Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ernährungsarmut

„Der politische Wille fehlt“: Bürgergeld ist zu gering für gesunde Kinder-Ernährung

Ein Mädchen und ein Junge sitzen an einem Tisch in der Arche in Berlin-Hellersdorf und essen Nudeln.
+
Die Arche bietet Kindern ein kostenloses Mittagessen und entlastet damit arme Familien. (Archivfoto)

Das Bürgergeld reicht nicht aus, um eine gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten. Das geht aus einem Gutachten hervor. Es fehle der politische Wille, ihnen ein gesundes Leben zu ermöglichen.

Berlin – Die sogenannte Nullrunde beim Bürgergeld, also die ausbleibende Erhöhung im kommenden Jahr, trifft die Betroffenen ohnehin schon. Auch wenn die Erhöhung von zwölf Prozent im Januar 2024 höher als die tatsächliche Inflation ausgefallen ist, sinkt dadurch ihre Kaufkraft. Konkret bedeutet das: Es bleibt weniger Geld für die Ernährung. Damit verschärft sich ein Problem, das schon länger Thema ist: denn bereits jetzt reicht das Bürgergeld nicht für eine gesunde Ernährung aus.

Davon sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. Das Bürgergeld ist zu gering für eine gesunde Ernährung, berichtete die Berliner Zeitung mit Verweis auf ein Gutachten des Forschungsdepartments Kinderernährung (FKE) der Universitätsklinik Bochum. Darin haben die Forschenden die Kosten einer ausgewogenen Ernährung für Kinder und Jugendliche berechnet. Als Basis dienten Lebensmittelpreise aus Supermärkten und Discountern von November 2022. Seitdem sind die Preise damit weiter gestiegen.

Bürgergeld-Höhe reicht nicht für gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen

Aus dem Abgleich der Erkenntnisse der Bochumer Fachleute und dem im Bürgergeld vorgesehenen Anteil für Lebensmittel ergibt sich laut dem Bericht der Berliner Zeitung, dass die Gelder nicht für eine gesunde Ernährung ausreichen. Bei kleineren Kindern entspreche der Satz für Lebensmittel noch beinahe den durchschnittlichen Kosten von 95,49 Euro im Monat. Je älter diese jedoch werden, desto größer ist die Lücke zwischen Bedarf und tatsächlicher Zahlung.

Die Bürgergeld-Leistungen für Lebensmittel liegen demnach bei älteren Kindern und Jugendlichen rund zehn Prozent unter den errechneten Kosten einer gesunden Ernährung. Bei männlichen Jugendlichen ab 15 Jahren sei der Satz fast 20 Prozent geringer, berichtete die Berliner Zeitung. Sie erhalten demnach etwa 166 Euro – statt der nötigen 199 Euro. Die Zahlen beziehen sich laut dem Bericht auf das Jahr 2022. Seitdem sind sowohl Bürgergeld-Regelsätze als auch Lebensmittelpreise gestiegen.

„Es fehlt am politischen Willen, auch Kindern von Bürgergeld-Beziehenden ein gesundes Leben möglich zu machen“

„Die Regelsätze für Kinder und Jugendliche im Bürgergeld sind deutlich zu niedrig, das ist schon lange klar und die Berechnungsmethode wird von Wohlfahrtsverbänden scharf kritisiert“, sagte Helena Steinhaus vom Verein Sanktionsfrei, die sich für Empfängerinnen und Empfänger vom Bürgergeld engagiert, IPPEN.MEDIA. „Es fehlt schlicht am politischen Willen, auch Kindern von Bürgergeld-Beziehenden ein gesundes Leben mit faireren Startbedingungen möglich zu machen.“

„Diese Studie absichtlich zurückzuhalten ist ein Armutszeugnis für das BMAS“, sagte Steinhaus zudem. Denn: Laut Berliner Zeitung liegt dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) von Hubertus Heil (SPD) das Gutachten, das es mitfinanziert hat, schon seit Mitte 2023 vor. Es habe die Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht.

Bürgergeld-Höhe zu gering für gesunde Ernährung von Kindern: Ministerium weist Bericht zurück

Dem Ministerium zufolge liegt das daran, dass der Deutsche Verein auf Basis der Ergebnisse Empfehlungen für Aufschläge bei Krankheiten erarbeite und der Verein um Vertraulichkeit während der Arbeit gebeten habe. Das Gutachten sollte eigentlich ermitteln, welche Mehrkosten für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen entstehen, die unter Krankheiten leiden.

Das Sozialministerium verwies laut Berliner Zeitung zudem darauf, dass der Regelsatz beim Bürgergeld „ein monatlicher Pauschalbetrag“ sei, der „keine spezielle monatliche Pauschale für Nahrungsmittel oder für andere Verwendungszwecke“ beinhalte. Derartige Teilbeträge seien „unbrauchbar und irreführend“.

PostenSumme pro Monat (Anteil)
Bürgergeld gesamt für Alleinstehende563 Euro
Nahrung, alkoholfreie Getränke195,35 Euro (34,70 %)
Freizeit, Unterhaltung, Kultur54,92 Euro (9,76 %)
Verkehr50,49 Euro (8,97 %)
Post und Telekommunikation50,33 Euro (8,94 %)
Wohnen, Strom, Wohninstandhaltung47,71 Euro (8,84 %)
Kleidung und Schuhe46,71 Euro (8,30 %)
Andere Waren und Dienstleistungen44,93 Euro (7,98 %)
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände34,28 Euro (5,09 %)
Gesundheitspflege21,48 Euro (3,82 %)
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen\t14,70 Euro (2,61 %)
Bildung2,03 Euro (0,36 %)

Eine Aufschlüsselung des Bürgergelds in Teilbeträge nach bestimmten Ausgaben ist in der Praxis bei Medien, in der Wissenschaft sowie in der Politik jedoch üblich. Auch Jobcenter nutzen diese teilweise.

Der Wissenschaftliche Beirat des Bundesernährungsministeriums (WBAE) hat armutsbedingte Mangelernährung bereits länger als Problem ausgemacht. Eine Ursache dabei ist fehlendes Geld für die nötigen Lebensmittel. Und auch Hilfsorganisationen wie etwa die Arche weisen immer wieder auf Hunger als Problem bei armutsbetroffenen Kindern hin. Und trotzdem: Angesichts des Spardrucks im Haushalt diskutiert die Ampel-Koalition über eine Senkung des Bürgergelds.

Kommentare