Einen Monat vor EU-Aktionsplan
Dringender Appell an die EU: „SUV-Pandemie“ endlich beenden
Ein Unternehmen aus der Schweiz kritisiert die Verkehrswende der EU als unzureichend und verlangt das Ende der „SUV-Pandemie“.
Küsnacht – Wie sehr Elektroautos in China boomen, zeigte 2024 einmal mehr ein neuer Verkaufsrekord: Die chinesischen Autobauer, darunter BYD und Aion, produzierten 2024 insgesamt 30 Millionen Elektrofahrzeuge. Dazu zählen auch sogenannte Microcars. Speziell in Chinas Millionenstädten dominieren elektrisch betriebene Microcars, die noch kleiner als ein Smart sind und meist drei oder vier Räder haben. Auch in Japan und Indien sind die kleinen Flitzer verbreitet – dort jedoch meist noch als Verbrennermodelle.
In Europa ist die Schweizer Firma Microlino AG auf die Produktion der kleinen Stadtmobile spezialisiert. Im Gegensatz zu den größeren Elektroautos erhalten die Microcars hingegen keine gezielten Förderungen – sehr zum Unmut des Unternehmens: „Die EU verteilt Subventionen an riesige Elektro-SUVs, obwohl sie überdimensioniert, ineffizient und klimaschädlich sind. Ein Tesla oder VW ID.4 muss über 200.000 km fahren, um umweltfreundlicher als ein Verbrenner zu sein – das ist absurd“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.
Schweizer Firma Microlino wirft der EU die Unterstützung eines „übermäßigen Ressourcenverbrauchs“ vor
Bei einem Preis von 17.990 Euro sortieren sich die kleinen E-Mobile tatsächlich in einer Preiskategorie ein, in der fast schon ein normaler Verbrenner-Kleinwagen rangiert. Heißt übersetzt: Das Microlino-Modell ist mit einer Reichweite von 93, 177 oder 228 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h eher als reiner Stadtwagen konzipiert – und insofern verhältnismäßig teuer. Auch deshalb spielen Subventionen eine wichtige Rolle.
Die Schweizer Firma stellt jedoch einen anderen Aspekt in den Vordergrund. In ihrer Mitteilung fordert Microlino die EU zudem auf, die „SUV-Pandemie zu stoppen“ und kritisiert die aktuelle Mobilitätswende als verfehlt. Vielmehr dominieren riesige Elektro-SUVs mit überdimensionierten Batterien“ den Markt, wodurch die EU „weiterhin übermäßigen Ressourcenverbrauch“ unterstütze. Weiterhin fahre der durchschnittliche EU-Bürger nur 30 Kilometer – und das auch noch allein.
Als Gegenbeispiel führt das Unternehmen sein Microcar an, das nicht nur „platzsparender und energieeffizienter“ sei, sondern auch den „Feinstaubausstoß um rund 90 Prozent im Vergleich zu einem Stadt-SUV“ reduziere.
Microlino fordert: Microcar-Modell L7e in CO₂-Flottenanrechnung aufnehmen – als Ergänzung des Verbrenner
Weiterhin fordert Microlino die Aufnahme seiner sogenannten L7e-Modelle in die CO₂-Flottenanrechnung der EU. Auch sei zumindest die L7e-Kategorie unter den Microcars eine rein europäische Fahrzeugklasse und biete eine riesige Chance, „heimische Unternehmen und Innovationen gezielt zu fördern“. Den Gedanken einer Art Kompromisslösung zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern bringt das Unternehmen damit ins Spiel. Eine Kombination von elektrischen Microcars für den (urbanen) Alltag und einem Verbrenner für „gelegentliche Langstrecken“ senke ohne Verzicht „den CO₂-Ausstoß vom ersten Kilometer“, argumentiert Microlino.
Der Zeitpunkt des Positionspapiers ist nicht zufällig gewählt. Am 5. März 2025 stellt die Europäische Kommission ihren Aktionsplan zur Mobilitätswende für die Automobilindustrie vor. Experten rechnen damit, dass die Subventionen ausschließlich Elektroautos bekommen – zumal die EU bis 2035 ohnehin ein Verbot für Verbrenner-Neuzulassungen beschlossen hat.
Lange Tradition von Microcars in Deutschland: Opel und Citroën bieten günstigere Elektroautos an
Auch in Deutschland gibt es eine lange Tradition der Mini-Autos, wobei die Hochphase in den 1950er Jahren lag – und zumindest in dieser Dominanz längst der Vergangenheit angehört. In Europa bietet der Stellantis-Konzern mit dem Citroën Ami, Opel Rocks-e und Fiat Topolino drei Varianten von Microcars an. Die unterschiedlichen Modelle mit Preisen zwischen 7.990 Euro und 13.000 Euro sind dabei deutlich günstiger als die Schweizer-Konkurrenz – verfügen allerdings auch nur über eine begrenzte Reichweite zwischen 75 und 150 Kilometer. Der Ami und Rocks-e sind auch bereits in Deutschland erhältlich. Eine nationale Förderung für E-Autos gibt es in Deutschland hingegen auch seit Januar 2024 nicht mehr.
Auch in Deutschland ist die Förderung von Elektroautos ein Wahlkampfthema: CDU, Grüne und SPD sprechen sich für Kaufprämien aus. Die Linke fordert eine Kaufprämie speziell für kleine E-Fahrzeuge. AfD und FDP lehnen Kaufprämien ab – und setzen stattdessen auf die Aufhebung des Verbrenner-Verbots.
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