Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Energie-, Klima- und Infrastrukturprojekte

Fachkräftesuche in der Energiebranche: Nachfrage steigt um über 500 Prozent

Die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosenquote nimmt zu. Firmen verhalten sich zögerlich bei Neubesetzungen. In bestimmten Sektoren herrscht trotzdem dringender Personalbedarf.

Düsseldorf – Die schwache Konjunktur hat die Arbeitslosenquote bereits auf einen Wert von über sechs Prozent angehoben. Doch nicht in allen Branchen zeichnet sich die schlappe wirtschaftliche Situation gleichermaßen ab. Wie aus einer aktuellen Datenanalyse von Stepstone hervorgeht, die der WirtschaftsWoche vorliegt, zeigt besonders der Energiesektor einen erheblichen Anstieg an Neueinstellungen. Der Fachkräftebedarf ist in Schlüsselbranchen also weiterhin auf hohem Niveau und droht, die Energiewende Deutschlands zu gefährden.

Fachkräftemangel: Personal für Energie-, Klima- und Infrastrukturprojekte stark nachgefragt

Mit dem vorangetriebenen Ausbau der Erneuerbaren Energien vergrößert sich trotz Wirtschaftskrise eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt. „Wir nehmen gerade zwei Trends wahr: Zum einen ist der Bedarf an Fachkräften im Umfeld des Ausbaus der erneuerbaren Energien in den vergangenen fünf Jahren um über 100 Prozent gestiegen“, sagte Manuel Bartel, Regionalleiter bei der Personal- und Organisationsberatung Hapeko der WiWo. „Zum anderen beruht dieser Bedarf insbesondere auf Berufsfeldern, in denen schon seit Jahren das Gespenst des Fachkräftemangels umhergeht“, so Bartel weiter.

Aber auch durch das Sondervermögen der Bundesregierung wird nun der Jobmotor in den Gruppen Energie-, Klima- und Infrastrukturprojekten angekurbelt. Die Daten zeigen, dass Stellenanzeigen im Bauwesen von 2019 auf 2024 um 9,5 Prozent gestiegen sind – trotz der Krise, die die Baubranche in den vergangene Jahren erschüttert hat. Auch im Handwerksbereich stiegen die Jobangebote deutlich: Wie aus der Stepstone-Analyse hervorgeht, erhöhten sich diese um 38,3 Prozent, im Bereich Elektrik um 53,4 Prozent. Seit Jahren suchen jene Branchen händeringend nach qualifiziertem Personal.

Besonders müssen Stellen für Position als Projektleiter für Erneuerbare Energien besetzt werden. Dort verzeichnet der Stellenzuwachs der Analyse zufolge seit 2019 bis zum vergangene Jahr 512 Prozent. Zudem sind Servicetechniker für Windenergieanlagen, Straßenbauer, Klimaschutzmanager sowie Energiemanager stark nachgefragt. Selbst wenn der erhöhte Bedarf zunächst für den Arbeitsmarkt als erfreulich erscheint, ist die Suche nach Fachkräften in den geforderten Bereichen ein jahrelanges heikles Unterfangen. 

Infrastruktur- und Klimaprojekte kurbeln den Jobmotor an – trotz niedriger Einstellungsbereitschaft von Unternehmen.

Viele Berufsgruppen für die Energiewende benötigt

Denn die Nachfrage nach qualifizierten Person für Erneuerbare Energien wird sich bis zum Jahr 2030 drastisch erhöhen. Wie aus der DIHK-Studie „Fachkräftebedarf und Fachkräftegewinnung in der Transformation“ hervorgeht, werden mehr als eine halbe Million Fachkräfte benötigt – sonst stehe die Energiewende auf dem Spiel. „Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Transformation aufgrund des Fachkräftemangels länger dauern wird und die Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien nur teilweise erreicht werden können“, sagte stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Bei der Überwindung des Fachkräfteproblems weist Dercks aber auch darauf hin, dass sich nicht nur auf Klima- oder Transformations-Berufe konzentriert werden solle. An der Transformation hin zur Klimaneutralität hängen zahlreiche andere Berufe, die nicht unbedingt als „Grün“ gelten. So können die Ziele der Klimawandel nur erreicht werden, wenn beispielsweise auch in den Bereichen Logistik und Transport oder Planung und Administration genügend Personal vorhanden ist. „Konkret heißt das: Der Aufbau von Windkraftanlagen kann sich verzögern, weil Lkw-Fahrer fehlen“, mahnte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Energieversorgung in Gefahr: Mehr Quereinsteiger und Qualifizierungsangebote

Um dem Problem der Fachkräftenachfrage entsprechend zu begegnen, sollten nach Ansicht von Branchenexperten neue Berufsbilder und Qualifizierungsangebote etabliert werden. Auf diese Weise kann das Potenzial Beschäftigungsloser und Geringqualifizierter gehoben werden. Auch für Quereinsteiger zeigten sich Unternehmen mittlerweile offen. „Viele Firmen in der Branche sind offen, branchenfremde Kandidaten einzustellen. Das ist ein Indikator dafür, dass die Not in diesem Bereich sehr hoch ist. Vor einigen Jahren war das noch undenkbar“, so Lerche zur WiWo.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt vor dem Risiko des anhaltenden Fachkräftemangels. Neben der Nichterfüllung der Klimaziele sei auch die zuverlässige Energieversorgung aller Sektoren in Gefahr. Der BDEW schlägt dazu der Bundesregierung eine neue Ausbildungsoffensive vor. „Damit können Kinder frühzeitig an technische Themen herangeführt werden, denn wir brauchen sie als Ingenieure, Mechatroniker, Elektriker und Schlosser für die Energiewende.“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Fachkräftemangel: Bundesagentur für Arbeit fördert berufliche Weiterbildung

Im Juni 2025 waren laut Angaben der Bundesagentur (BA) für Arbeit 632.000 Arbeitsstellen unbesetzt, außerdem blieben 211.000 Berufsausbildungsstellen frei. Die BA bietet für die Integrierung auf dem Arbeitsmarkt in den stark nachgefragten Bereichen Beratung und Hilfe für Umschulungen an. Darüber hinaus werden berufliche Weiterbildungen unter bestimmten Voraussetzungen finanziell gefördert.

Zu den Förderangeboten zählen Schulungen in den Bereichen IT und Digitalisierung, Handwerk, Erneuerbare Energien und Umwelttechnik und Logistik und Transport. Durch die Ausgaben eines zeitlich befristeten und regional begrenzten Bildungsgutscheins an Arbeitslose werden dann an ausgewählten Bildungsträgern Weiterbildungen gefördert werden. Kosten für Lehrgangsgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuung oder auswärtige Unterbringung und Verpflegung werden dabei übernommen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich

Kommentare