Kabinett hat sie beschlossen
Frühstart-Rente im Rentenpaket: Millionen profitieren vom Merz-Plan – er hat mehrere Haken
Das Kabinett Merz hat ein neues Rentenpaket beschlossen. Durch die Frühstart-Rente sollen Millionen Menschen profitieren. Manche Fragen sind aber offen.
Berlin – „Schlag auf Schlag“, soll es jetzt gehen, kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch nach der Sitzung des Koalitionsausschusses an. Zuvor hatte die Runde weitreichende Beschlüsse getätigt. Ein „Sofortprogramm“ solle kommen, um möglichst schnell die Wirtschaft zu unterstützen. Gleichzeitig wolle man im Zuge dessen auch ein großes Rentenpaket angehen. Darauf hätten sich CDU, CSU und SPD geeinigt.
Merz-Kabinett bringt Rentenpaket auf den Weg – Frühstart-Rente enthalten
Dieses Rentenpaket sieht große Pläne für Rentnerinnen und Rentner in Deutschland vor. Unter anderem beinhaltet sie einen 2000-Euro-Plan für Rentner. Auch bei der Mütterrente soll es Änderungen geben, die Millionen Menschen zukünftig mehr Geld bringen sollen. Damit aber noch nicht genug. Auch die sogenannte Frühstart-Rente soll besonders zukünftige Generationen besser absichern. Die Pläne hinterlassen zunächst aber einige große Fragezeichen.
Die Frühstart-Rente soll ebenfalls im neuen Rentenpaket, das der Koalitionsausschuss auf den Weg gebracht hat, enthalten sein. Sie stammt aus dem Wahlprogramm der CDU und hat es bis in den Koalitionsvertrag geschafft. Sie ähnelt der Idee des „Kinderstartgeldes“, das die Wirtschaftsweisen bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen hatten. Konkret geht es bei der Frühstart-Rente darum, dass jedes Kind in Deutschland zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung besucht, pro Monat zehn Euro vom deutschen Staat bekommt. Das Geld soll in ein „individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot“ gesteckt werden, heißt es im Koalitionsvertrag dazu. Start der Frühstart-Rente soll ab 1. Januar 2026 sein.
Frühstart-Rente im Rentenpaket: Wer von den Plänen der Merz-Regierung profitiert
Weiter wird im Koalitionsvertrag zur Frühstart-Rente erklärt: „Der in dieser Zeit angesparte Betrag kann anschließend ab dem 18. Lebensjahr bis zum Renteneintritt durch private Einzahlungen bis zu einem jährlichen Höchstbetrag weiter bespart werden.“ Die Erträge sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei sein. Das Sparkapital sei außerdem „vor staatlichem Zugriff geschützt“, eine Auszahlung geschehe mit Erreichen der Regelaltersgrenze.
Profitieren sollen von der neuen Renten-Idee Millionen Kinder in Deutschland, die mit dem Ansparprogramm ihre spätere Rente aufbessern könnten. Es gibt allerdings eine im Koalitionsvertrag klar gezogene Grenze: Die Frühstart-Rente soll nur bekommen, wer eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht. Genauer ausgeführt ist dies nicht. Allerdings dürfte damit Voraussetzung sein, dass man für die Frühstart-Rente zur Schule gehen oder ein Studium absolvieren müsse. Laut der Tagesschau dürften auch Auszubildende, die einen Teil ihrer Ausbildung an einer Berufsschule absolvieren, dazuzählen.
Frühstart-Rente soll ab 1. Januar 2026 kommen – Plan aus Rentenpaket hat einige Haken
Das Programm weist allerdings noch einige Haken auf. Denn bevor die Frühstart-Rente zahlreichen Menschen zugutekommen soll, müssen noch wichtige Fragen, die zunächst offen blieben, geklärt werden. Unklar ist etwa, wie der Höchstbetrag pro Jahr ausfällt. Ebenfalls nicht geklärt ist, wie genau das Geld angelegt werden soll, also etwa in welche Fonds das Geld für die Frühstart-Rente dann eigentlich fließt. Christoph M. Schmidt, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) warnt etwa davor, dass das Sparkapital „selbst bei optimistischen Renditen“ kaum ausreichen werde, um wirklich Versorgungslücken in der Rente zu schließen. Die Frühstart-Rente erwecke dadurch eine „trügerische Sicherheit“ und lenke vom eigentlichen Reformbedarf im Rentensystem ab, so Schmidt gegenüber der Tagesschau.
Ein weiteres Fragezeichen tut sich bei der Definition, wer profitiert, auf. Ungeklärt ist, was geschieht, wenn Jugendliche nach dem Abschluss an einer Bildungseinrichtung ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Freiwilligen Wehrdienst leisten. „Gerade Kinder und Jugendliche, die keinen gradlinigen Lebenslauf haben und nicht dauerhaft eine Bildungseinrichtung besuchen“, könnten ausgeschlossen werden, warnt Lukas Menkhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber der Tagesschau. Wie mit etwaigen Anpassungen des monatlichen Beitrags in Bezug auf Punkte wie die Inflation umgegangen werden soll, ist ebenfalls offen.
Frühstart-Rente könnte Deutschland Milliarden kosten – Finanzierungsfrage noch offen
Bleibt noch die Frage nach der Finanzierung der Frühstart-Rente. Bereits vor der Bundestagswahl hatte Friedrich Merz, damals noch Kanzlerkandidat, gegenüber der dpa erklärt: „Bei ungefähr 700.000 jungen Menschen pro Jahrgang kostet das sieben Millionen Euro monatlich für jeden Jahrgang.“ Macht rund 84 Millionen Euro pro Jahr pro Jahrgang. Aufgerechnet auf alle Jahrgänge könnten die jährlichen Kosten eine gute Milliarde Euro betragen. Woher die Milliarde im engen Haushaltsplan der Koalition, den Finanzminister Lars Klingbeil bald vorstellen will, kommen soll, ist zunächst unklar.
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Ambitioniert dürfte derweil auch der Zeitplan sein. Ab dem 1. Januar 2026 will die Bundesregierung den neuen Renten-Plan mit der Frühstart-Rente anlaufen lassen. Bis dahin müssen allerdings alle zuvor genannten Fragen geklärt sein. Fondsanbieter fürchten bereits Verzögerungen. „Mit dem Start zum 1. Januar dürfte es schwierig werden“, sagte etwa Hans Joachim Reinke, Chef des genossenschaftlichen Fondshauses der Union Investment, gegenüber dem Handelsblatt. Auch beim Fondshaus Vanguard habe man „große Sorge, dass die Frühstart-Rente nach hinten geschoben wird“, sagte Fabian Behnke, der dort die strategischen Partnerschaften verwaltet, gegenüber dem Handelsblatt.
Frühstart-Rente sinnvoll? Fondsanbieter machen Druck – Experten kritisieren Merz-Plan
Die Fondsanbieter sehen im Konzept der Frühstart-Rente allerdings einen guten Ansatz, um das instabile Rentensystem in Deutschland zu reformieren. Eine Meinung, die sich bei mehreren Experten niederschlägt. DIW-Experte Menkhoff sprach gegenüber der Tagesschau davon, dass die Idee, dass „Kinder früh in Kontakt mit Aktien kommen und so die Scheu verlieren“, richtig sei. Für einen wirklichen Effekt der Frühstart-Rente müssten die monatlichen Beiträge allerdings höher sein.
Kritik gibt es jedoch auch. RWI-Präsident Schmidt sieht in der Frühstart-Rente keine wirksame Methode, um die Gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. Auch an einen Beitrag zur Finanzbildung zukünftiger Generationen glaubt er nicht. Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, äußerte sich gegenüber IPPEN.MEDIA ebenfalls kritisch zur Frühstart-Rente: „Die Wirkung ist aufgrund der Größenordnung des individuellen Sparbetrags für Versicherte sehr bescheiden. Bei zehn Euro Monatsbeitrag kommt selbst bei 60 Jahren Ansparen bestenfalls eine Rente von rund 30 Euro brutto heraus.“
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