieht sich als Ausrüster der Soldaten und Polizisten, die sich für Frieden und Freiheit einsetzen. Die Frage, ob Heckler & Koch vom Sondervermögen der Bundeswehr profitiert, verneint der CEO. „Es war zum einen für Großgeräte wie die F-35 oder den schweren Transporthubschrauber (Chinook-Ch-47, Anm. d. Red.) gedacht und zum anderen für die persönliche Schutzausrüstung der Soldaten.“

Soldatin der Bundeswehr vor einem Militärfahrzeug und mit einer Schusswaffe vom Typ HK G63 (Heckler & Koch).

Bewerberzahl bei Heckler & Koch laut CEO „so hoch, wie nie zuvor“

Allerdings profitiert auch H&K von der Investitionsfreude des Verteidigungsministeriums: Bald beginnt die Auslieferung des neuen Sturmgewehrs an die Bundeswehr – ein Auftrag, der schon vor der Zeitenwende erteilt wurde. Darüber hinaus liefert das Unternehmen das Maschinengewehr MG5 und die Pistole P8 sowie Spezialwaffen für die Eliteeinheiten KSK und KSM, so der Bericht.

Was die Bundeswehr betrifft, erkennt Koch eine gestiegene Priorisierung der Bestellungen: „In diese Verfahren ist deutlich mehr Tempo gekommen. Die Antworten sind schneller da“, so der 52-Jährige. Das größere Interesse spiegelt sich auch in den Bewerberzahlen: Das Interesse an Heckler & Koch als Arbeitgeber sei schon in der Vergangenheit hoch gewesen und das selbst während der Pandemie, so Koch (der nicht mit einem der beiden Firmengründer verwandt ist). „Aber mit unseren Aktivitäten und der Entwicklung in den vergangenen Jahren ist die Bewerberzahl gerade tatsächlich so hoch, wie sie noch nie zuvor war“, führt der Manager aus.

Rüstungsunternehmen in Krisenzeiten: „Willst du Frieden, übe den Krieg“

In dem Gespräch mit der FAZ geht es auch um das Thema Wehrpflicht und Pazifismus. Kritikern, die den (Aufrüstungs-)Kurs der Bundesregierung als „Kriegstreiberei“ brandmarken, tritt Koch mit einem Ausflug ins Philosophische entgegen: „Platon hat wohl in Abwandlung an das ursprüngliche Wort ‚Si vis pacem para bellum‘ abgeleitet: Wenn Du den Frieden willst, übe den Krieg ein. Das ist wahrscheinlich heute noch so richtig wie damals.“

Allerdings machte Deutschlands größter Handfeuerwaffen-Produzent auf seinem Wachstumskurs zuletzt eine Verschnaufpause.

Firmenzentrale von Schusswaffenhersteller Heckler & Koch in Oberndorf (Baden-Württemberg).

2022 war für H&K ein Rekordjahr - ärgste Konkurrenten aus Europa

Nachdem es jahrelang bergauf ging, verzeichnete Heckler & Koch (rund 1100 Beschäftigte) im Jahr 2023 Rückgänge: Nach eigenen Angaben sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Prozent auf 301,4 Millionen Euro, während der Nettogewinn um 43 Prozent auf 28,7 Millionen Euro zurückging. Das kam jedoch nicht überraschend:

2022 war für H&K ein Ausnahmejahr, das von Sondereffekten mit boomendem US-Geschäft und einer positiven Entwicklung des Dollarkurses geprägt war. Beim Jahr darauf handelt es sich immer noch um das zweitbeste der Firmengeschichte. Die ärgsten Konkurrenten des deutschen Waffenproduzenten sind laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Beretta aus Italien, der Colt-Mutterkonzern CZ aus Tschechien und FN Herstal aus Belgien. (PF)

Rubriklistenbild: © Panama Pictures/Imago

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