ETS 2
CO₂-Preis klettert weiter: Neue Details zur künftigen Höhe werden bekannt
In kurzer Zeit beginnt auf EU-Ebene der Emissionshandel. Der neue CO₂-Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage. Erste Preissignale liegen schon vor.
Leipzig – In dieser Woche hat die Leipziger Energiebörse EEX eine Terminbörse für den neuen EU-weiten CO₂-Preis an der Start gebracht. Am 8. Juli 2025 fand der erste Handel mit CO₂-Zertifikaten statt, wie EEX in einer Pressemitteilung bekanntgab. Damit gibt es zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Orientierung für Verbraucher und Verbraucherinnen, wie hoch der neue CO₂-Preis ab 1. Januar 2027 ausfallen könnte.
CO₂-Preis steigt deutlich: Neue Terminbörse handelt mit 81 Euro/Tonne
Der Handel an der Europäischen Energiebörse ist der zweite Startschuss für das sogenannte Futures Trading. Am 6. Mai wurde die allererste Terminbörse für den kommenden CO₂-Preis an den Start gebracht, damals am Intercontinental Exchange (ICE). Das gehandelte Preisniveau lag damals bei 73,57 Euro pro Tonne CO₂. Zum Vergleich: Aktuell liegt der deutsche CO₂-Preis, der 2027 vom EU-System abgelöst wird, bei 55 Euro/Tonne.
ETS Futures Trading
Eine Terminbörse (Futures Trading) ist eine Börse, an dem Geschäfte gehandelt werden, deren Erfüllung in der Zukunft liegen. Dabei wird der Preis für das Zertifikat heute festgelegt und dann in der Zukunft – in diesem Fall ab 2027 – erst ausgeliefert. Terminbörsen gibt es für alle möglichen Produkte und Verträge, so können auch Rohstoffe wie Weizen oder Öl gehandelt werden. Der Vorteil ist, dass man sich damit gegen Preissprünge absichern kann, sollte der Rohstoffpreis später in die Höhe schnellen. Es kann aber auch in die andere Richtung gehen, weshalb es als Risikogeschäft gilt.
Am 8. Juli lag der Preis für eine Tonne CO₂ an der EEX sogar noch höher: Laut dem Energieportal Energate wurden 81 Euro/Tonne gehandelt. Damit wird deutlich, dass Marktteilnehmer nicht davon ausgehen, dass die EU-Mitgliedsstaaten wesentlich weiterkommen mit dem Klimaschutz – der einzige Weg, um den Preis zu senken. Die Marktteilnehmer, die Zertifikate zu diesem Preis gekauft haben, sind offensichtlich der Meinung, dass das ein guter Preis sein wird und sie in 18 Monaten ein gutes Geschäft gemacht haben werden.
Tanken und Heizen mit fossilen Energien wird teurer werden
Die 81 Euro/Tonne decken sich mit bisherigen Prognosen zum Emissionshandel der EU. Unterschiedliche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kommen zu dem Schluss, dass der Preis bis 2030 zwischen 100 und im Extremfall bei 300 Euro pro Tonne CO₂ liegen könnte. Das würde Benzin- und Dieselpreise massiv verteuern und auch das Heizen mit Erdgas und Öl im Vergleich zu Lösungen mit Strom oder Biomasse unattraktiver machen.
Ganz genau bestimmen kann man das noch nicht, denn der ETS 2 ist ein marktbasiertes Instrument. Heißt: Der Preis steigt, wenn es eine hohe Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten gibt. Die Zahl derer sind begrenzt, die EU kann aber, wenn der Preis zu hoch einsteigen sollte, mehr Zertifikate freigeben, um so den Preis abzudämpfen. Auch diese Maßnahme ist hingegen endlich.
Die einzige Möglichkeit, den CO₂-Preis abzumildern, besteht darin, auf Technologien umzusteigen, die kein CO₂ ausstoßen. Wer wenig CO₂ ausstößt, braucht auch wenige Zertifikate – eine sinkende Nachfrage lässt auch den Preis sinken.
Merz-Regierung will EU-Geld für Förderprogramme nutzen
Um den Umstieg zu fördern, fließen die Einnahmen in einen Topf, der den EU-Mitgliedsstaaten zugute kommen soll. Um das Geld aus dem Klimasozialfonds zu bekommen, müssen die Mitgliedsländer allerdings einen Plan vorlegen, der zeigt, wie sie das Geld nutzen würden. Denn das Geld soll natürlich zur Förderung klimafreundlicher Technologien verwendet werden.
Eigentlich galt dafür eine Deadline von 30. Juni 2025. Diese hat die Bundesregierung, genauso wie viele andere Mitgliedsstaaten allerdings verstreichen lassen. Die Regierung zeigt sich jedoch wenig besorgt darüber: In einer Stellungnahme schreibt das Bundesministerium für Umwelt und Klimaschutz: „Ziel der Bundesregierung ist es, den Plan noch in diesem Jahr vorzulegen, je früher desto besser. Vermutungen, Deutschland würde durch die Verzögerung Mittel verlieren, entbehren jeder Grundlage.“
Weiter schreibt das BMUK am 30. Juni 2025: „Deutschland wird in den kommenden Jahren vollumfänglich über EU-Fördermittel in Höhe von 5,3 Milliarden Euro verfügen können. Entscheidend für den Zugriff auf die Mittel ist nicht die heutige Einreichefrist. Entscheidend ist die erfolgreiche Umsetzung von sozial ausgerichteten Förderprogrammen ab dem Jahr 2026. Deutschland streckt die Finanzmittel also zunächst vor und bekommt sie im Anschluss von der EU zurück.“
Die Bundesregierung möchte damit nach eigenen Angaben ein Förderprogramm zum Umstieg auf E-Autos finanzieren sowie die Wärmewende voranbringen.
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