Politische Zentren der Welt

Zwischen Macht und Pomp: Die spektakulärsten Regierungssitze der Welt

Berlin, Deutschland, 21.08.2026: Regierungsviertel: Das Bundeskanzleramt am Morgen
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Das Bundeskanzleramt in Berlin wurde 2001 eröffnet und ist der Amtssitz des deutschen Bundeskanzlers. Der Bau gehört zum Band des Bundes und liegt direkt an der Spree im politischen Zentrum der Hauptstadt. Es ist kein Wohnsitz, sondern ein Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude mit großem Ehrenhof und Flächen für Empfänge und internationale Treffen.
Keir Starmer resigns as UK Prime Minister 10 Downing Street, London, Großbritannien
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10 Downing Street in London ist seit 1735 die offizielle Residenz des britischen Premierministers. Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich ein größerer Gebäudekomplex, der im Lauf der Zeit durch benachbarte Häuser erweitert wurde. Der Premierminister arbeitet und wohnt dort, außerdem finden hier Kabinettssitzungen und politische Treffen statt.
Pre-election atmosphere in Amsterdam, Netherlands on Mar. 13, 2017 Der Binnenhof in Den Haag, Niederlande
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Der Binnenhof in Den Haag ist seit Jahrhunderten das politische Zentrum der Niederlande. Der Gebäudekomplex geht auf das 13. Jahrhundert zurück und beherbergt heute unter anderem das Büro des Ministerpräsidenten sowie beide Kammern des Parlaments. Anders als viele andere Machtzentren ist der Binnenhof kein einzelner Palast, sondern ein Ensemble aus Höfen und Regierungsgebäuden.
Le président Emmanuel Macron et sa femme Brigitte accueillent le président de la Mauritanie pour un banquet d'état au palais de l'Elysée à Paris Elysée-Palast
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Der Élysée-Palast in Paris wurde 1722 fertiggestellt und ist seit 1848 der Amtssitz des französischen Präsidenten. Das Stadtpalais liegt im Zentrum der Hauptstadt und verfügt über einen großen Garten hinter dem Hauptgebäude. Es wird für Staatsbesuche, Empfänge und offizielle Zeremonien genutzt, der Präsident wohnt dort auch.

Christiansborg in Kopenhagen
NATIONAL FLAG ON 8,THE APRIL 2026 MEMORIES OF GERMAN OCUPITION IN 1940 APRIL 9TH DENMARK.
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Der Christiansborg-Palast in Kopenhagen hat eine ungewöhnliche Rolle im dänischen Staat, weil dort Parlament, Amtssitz des Ministerpräsidenten und Teile der königlichen Verwaltung untergebracht sind. Der heutige Bau wurde nach einem Brand neu errichtet und 1928 fertiggestellt. Er liegt auf der Insel Slotsholmen im politischen Zentrum der Hauptstadt.
Rome, Italy, Palazzo del Quirinale official residence of the President of the Italian Republic in Rome
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Der Quirinalspalast in Rom stammt aus dem späten 16. Jahrhundert und diente zunächst als Sommerresidenz der Päpste. Später nutzten ihn die italienischen Könige, seit 1946 ist er Amtssitz des Staatspräsidenten. Der weitläufige Komplex umfasst Höfe und Gärten und wird für Staatsakte, Audienzen und offizielle Empfänge genutzt.
Kiev, Ukraine - May 20, 2017: Mariinsky Palace in the Mariinsky Park, top view, Kiew, Mariinski-Palast
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Der Mariinski-Palast in Kyjiw wurde Mitte des 18. Jahrhunderts im Auftrag der russischen Zarin Elisabeth erbaut und später mehrfach erneuert. Heute dient er dem ukrainischen Präsidenten als repräsentativer Amtssitz für Empfänge und Staatsbesuche. Der Palast liegt nahe dem Parlament und gehört zu den wichtigsten Staatsgebäuden der Hauptstadt.
Summer in Moscow Kreml in Moskau, Russland.
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Der Kreml in Moskau ist ein historischer Festungskomplex, dessen heutige Mauern und Türme überwiegend aus dem späten 15. Jahrhundert stammen. Er ist Sitz des russischen Präsidenten und umfasst mehrere Paläste, Kathedralen und Verwaltungsgebäude. Der Kreml liegt im Zentrum Moskaus an der Moskva und wird für Staatsakte, Empfänge und zentrale politische Termine genutzt.
Ak Orda presidential palace, Astana, Kazakhstan , residence of the president of the republic Kasachstan
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Der Ak Orda Präsidentenpalast in Astana, Kasachstan wurde 2004 eröffnet und dient als Amtssitz des kasachischen Präsidenten. Das Gebäude ist Teil eines neu angelegten Regierungsviertels mit breiten Achsen und repräsentativen Staatsbauten. Es wird für politische Treffen, Staatsbesuche und offizielle Zeremonien genutzt, ein Wohnsitz ist es nicht.
Turkey's new Presidential Palace to be used for republic day reception Präsidentenpalast in Ankara
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Der Präsidentenpalast in Ankara wurde 2014 eröffnet und ist Sitz des türkischen Präsidenten. Der weitläufige Komplex entstand in einem großen Parkgelände und umfasst neben dem Hauptgebäude zahlreiche weitere Funktionsbauten. Er dient für Regierungsgeschäfte, Staatsbesuche und offizielle Zeremonien.

Von alten Residenzen bis zu neuen Regierungsvierteln erzählen Staatssitze von Wandel, Kontinuität und politischer Ordnung.

Wo Staaten ihre Politik organisieren

Regierungssitze gehören zu den sichtbarsten Orten politischer Macht. Manche sind weltweit bekannt, andere liegen eher abseits der internationalen Aufmerksamkeit und prägen dennoch die Politik ihrer Länder. Gerade im Vergleich zeigen diese Bauten, wie unterschiedlich Staaten sich darstellen und organisieren. Zwischen historischen Palästen, modernen Verwaltungsbauten und weitläufigen Machtkomplexen erzählt ihre Architektur immer auch etwas über das politische Selbstverständnis eines Landes.

Bekannte Namen und stille Zentren

Zu den bekanntesten Beispielen zählt das Weiße Haus in Washington, das seit 1800 Amtssitz und Wohnort des US-Präsidenten ist. Auch der Élysée-Palast in Paris oder die Casa Rosada in Buenos Aires stehen seit vielen Jahrzehnten für politische Führung und nationale Symbolik. Andere Sitze wirken deutlich zurückhaltender. 10 Downing Street in London ist von außen vergleichsweise nüchtern, hat politisch aber ein ähnlich hohes Gewicht wie manche deutlich monumentaleren Bauten.

Alte Paläste und neue Machtzentren

Viele Regierungssitze sind eng mit der Geschichte ihrer Länder verbunden. Der Quirinalspalast in Rom war erst päpstliche Residenz, dann Königssitz und ist heute Amtssitz des italienischen Präsidenten. Der Binnenhof in Den Haag geht auf das 13. Jahrhundert zurück und vereint bis heute zentrale politische Funktionen auf engem Raum. Daneben stehen moderne Zentren wie das Bundeskanzleramt in Berlin, der Palácio do Planalto in Brasília oder der Ak Orda Präsidentenpalast in Astana, die bewusst als Ausdruck eines zeitgenössischen Staates entworfen wurden.

Vom Ministeramt ins Aus: Deutschlands spektakulärste Politiker-Rücktritte

Franz Josef Strauß war von 1961 bis 1988 Vorsitzender der CSU und von 1978 bis 1988 Ministerpräsident von Bayern
Franz Josef Strauß (CSU): Im Jahr 1962 veranlasste die Bundesanwaltschaft Durchsuchungen beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wegen angeblichen Landesverrats. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß trieb das Vorgehen hinter den Kulissen maßgeblich voran, stritt seine Mitwirkung jedoch zunächst ab. Dieser schwere Angriff auf die Pressefreiheit löste bundesweite Proteste aus und zwang Strauß zum Rücktritt. Seine politische Karriere war damit jedoch nicht beendet: Von 1978 bis zu seinem Tod 1988 regierte er als Ministerpräsident von Bayern. © IMAGO/United Archives/kpa Keystone
Bundeskanzler Willy Brandt übernahm 1974 die politische Verantwortung für die sogenannte Guillaume-Affäre
Willy Brandt (SPD): Bundeskanzler Willy Brandt übernahm 1974 die politische Verantwortung für die sogenannte Guillaume-Affäre. Einer seiner engsten Mitarbeiter, Günter Guillaume, war als Spion der DDR enttarnt worden. Dieser gravierende Sicherheitsverstoß im Kanzleramt führte zum Rücktritt des angesehenen Friedensnobelpreisträgers. © IMAGO
Uwe Barschel war von 1982 bis 1987 Ministerpräsident Schleswig-Holsteins
Uwe Barschel (CDU): Kurz vor der Landtagswahl 1987 in Schleswig-Holstein geriet Ministerpräsident Uwe Barschel unter Verdacht, seinen politischen Gegner illegal bespitzelt zu haben. Obwohl er auf einer Pressekonferenz sein „Ehrenwort“ gab, nichts davon gewusst zu haben, wurde der öffentliche Druck zu groß. Barschel trat zurück und wurde wenige Tage später tot in einem Genfer Hotelzimmer aufgefunden. © IMAGO
Björn Engholm (Deutschland/SPD/Ministerpräsident Schleswig Holstein) 1991
Björn Engholm (SPD): Der SPD-Politiker Björn Engholm stolperte 1993 über Falschaussagen im Zuge der späten Barschel-Affäre. Er hatte vor dem Untersuchungsausschuss verschwiegen, dass er früher als angegeben über die Bespitzelung und vertrauliche Geldzahlungen an einen Schlüsselfigur informiert war. Der Verlust seiner Glaubwürdigkeit kostete ihn das Amt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und den SPD-Parteivorsitz.  © IMAGO
Der damalige Bundesverkehrsminister Günther Krause musste 1993 nach mehreren kleinen Skandalen zurücktreten
Günther Krause (CDU): Der damalige Bundesverkehrsminister Günther Krause musste 1993 nach mehreren kleinen Skandalen zurücktreten. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, staatliche Gelder für den Umzug und die Putzfrau seiner Familie abgerechnet zu haben. Diese Unregelmäßigkeiten kosteten den Mitunterzeichner des Einigungsvertrages sein politisches Amt. © IMAGO
Oskar Lafontaine legte im März 1999 wegen tiefer Differenzen mit Kanzler Gerhard Schröder überraschend alle Ämter nieder.
Oskar Lafontaine (SPD): Im März 1999 sorgte Oskar Lafontaine für ein politisches Erdbeben, als er wegen tiefer Differenzen mit Kanzler Gerhard Schröder überraschend alle Ämter niederlegte. Später verließ er die SPD und baute die Partei Die Linke maßgeblich mit auf. Nach seinem Austritt im Jahr 2022 begleitet er die Politik vor allem im Hintergrund und unterstützt das von seiner Ehefrau gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). © IMAGO
Gerhard Glogowski, SPD, Innenminister von Niedersachsen. Bonn, 02.02.1998 , Bonn Deutschland
Gerhard Glogowski (SPD): Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Glogowski musste Ende 1999 nach gut einem Jahr im Amt zurücktreten. Er war massiv in die Kritik geraten, weil er sich seine Hochzeitsfeier und Urlaubsreisen von Unternehmen hatte sponsern lassen. Der Vorwurf der Vorteilsnahme beendete seine politische Karriere auf Landesebene vorzeitig. © IMAGO
Bundeskanzler Helmut Kohl (Deutschland/CDU) . Pressekonferenz in Bonn im Jahr 1998
Helmut Kohl (CDU): Im Zuge der CDU-Spendenaffäre gab Altkanzler Helmut Kohl im Jahr 2000 den Ehrenvorsitz seiner Partei ab. Er hatte zugegeben, illegale Parteispenden in Millionenhöhe angenommen zu haben, weigerte sich aber strikt, die Namen der Spender zu nennen. Dieser Bruch des Parteiengesetzes beschädigte sein Ansehen als „Kanzler der Einheit“ schwer. © IMAGO
Dr. Wolfgang Schäuble (GER CDU Vorsitzender CDU-Bundestagsfraktion) 2000
Wolfgang Schäuble (CDU): Als direkte Folge der CDU-Spendenaffäre trat Wolfgang Schäuble im Februar 2000 als Partei- und Fraktionschef zurück, nachdem er eine verheimlichte 100.000-Mark-Barspende eines Waffenlobbyisten eingeräumt hatte. Anders als für viele andere Politiker bedeutete dieser Rücktritt jedoch keineswegs das Karriereende: Unter Angela Merkel feierte er ab 2005 ein beispielloses Comeback als Bundesinnen- und später als Finanzminister. Von 2017 bis 2021 bekleidete er als Bundestagspräsident schließlich sogar das zweithöchste Amt im Staat. © IMAGO
Der frühere Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU): Er war in die CDU-Schwarzgeldaffäre verwickelt. Ihm wurde Untreue vorgeworfen.
Manfred Kanther (CDU): Der frühere Bundesinnenminister Manfred Kanther legte im Jahr 2000 sein Bundestagsmandat nieder. Er war maßgeblich in die hessische Schwarzgeldaffäre verwickelt und hatte heimlich Parteigelder in Millionenhöhe ins Ausland transferiert. Um die Herkunft zu verschleiern, wurden diese Gelder der Öffentlichkeit fälschlicherweise als „jüdische Vermächtnisse“ präsentiert. Mit der Niederlegung seines Bundestagsmandats am zog er die Konsequenzen und beendete seine politische Karriere vollständig. © Bernd Kammerer
Rudolf Scharping im Jahr 2002 als SPD Bundesverteidigungsminister
Rudolf Scharping (SPD): Streng genommen trat Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping im Sommer 2002 nicht freiwillig zurück, sondern wurde von Bundeskanzler Gerhard Schröder entlassen. Eine Kette von Fehltritten – von peinlichen TV-Auftritten über Pool-Fotos auf Mallorca bis hin zu Flügen mit der Bundeswehr-Flugbereitschaft zwischen Urlaubsort und Kriseneinsatz – kostete den Verteidigungsminister seine Autorität bei der Truppe. Da Scharping den freiwilligen Abgang verweigerte, zog der Kanzler die Reißleine und beendete dessen Amtszeit vorzeitig. © IMAGO
Cem Özdemir MdB Grüne Berlin 12.11.2001 Berlin Deutschland
Cem Özdemir (Grüne): Der Grünen-Politiker Cem Özdemir verzichtete 2002 auf sein Bundestagsmandat und zog sich vorerst aus der Bundespolitik zurück. Er war in die sogenannte Bonusmeilen-Affäre verwickelt, weil er dienstlich gesammelte Flugmeilen privat genutzt hatte. Zudem geriet er wegen eines privaten Kredits massiv in die öffentliche Kritik. © IMAGO
Gregor Gysi gibt 2002 seine letzte Bundespressekonferenz als Senator für Wirtschaft in Berlin PDS
Gregor Gysi (PDS): Auch der damalige Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi stolperte im Jahr 2002 über die Bonusmeilen-Affäre. Er hatte dienstlich erworbene Freiflüge der Lufthansa für private Urlaubsreisen genutzt. Gysi übernahm die politische Verantwortung für diesen Fehler und trat von seinem Amt im Berliner Senat zurück. Das politische Aus erwies sich jedoch als vorübergehend: 2005 kehrte Gysi in den Bundestag zurück und wurde gemeinsam mit Oskar Lafontaine Fraktionschef der neu gegründeten Linkspartei. © IMAGO
Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ist tot: Kurt Biedenkopf aufgenommen am 13.06.2015 in Essen auf dem 37. Landesparteitag der CDU.
Kurt Biedenkopf (CDU): Nach zwölf Jahren als Ministerpräsident von Sachsen trat Kurt Biedenkopf im Frühjahr 2002 vorzeitig zurück. Ihm wurden unter anderem Begünstigungen bei der Anmietung einer landeseigenen Villa sowie unzulässige Rabatte bei privaten Einkäufen vorgeworfen. Diese Vorfälle kratzten stark am Image des bis dahin äußerst beliebten Landesvaters. © Roland Weihrauch/dpa
Jürgen Möllemann im Jahr 2000 anlässlich einer Pressekonferenz in Düsseldorf
Jürgen Möllemann (FDP): Der FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann trat 2003 nach einem Skandal um ein antisemitisches Flugblatt aus der Partei aus. Er hatte die umstrittene Wurfsendung ohne Rücksprache verteilen lassen und teilweise illegal finanziert. Kurz nach der Aufhebung seiner Immunität wegen mutmaßlichen Betrugs kam er bei einem Fallschirmsprung ums Leben. © IMAGO
Nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminsiter wird Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Medienberichten zufolge auch sein Bundestagmandat zurückgeben.
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Der damals enorm beliebte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg trat im März 2011 nach massiver Kritik zurück. Recherchen von Medien und der Netz-Community hatten aufgedeckt, dass er große Teile seiner Doktorarbeit plagiiert hatte. Nach dem Entzug seines Doktortitels durch die Universität Bayreuth und Vorwürfen der Täuschung war er politisch nicht mehr tragbar. © dpa
Christian Wulff: Merkel hatte Niedersachsens CDU-Regierungschef als Bundespräsidenten durchgesetzt. Nur 19 Monate später verlässt Köhlers Nachfolger im Februar 2012 das Schloss Bellevue nach der kürzesten Amtsperiode eines Staatsoberhaupts. Der Grund: Wulffs Kredit- und Medienaffäre. Einen Tag nachdem die Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Immunität Wulffs beantragt, um Ermittlungen führen zu können, tritt er zurück.
Christian Wulff (CDU): Im Februar 2012 trat Christian Wulff als erster Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik zurück. Auslöser waren Vorwürfe der Vorteilsnahme im Zusammenhang mit einem Privatkredit und einer drohenden Medienberichterstattung, die er per Mailbox-Nachricht zu unterdrücken versuchte. Später wurde er vor Gericht von allen Korruptionsvorwürfen freigesprochen. © dpa
Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf hat am Donnerstagvormittag die Verhandlung über eine Klage der früheren Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) gegen den Entzug ihres Doktortitels begonnen.
Annette Schavan (CDU): Die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan trat im Februar 2013 von ihrem Amt zurück. Der Grund war die Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf wegen plagiierter Textstellen in ihrer Dissertation. Für eine Ministerin, die für Bildung und Forschung zuständig war, war dieser Umstand nicht mehr tragbar. © dpa
Sebastian Edathy
Sebastian Edathy (SPD): Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy legte im Februar 2014 völlig überraschend sein Mandat nieder. Wenig später wurde bekannt, dass gegen ihn wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt wurde. Der Skandal erschütterte die deutsche Politik und zog weitere personelle Konsequenzen in der Regierung nach sich. Edathy wurde später zu einer Geldstrafe verurteilt.  © dpa
Landesvertreterversammlung der FDP Thüringen
Thomas Kemmerich (FDP): Der FDP-Politiker Thomas Kemmerich löste 2020 eine schwere Krise aus, als er sich in Thüringen mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ. Dieser Bruch des Tabus, nicht mit der rechtspopulistischen Partei zu kooperieren, führte zu einem bundesweiten Aufschrei. Nach nur drei Tagen im Amt kündigte Kemmerich seinen Rücktritt an. © Bodo Schackow/dpa
Franziska Giffey in ihrem Amt als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 27.11.2020 im Deutschen Bundestag
Franziska Giffey (SPD): Die damalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey trat im Mai 2021 wegen der Vorwürfe rund um ihre Dissertation zurück. Nach jahrelanger Prüfung entzog ihr die Freie Universität Berlin den Doktortitel wegen plagiierter Stellen. Trotz des Rücktritts auf Bundesebene setzte sie ihre politische Karriere fort und wurde noch im selben Jahr zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin gewählt. © IMAGO
CDU-Politiker Nikolas Löbel spricht im Oktober 2019 bei der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages.
Nikolas Löbel (CDU): Im Frühjahr 2021 trat der Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel aus der CDU aus und legte sein Mandat nieder. Es war bekannt geworden, dass seine Firma während der Corona-Pandemie rund 250.000 Euro Provision für die Vermittlung von Schutzmasken kassiert hatte. Die persönliche Bereicherung in einer nationalen Krisenzeit stieß auf massive gesellschaftliche Empörung. © Jörg Carstensen/dpa
Anne Spiegel war von November 2021 bis April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Anne Spiegel (Grüne): Bundesfamilienministerin Anne Spiegel trat im April 2022 nach großem medialem und politischem Druck zurück. Auslöser war die Aufarbeitung der Flutkatastrophe im Ahrtal vom Juli 2021 durch einen Untersuchungsausschuss: Dabei wurde bekannt, dass Spiegel – damals noch rheinland-pfälzische Umweltministerin – rund zehn Tage nach der Katastrophe einen vierwöchigen Familienurlaub in Frankreich angetreten hatte. Eine missglückte Pressekonferenz besiegelte ihr politisches Schicksal. © IMAGO/Christian Ditsch
Christine Lambrecht (Kuratoriumsmitglied der DFB-Stiftung Sepp Herberger), Verleihung der Sepp-Herberger-Awards 2023
Christine Lambrecht (SPD): Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht bat im Januar 2023 um ihre Entlassung. Ihre Amtszeit war geprägt von Kommunikationspannen, Kritik an der Waffenhilfe für die Ukraine und mangelndem Rückhalt in der Truppe. Ein unglücklich formuliertes, privates Silvester-Video auf Instagram brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Uwe Koch
Politiker Jens Spahn im Bundestag
Jens Spahn (CDU): Der Unionsfraktionschef Jens Spahn trat im Juli 2026 nach einer Debatte über seine familiären Entscheidungen zurück. Die umstrittene Inanspruchnahme einer Leihmutter im Ausland geriet in Konflikt mit den strikt ablehnenden Positionen seiner eigenen Partei zu diesem Thema. Der massive parteiinterne und öffentliche Druck zwang ihn schließlich zur Aufgabe seines Spitzenamtes. © IMAGO/Frederic Kern

Arbeiten, wohnen, empfangen

Interessant ist auch, dass Regierungssitz nicht immer dasselbe bedeutet. In manchen Gebäuden wird nur gearbeitet, andere dienen zusätzlich als Wohnsitz des Präsidenten oder Premierministers. Zum politischen Alltag gehören dort nicht nur Regierungsgeschäfte, sondern auch Staatsbesuche, Empfänge und Zeremonien. Ob abgeschirmter Komplex in Peking, repräsentativer Palast in Neu-Delhi oder Regierungsensemble in Kopenhagen, Regierungssitze zeigen, wo Macht organisiert wird und wie sichtbar sie sein soll.

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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