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Endlich günstiges Bauen und Wohnen?

Baubranche warnt: Politik könnte Aufschwung „abwürgen“

Die Genehmigungen im Neubau steigen um 30 Prozent. Mieten und Bauen können endlich wieder günstiger werden. Doch ein Experte sieht auch Hürden.

Berlin – Erlebt die gebeutelte Baubranche endlich die seit Jahren erhoffte Kurswende? Die Baugenehmigungen in Deutschland sind im Juli um 30 Prozent gestiegen, ein Rekordwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Mehr Genehmigungen führen zu mehr Neubau, mehr Angebot und damit zu sinkenden Bau- und Mietkosten für die Menschen – zumindest in der Theorie. Was die aktuelle Entwicklung im Bau für die Menschen bedeutet.

Baugenehmigungen erreichen ein Rekordanstieg. Ein Zeichen für ein Ende hoher Bau- und Mietpreise?

Baubranche im Aufwärtstrend – doch neue Wohnungen lassen auf sich warten

Im Juli 2025 wurde der Bau von 22.100 Wohnungen genehmigt, wie aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht. Im Vergleich zum Juli 2024 ist das ein Wachstum von 30 Prozent. Auch die Gesamtzahl der bislang in 2025 genehmigten Wohnungen (131.800) ist um 6,6 Prozent höher als im Vorjahr. Doch 2024 lag die Zahl der Genehmigungen 2024 auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Ist das Wachstum also eine echte Positivnachricht oder nur den schlechten Zahlen des Vorjahres geschuldet?

„Sowohl als auch“, sagt Roman Heidrich, Wohnimmobilienexperte des Unternehmens JLL, im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Die schlechten Zahlen von 2024 lassen schnell einen Aufwärtstrend zu, so Heidrich. „Die jüngsten Zahlen zeigen aber, dass offenbar die Talsohle durchschritten ist und es jetzt, sicherlich vorerst auf niedrigem Niveau, wieder mit dem Wohnungsbau aufwärts geht.“

Die Zahlen der monatlich genehmigten Wohnungen im Zeitverlauf: Kommt nun die Trendwende?

Die Langzeitbetrachtung macht deutlich, dass Baugenehmigungen – und damit auch die Zahl des Neubaus – in den vergangenen Jahren stark abnahmen. Rohstoffe wurden teurer, den Betrieben fehlten die Mitarbeiter und Menschen und Unternehmen konnten sich die massiv gestiegenen Baupreise oft nicht mehr leisten.

Doch der Tiefpunkt könnte nun hinter Deutschland liegen, so die Hoffnung. „Wir erwarten in 2025 und den folgenden Jahren einen Positivtrend, der durch den Bauturbo der Bundesregierung unterstützt werden sollte“, sagt Wohnexperte Heidrich. Jedoch: Eine Baugenehmigung heißt noch nicht, dass es gleich losgeht. „In der Regel dauert es zwischen sechs Monaten bis zu zwei Jahre von der Genehmigung bis zum Baubeginn. Das hat neben individuellen Themen aber auch mit nach wie vor schwierigeren Finanzierungsprozessen zu tun“, weiß Heidrich.

Folgen für Mieter: günstigere Wohnungen in Aussicht

Die schwarz-rote Bundesregierung und Bauministerin Verena Hubertz (SPD) haben mit dem Bauturbo ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das Bauauflagen vereinfachen und Planungsprozesse beschleunigen soll. Damit sollen auch die Baukosten sinken. Was heißt das für Mieter? „Dies sollte dann dazu führen, dass die Wohnungen auch entsprechend günstiger vermietet werden können“, so Heidrichs Prognose.

Doch es gibt einen Haken. „Mit einer Entspannung an den betreffenden Wohnungsmärkten kann bestenfalls mittelfristig gerechnet werden, da neben dem aktuell benötigten Wohnungsbedarf auch erst einmal der Backlog aus in den letzten Jahren benötigten und nicht gebauten Wohnungen abgebaut werden muss“, sagt der Experte. Bauziele der Bundesregierung für bezahlbaren Wohnraum wurden in den vergangenen Jahren konstant verpasst.

Experte mit Warnung vor schärferem Mietrecht

Mehr Neubau entlastet den angespannten Wohnungsmarkt, „aber natürlich gibt es regional große Unterschiede hinsichtlich der Art der benötigten Wohnungen“, so der Experte. Er lobt die von der Politik initiierte Lockerung der Bauvorgaben, warnt jedoch vor Plänen aus dem SPD-Justizministerium, den Mieterschutz zu stärken. „Die sich wieder leicht positiv entwickelnden Bautätigkeiten sollten nicht mit einer weiteren Verschärfung des Mietrechts abgewürgt werden“, so Heidrich. „Dass Neubauwohnungen nicht in die Mietpreisbremse inkludiert werden, war ein positives Signal an die Bauwirtschaft und Projektentwickler. Zudem ist das deutsche Mietrecht im europäischen Kontext regulatorisch schon sehr gut, sodass es aus meiner Sicht keiner weiteren Anpassungen bedarf.“

Auch in der Baubranche ist die Nachricht der steigenden Baugenehmigungen grundsätzlich positiv angekommen, in Euphorie verfällt sie jedoch nicht. Mit den jetzigen Neubauzahlen „lässt sich eine ausreichende Versorgung von Singles sowie Familien insbesondere in Ballungsgebieten mit Wohnraum nicht realisieren“, konstatiert Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. „Denn das wichtigste Segment, der Geschosswohnungsbau, auf den zwei Drittel des Neubaus entfallen, zündet nur sehr langsam“.

Müller fordert die Politik deshalb auf, in den gerade stattfindenden Haushaltsverhandlungen für 2026 klare Signale zu senden. Es „müssen jetzt die finanziellen Vorkehrungen für die vielen guten Ansätze aus dem Koalitionsvertrag getroffen werden“, so Müller. „Dazu gehören etwa die versprochenen steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten, eigenkapitalentlastende Maßnahmen für Wohnungsbaugesellschaften und die Zusammenführung bislang komplizierter Förderprogramme für Neubau und Sanierung.“ (Quellen: Eigene Recherche, Destatis, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) (MoMai)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Klaus Ohlenschlaeger/ DESTATIS (Montage)

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