„600 Milliarden wegen dieses Dummkopfs“
Fed-Konflikt mit Trump – US-Notenbank fällt wichtige Zins-Entscheidung
Die US-Notenbank wird die Zinssätze nicht senken. Dieses Thema erzeugt seit Jahren Unstimmigkeiten mit US-Präsident Trump. Was verbirgt sich dahinter?
Update vom 19. Juni, 07.20 Uhr: Trotz wiederholter Forderungen von Präsident Donald Trump nach einer Zinssenkung hält die US-Notenbank den Leitzins erneut stabil. Damit bleibt er auf hohem Niveau in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent, wie der Zentralbankrat der Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend in Washington mitteilte. Die Fed rechnet nun in diesem Jahr auch mit einer höheren Inflationsrate von 3,0 Prozent. Im März war sie noch von einer Teuerungsrate von 2,7 Prozent ausgegangen.
„Die Auswirkungen von Zöllen werden, unter anderem, von deren Höhe abhängen“, sagte Fed-chef Powell. Inzwischen werde mit weniger hohen Zöllen gerechnet. „Trotzdem werden erhöhte Zölle wahrscheinlich Preise nach oben treiben und die wirtschaftliche Entwicklung belasten“.
Erstmeldung vom 18. Juni, 10.26 Uhr: Washington, D.C. – Mehr als zwei Monate ist es her, seitdem US-Präsident Donald Trump die halbe Welt mit schweren Strafzöllen überzog. Nur kurz darauf folgte zwar eine umfangreiche Aussetzung der Zölle, aber Ökonomen warnten dennoch vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Diese blieben vorerst aus: Die US-Inflation stieg trotzdem nur geringfügig. Darum drängt Trump die US-Notenbank Fed zu einer Senkung der Zinssätze. Dabei gerät er einmal mehr mit deren Chef Jerome Powell aneinander. Am Mittwoch (18. Juni) kommt es zur Entscheidung.
Trump legt sich mit Fed an – und will niedrigere Zinsen wegen Inflation
Der Zwist zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef des Federal Reserve System (Fed) Jerome Powell ist dabei nicht neu. Schon während seiner ersten Amtszeit hatte Trump Powell häufig dazu gedrängt, endlich den Zinssatz in den Vereinigten Staaten zu senken. Auch jetzt ist aus dem Weißen Haus anhaltende Kritik an der Geldpolitik der Fed zu hören. Erst Mitte Juni 2025 bezeichnete der US-Präsident Powell als „Dummkopf“. Trump rechnete vor: Eine Senkung der US-Leitzinsen um zwei Prozent würde pro Jahr 600 Milliarden US-Dollar einsparen, „aber wir kriegen diesen Typen nicht dazu, es zu tun“.
Konkret sagte Trump: „Wir werden 600 Milliarden Dollar das Jahr ausgeben, 600 Milliarden Dollar wegen dieses Dummkopfs, der da sitzt und sagt ‚Ich sehe nicht genug Gründe, um die Zinsen jetzt zu senken‘“. Allerdings sagte Trump auch, er wäre dafür, die Zinsen zu steigern, wenn die Inflation vorher steige. Der geldpolitische Schlüsselsatz liegt in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent und wird voraussichtlich auch im Juni dort bleiben – davon gehen zumindest die Analysten aus. In diesem Wert liegen die Zinsen bereits seit Dezember 2024.
Zuletzt aber stieg die US-Inflation leicht an. Im Mai stand gegenüber April ein Plus von 0,1 Prozent auf dem Papier (auf 2,40 Prozent), und das trotz des von Trump verursachten Zoll-Chaos. „Vielleicht muss ich etwas erzwingen“, zitierte das US-Nachrichtenportal CNBC Trump in diesem Kontext. Er will eine Verringerung der Leitzinsen um ein Prozent.
Niedrige Inflation als wichtiges Fed-Ziel – „geldpolitisches Fehlverhalten“
Dem stehen die langfristigen ökonomischen Ziele der Fed gegenüber. Sie will für eine stärkere US-Wirtschaft sorgen. Das tut sie durch das sogenannte „Dual Mandate“, also die zweigeteilte Aufgabe, die erstens in einem Maximum an Arbeit im Land und zweitens aus stabilen Preisen besteht. Das Federal Open Market Committee legte fest, dass eine Inflationsrate von zwei Prozent mit den Zielen der Fed konsistent wäre. Diese muss jedoch mittel- bis langfristig in diesem Bereich bleiben.
Aktuell liegt die Inflationsrate in den USA bei 2,40 Prozent (plus 0,1 Prozent zwischen April und Mai 2025). Ökonomen haben bereits gewarnt, dass diese vergleichsweise geringe Erhöhung kein Grund für eine Erleichterung sei, denn die tatsächlichen Folgen von Trumps Zollpolitik würden erst verzögert eintreten.
Fachleute rechnen nicht mit einer Zinssenkung durch die Fed
Analysten sehen keine Chance, dass die Fed ihre Zinsraten im Juni senken würde. Auch für das Juli-Meeting räumen sie laut CNBC nur „geringe“ Chancen auf eine Zinssenkung ein. Mitte Juni hatte erst Trump heftige Kritik an der Fed geäußert, aber auch von weiteren Mitgliedern seiner Regierung kamen harsche Worte. So schrieb zum Beispiel Vize-Präsident JD Vance in einem Social-Media-Beitrag: „Die Weigerung der Fed, die Zinsen zu senken, ist ein geldpolitisches Fehlverhalten.“
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