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Arbeitsmarkt erschwert Lage
CSU gibt Ukrainern im Bürgergeld die Wahl: Arbeit oder Kriegseinsatz
Die CSU fordert, dass ukrainische Männer das Bürgergeld verlieren und stattdessen arbeiten oder in den Krieg ziehen. Doch die Lage ist schwieriger.
Berlin – Geflüchtete aus der Ukraine sollen kein Bürgergeld mehr erhalten, wenn sie nach dem 1. April 2025 eingereist sind. Stattdessen soll es nur Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz geben. Diese Forderung findet sich bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Nun macht die CSU Druck. Ziel ist eine spezifische Gruppe. Wehrfähige Ukrainer im Alter von 18 bis 63 Jahren sollen demnach keine Grundsicherung mehr bekommen. Stattdessen sollen sie die Wahl haben: Hier arbeiten oder in der Ukraine im Krieg kämpfen.
Arbeit oder Kriegseinsatz: CSU-Politiker stellt Bürgergeld-Empfängern aus der Ukraine Ultimatum
„Es muss endlich Schluss sein mit dem Bürgergeld-Bezug für männliche Ukrainer im wehrfähigen Alter“, sagte CSU-Außenpolitiker Stephan Mayer der Bild-Zeitung. Demnach gebe es nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit 150.660 männliche erwerbsfähige Leistungsbezieher mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in der betreffenden Altersgruppe. Daraus ergeben sich in Summe Zahlungsansprüche von 1,328 Milliarden Euro pro Jahr, berichtet das Medium.
„Wenn fast 151.000 Ukrainer zwischen 18 und 63 Jahren bei uns Stütze kassieren, dann stimmt etwas nicht“, sagte Mayer. „Diese Personengruppe hat keinen Anspruch auf diese Sozialleistung und muss entweder hier bei uns in Deutschland arbeiten gehen oder in der Ukraine Wehrdienst leisten“, so die Behauptung des CSU-Politikers.
Die ukrainische Botschaft selbst sieht kein Problem im Aufenthalt der Männer in Deutschland. „Es wäre falsch, allen ukrainischen Männern im Ausland pauschal Gesetzverstöße oder eine Umgehung der Mobilmachung zu unterstellen“, erklärte die Vertretung der Bild. „Der Aufenthalt ukrainischer Männer im Ausland ist nicht verboten.“ Für die Ausreise seien Nachweise nötig.
Ukrainer haben wegen EU-Richtlinie Bürgergeld-Anspruch
Auch Mayers Behauptung, die ukrainischen Geflüchteten hätten keinen Anspruch auf Bürgergeld, ist so nicht richtig. Wer in Deutschland Asyl bekommen hat, hat Zugang zum Arbeitsmarkt. Gleichzeitig bekommen sie im Falle der Bedürftigkeit Sozialleistungen wie das Bürgergeld. Das gilt für alle, unabhängig von der Herkunft.
Bei Ukrainern gibt es einen anderen Unterschied: Nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat die EU dazu die sogenannte Massenzustromrichtlinie aktiviert, um den Druck auf die nationalen Asylsysteme zu senken, wie die Staatengemeinschaft erklärt. Denn auf deren Grundlage müssen die Personen keinen individuellen Asylantrag stellen, sondern erhalten den vorübergehenden Schutz. Am 13. Juni 2025 haben die EU-Mitgliedsstaaten die Regelung bis zum 4. März 2027 verlängert.
Etwa ein Drittel der Ukrainer arbeitet in Deutschland – Bürgergeld-Anteil über der Hälfte
Auf der Grundlage leben laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt 928.110 Geflüchtete aus der Ukraine im Alter von 15 bis unter 65 Jahre in Deutschland. Dann gilt man formal als erwerbsfähig. Mit 567.828 sind über die Hälfte Frauen. Laut den Daten sind im Juni 324.200 Personen einer Beschäftigung nachgegangen, 272.300 im Rahmen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.
Damit arbeiten mit 34,2 Prozent relativ wenige Ukrainer nach der Flucht. Bei den anderen Asylherkunftsländern liegt die Quote mit 47,1 Prozent deutlich darüber. Über die Hälfte (54,3 Prozent) der erwerbsfähigen Ukrainer bezieht demnach Bürgergeld, bei anderen großen Herkunftsländern sind es 39,7 Prozent.
Bürgergeld haben derzeit schlechte Chancen auf Arbeit – nur wenig neue Stellen
So leicht, wie es CSU-Politiker Mayer andeutet, ist der Einstieg in Arbeit für Ukrainer jedoch nicht. Zum einen haben sie mit den selben Problem wie alle Bürgergeld-Empfänger zu kämpfen: Durch die wirtschaftliche Situation gibt es kaum neue Stellen auf dem Arbeitsmarkt, ihre Chance auf den Ausweg aus der Erwerbslosigkeit ist damit auf einem „historischem Tiefstand“, wie das Bundesarbeitsministerium es ausgedrückt hat.
Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten
Denn Unternehmen suchen vor allem Fachkräfte, zwei Drittel der Leistungsbezieher haben jedoch keine abgeschlossene Ausbildung. Auch bei den Ukrainern sucht laut BA über die Hälfte nach sogenannten „Helfertätigkeiten“. Der Arbeitsmarkt bietet dafür aber nur wenige Stellen.
Geflüchtete haben bei Bürgergeld-Ausweg zusätzliche Hürden
Zusätzlich zur allgemein schwierigen Arbeitsmarktsituation gibt es für Geflüchtete mehrere Hindernisse: Bei der Anerkennung von beruflichen Qualifikationen aus der Ukraine gibt es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung einen „erheblichen Unterstützungsbedarf“, dazu fehlten Sprachkenntnisse. Hier knüpft auch der deutsche Integrationsansatz an, der den Spracherwerb und Qualifizierung in den Vordergrund stellt und erst dann die Vermittlung in Arbeit. Das könne „langfristig zu stabileren Arbeitsmarktkarrieren und höheren Einkommen führen“, so das IAB. Damit soll verhindert werden, dass die Betroffenen schnell wieder im Bürgergeld landen.