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Besonders Frauen betroffen

„Tür und Tor für Altersarmut“: Pflege von Angehörigen wird eine immer stärkere Belastung

Szene aus einer ZDF-Reportage: Eine Frau kümmert sich um ihren Mann, der im Rollstuhl sitzt.
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Wenn aus Partnerinnen Pflegerinnen werden: Besonders Frauen kümmern sich um ihre Angehörigen. (Symbolfoto)

Die Pflege von Angehörigen kostet Zeit und Geld. Die Belastung nimmt laut einer Studie immer weiter zu. Besonders Frauen sind dadurch gefährdet.

Berlin – Wer in Deutschland Angehörige pflegt, muss dafür immer mehr Zeit und Geld aufbringen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Krankenkasse AOK. Statt 43 Wochenstunden wie im Jahr 2019 benötigen die befragten Pflegepersonen nun 49 Stunden für Tätigkeiten wie Ernährung, Körperpflege und Medikamentenabgabe.

Der steigende Zeitaufwand für die Pflege führt zudem zu einer stärkeren Belastung. „Jeder vierte Befragte gab und gabt an, hoch belastet zu sein und die Pflegesituation ‚eigentlich gar nicht mehr‘ oder ‚nur unter Schwierigkeiten‘ bewältigen zu können“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs. Am stärksten seien Haushalte betroffen, in denen Menschen mit einer Demenzerkrankung oder einem Pflegegrad ab drei betreut werden.

Angehörige durch häusliche Pflege immer stärker belastet – zulasten der eigenen Berufstätigkeit

Auch die finanzielle Belastung der pflegenden Angehörigen nimmt laut der AOK-Studie zu. Trotz gestiegener Leistungen aus der Pflegeversicherung sei der mittlere Eigenanteil von knapp 200 Euro 2019 auf 290 Euro im Monat gestiegen. Am meisten gaben die Angehörigen für Pflegedienste (325 Euro monatlich) und Tagespflege (299 Euro) aus.

Gleichzeitig führt die Belastung durch die Pflege dazu, dass die Angehörigen bei ihrer eigenen Berufstätigkeit zurückfahren müssen. Nur 46 Prozent der Hauptpflegenden arbeite in Vollzeit, 37 Prozent in Teilzeit. 18 Prozent der Befragten sei gar nicht beschäftigt.

Dabei hat die Pflegetätigkeit laut der AOK eine entscheidende Bedeutung. Über die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten habe angegeben, die Arbeitszeit wegen der Pflege reduziert zu haben. 28 Prozent der Nicht-Erwerbstätigen gab an, die Tätigkeit wegen der Pflege aufgegeben zu haben.

Vor allem Frauen durch Pflege von Angehörigen getroffen – und von Altersarmut gefährdet

Das Problem der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Pflege der Angehörigen trifft vor allem Frauen. Ihr Anteil bei den Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter liege bei 67 Prozent. „Wenn pflegende Angehörige – überwiegend Frauen – die Arbeitszeit reduzieren oder ganz aufhören zu arbeiten, bereitet dies Tür und Tor für Altersarmut in der nächsten Generation der zu Pflegenden“, sagte AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das zuerst über die Studie berichtet hat.

Diese Menschen fehlten gleichzeitig auf dem ohnehin schon engen Arbeitsmarkt, auch in der beruflichen Pflege. „Angebot und Nachfrage zur Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf müssen in Einklang gebracht werden“, sagte Reimann.

Nur Minderheit der pflegenden Angehörigen nimmt Entlastungsangebote an – laut Studie

Die bereits vorhandenen Angebote zur Entlastung nehme jedoch nur eine Minderheit der Pflegenden in Anspruch. Nur drei Prozent haben laut AOK-Umfrage von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen. Nur 13 Prozent haben das Anrecht in Anspruch genommen, in einer akuten Pflegesituation bis zu zehn Tage bei Bezug von Lohnersatzleistungen der Arbeit fernzubleiben.

Der Anteil der Pflegebedürftigen, die zuhause versorgt wird, ist hoch. Lediglich 20 Prozent sind laut dem Dachverband der Betriebskrankenkassen in Heimen untergebracht. In einem Anfang Mai vorgestellten Thesenpapier zur gesetzlichen Pflegeversicherung hat der BKK Dachverband deshalb auch mehr Unterstützung für Angehörige gefordert. Diese sollten mit einem Pflegelohn und einer vollständigen rentenrechtlichen Anerkennung entlastet werden. (ms)

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