Alexi Leila
WM früher und heute: Vom Messias zum kritiklosen MAGA-Fan
Die WM 2026 hat auch den US-amerikanischen Boden erreicht. Im amerikanischen TV tritt auch eine Legende der WM 1994 auf.
Die WM-Spiele werden in den USA vom Sender Fox übertragen. Das ist der, den Donald Trump gerne einschaltet und auf den er hört. Die Fußball-Übertragungen von Fox unterscheiden sich aber nicht von dem, was wir als Standard kennen. Dazu gehört: Es ist eine ganze Riege an Experten im Einsatz. Wie auf diesem Screenshot.
Da steht die Moderatorin mit (von links nach rechts) Thierry Henry (brachte Frankreich mit einem ungeahndeten Handspiel zur WM 2010), Zlatan Ibrahimovic (Schwede, der sich immer für besser hielt, als er war) und Alexi Lalas. Alexi Lalas! Er ist nicht wiederzuerkennen. 1994 war er der Blickfang des amerikanischen Teams bei der ersten Heim-WM.
WM früher und heute: Vom Messias zum kritiklosen MAGA-Fan
Lalas trug einen markanten Bart und lange Haare, die rötlich schimmerten. Er sah ein bisschen aus wie Jesus – und für den US-Soccer war er tatsächlich der Messias. Er spielte Verteidiger, hielt die Abwehr zusammen, war das Gesicht des Teams. Die Medien liebten ihn. Schon der Name – Alexi (fast wie Alexis, das Biest aus der TV-Serie „Denver-Clan“), Lalas – griechischen Ursprungs, klang nach Musik.
Das war Alexi Lalas auch: Musiker. Barfuß, in Jeans, über die Gitarre gebeugt, das Haar hing herab auf die Saiten. Er nahm Platten auf. Die Leute mögen es, wenn einer viele Facetten hat und diese weit voneinander entfernt sind. Profisportler – und Künstler. Dadurch wurde Alexi Lalas zur Marke, man vergaß ihn über nun schon mehr als drei Jahrzehnte nicht.
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Als Fußballer war er solide. Für ein kurzes Engagement in Europa reichte es nach der WM 1994, die ihn populär gemacht hatte: Lalas spielte ein Jahr für Padua in der Serie A. Den Großteil der Karriere verbrachte er in Amerika. Die Amerikaner von 1994 waren eine wunderbar schräge Truppe. Das Land kannte sich im Fußball nullkommanull aus, erwartete aber den Weltmeistertitel – auf den es realistisch keine Chance gab.
Als Trainer holte man sich den jugoslawischen Weltenbummler Bora Milutinovic, der sich immer pünktlich zu einer WM-Endrunde eine Nationalmannschaft aussuchte und so zum Weltrekordler (coachte fünf WM-Teams) wurde. Er wusste, was man den Leuten erzählen musste, damit sie einem glaubten – hinterher aber nicht böse waren, wenn nichts von den Ankündigungen eingetreten war.
Mich faszinierte am amerikanischen Team am meisten aber ein Deutscher: Thomas Dooley. Ihn kannte ich, bevor je ein amerikanischer Fußballfan von ihm gehört hatte. Die Geschichte dazu: Dooley, Sohn einer Deutschen und eines US-Soldaten, war im Südwesten Deutschlands aufgewachsen. Er spielte in Pirmasens und Bad Homburg, danach beim 1. FC Kaiserslautern, zunächst aber nur in der zweiten Mannschaft.
Ich war zu dieser Zeit Anfang der 80er-Jahre Student mit einem Job bei einer Sportzeitung, für die ich am Sonntag immer Berichte vom Amateurfußball redigierte. Thomas Dooley fiel auf, weil man an Tom Dooley dachte, an das Lied „Hang down your head, Tom Dooley“. Als Überschrift habe ich gerne gemacht: „Tom Dooley lässt den Kopf nicht hängen“ – wenn es inhaltlich irgendwie passte.
Als ich als Reporter zur WM 1994 (alle Entwicklungen zur WM 2026 im News-Ticker) fuhr, brachte ich Tom Dooley Sportzeitungen aus dem Südwesten mit, überreichte sie ihm im US-Trainingslager in Kalifornien. Er freute sich sehr. Vor einigen Jahren führte ich mal ein Interview mit ihm – da war er Nationaltrainer auf den Philippinen. Inzwischen ist er Bundestrainer von Bangladesch, ich wünsche ihm, dass er es mal zu einer WM schafft.
Alexi Lalas ist bei der WM, bei dieser, als Experte. Aber die Aura seiner Spielerzeit ist weg. Aus ihm ist ein Trump-Parteigänger und kritikloser MAGA-Fan geworden. Und ein fader Experte.
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