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Rußwolke über dem Iran

Experte über schwarzen Regen in Teheran: „Sehr toxisches Gemisch“ kann tausende Kilometer vordringen

Bomben und Feuer entlassen im Iran-Krieg giftigste Stoffe in die Luft. Die WHO warnt vor Ausbreitung. Ein Experte erklärt, wie weit der Ruß reisen könnte.

Der Himmel über Teheran ist schwarz. Ölige Tropfen fallen auf Dächer, Straßen und Menschen. Diese dystopischen Bilder sind bittere Realität in der iranischen Hauptstadt: Nach israelischen und US-amerikanischen Luftangriffen auf Öldepots rund um die Millionenmetropole regnet es buchstäblich Gift.

Dunkle Rauchwolken hüllen zerstörte Fahrzeuge in der Nähe eines noch immer brennenden Brandherdes ein, der durch einen nächtlichen Luftangriff auf die Shahran-Ölraffinerie im Nordwesten von Teheran am 8. März 2026 entstanden ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lässt keinen Zweifel daran, wie ernst die Lage ist. Sprecher Christian Lindmeier erklärte gegenüber der Presse in Genf, der schwarze und saure Regen über Teheran „ist tatsächlich eine Gefahr“ für die iranische Bevölkerung. „Wir stehen in Kontakt mit den Krankenhäusern und den Behörden, und die iranischen Behörden haben eine Warnung ausgegeben und die Menschen aufgefordert, in Innenräumen zu bleiben“, so Lindmeier.

Schwarzer Regen in Teheran: WHO fürchtet weitreichende Folgen – und sieht Völkerrecht in Gefahr

Die WHO beobachtet zudem die massiven Freisetzungen giftiger Kohlenwasserstoffe, Schwefeloxide und Stickstoffverbindungen in der Luft – Stoffe, die die Atemwege schädigen und das Trinkwasser verseuchen können. Die Organisation warnt vor chemischen Verbrennungen der Haut und schweren Lungenschäden.

Nicht nur medizinisch, auch juristisch ist die Lage brisant. Ravina Shamdasani vom UN-Menschenrechtsbüro stellte in Genf „ernste Fragen, ob die Verhältnismäßigkeits- und Vorsichtspflichten des humanitären Völkerrechts eingehalten wurden“. Die von den USA und Israel getroffenen Öldepots hätten offenbar keine ausschließlich militärische Nutzung gehabt. Auch iranische Angriffe auf Ölinfrastruktur in Bahrain und Saudi-Arabien beunruhigen die WHO – sie befürchtet eine „weiträumige Schadstoffexposition“.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

„Sehr toxisches Gemisch“: Wie weit trägt der giftige Ruß aus dem Iran-Krieg?

Dr. Volker Matthias, Atmosphärenphysiker und Leiter der Abteilung Chemietransportmodellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht, erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media: „Wie weit sich das betroffene Gebiet ausdehnen kann, hängt vom Ausmaß der Quelle und den Wetterbedingungen vor Ort ab. Wenn etwa ein Öllager brennt, kann sehr viel Ruß entstehen, der dann weit verbreitet werden kann.“

Entscheidend sei, wie der Transport der Rußwolke und der Niederschlag zusammenfallen. Auf Bildern in den Medien erkenne man Ruß auf Fahrzeugen – das sind Partikel, die aufgrund ihrer Größe wahrscheinlich nicht lange in der Atmosphäre blieben. Gefährlicher ist das Unsichtbare: „Im Ruß können sich verschiedene Schadstoffe sammeln, das ist ein sehr toxisches Gemisch. Menschen atmen es ein, wenn sich die Partikel in Bodennähe befinden.“ Allerdings verringere sich die Belastung mit zunehmender Entfernung.

„Viele hundert bis tausende Kilometer“: Schwarzer Regen kann weit reisen – wie Saharastaub

In der sogenannten Planetaren Grenzschicht von etwa 0,5 bis 2 Kilometern Höhe könnten Partikel dutzende Kilometer weit getragen werden, so Matthias. „Es gibt aber auch Szenarien, bei denen es zu überregionalen Konsequenzen kommen kann – etwa bei außergewöhnlich großen Bränden von Öllagern oder bei langanhaltender, starker Bombardierung. Aus dem Irak-Krieg gibt es dazu bereits Studien.“

Gelangen die Stoffe über die Grenzschicht in die freie Troposphäre, kann der Ruß weit reisen. „Viele hundert bis tausende Kilometer“ sind laut Matthias denkbar. „Man kann das mit dem in Deutschland bekannten Wetterphänomen des Saharastaubs vergleichen. Auch hier handelt es sich um Partikel, die weit transportiert werden“, sagt Matthias. (Verwendete Quellen: UN, Gespräch mit Volker Matthias) (moe)

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