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Die große FCB-Sehnsucht

Thomas Müller nicht als Bayern-Boss geeignet? Warum sich Kahn irrt

Beim FC Bayern und großen Teilen seiner Anhängerschaft hofft man auf eine Rückkehr von Thomas Müller in einer Führungsposition. Ex-CEO Oliver Kahn hält dies für eine falsche Wahl. Ein Kommentar.

Vereinslegende Thomas Müller musste im letzten Sommer den FC Bayern verlassen und wird noch mindestens bis Ende 2026 für den kanadischen MLS-Klub Vancouver Whitecaps auflaufen. Bei seinem Herzensverein in München hofft man auf seine Rückkehr. Viele Optionen erscheinen möglich, die meisten Spekulationen gehen aber in die Richtung Präsidentenamt, mit dem ihn sogar der aktuelle Amtsträger Herbert Hainer in Verbindung gebracht hat, oder auch Vorstandsvorsitzender.

Thomas Müller beim FC Bayern immer „mittendrin“: Hier auf der Ehrentribüne zwischen Rummenigge und Eberl.

Auf dieser Position sammelte Oliver Kahn beim Rekordmeister Erfahrungen. Von 2020 bis 2023 war der ehemalige Weltklassetorhüter selbst im Vorstand des Vereins aktiv, ab Juli 2021 sogar als CEO. Kurz vor dem Saisonende 2022/23 wurde er auf spektakuläre Weise vorzeitig aus seinem Amt entlassen. Nun äußert ausgerechnet er große Bedenken, was ein baldiges Engagement von Müller an der Säbener Straße angeht.

Kahn hält Müller (noch) nicht geeignet für eine Funktion beim FCB

Im SZ-Interview warnt er seinen Ex-Klub: „Selbst wenn du Weltmeister bist und alles gewonnen hast: Als Verantwortlicher eines Klubs brauchst du andere Fähigkeiten. Die sind heute komplexer denn je. Ich bin der Meinung, ohne Erfahrung und Weiterbildung geht es nicht.“ Der 56-Jährige weiter: „Ein Verein muss heute selbst Programme und Ideen entwickeln: Was ist der richtige Weg für jemanden in so einer Rolle? Wie wird er wann in welchem Bereich eingebunden? Zu glauben, man holt irgendwann einen ehemaligen Spieler, wegen seiner Vergangenheit: Das greift zu kurz.“

Beim Champions-League-Sieger von 2001 dauerte es über elf Jahre, bis er nach seinem Karriereende als Aktiver (2008) einen verantwortungsvollen Posten beim FC Bayern angeboten bekam und diesen übernommen hatte. Schon zu Beginn seiner Profikarriere, noch beim Karlsruher SC, hatte er ein Fernstudium in Wirtschaftswissenschaften begonnen, welches er nach dem Grundstudium abbrach. Von 2009 bis 2011 belegte er den Studiengang General Management mit dem Nebenfach Sportmanagement und schloss diesen mit dem MBA ab.

Auf den Spuren von Pele und Beckenbauer – Thomas Müller wagt USA-Abenteuer

Wechselt Thomas Müller zum Los Angeles FC in die MLS?
Thomas Müller wechselt wohl in die USA und kann sich zwischen zwei Teams entscheiden: Entweder geht er zum LAFC oder zum FC Cincinnati. In den USA waren vor der Bayern-Ikone schon zahlreiche Spieler, die auch heute noch weltbekannt sind. © IMAGO/Heuler Andrey
Beckenbauer in New York.
Im Jahr 1977 wagte Franz Beckenbauer den Sprung in die USA. Damals spielte New York Cosmos in der North American Soccer League (NASL). Zusammen mit einer anderen Fußball-Legende wurde er dreifacher Meister und hinterher sogar in die National Soccer Hall of Fame aufgenommen. © IMAGO/SVEN SIMON
Pele in New York.
Einer von Beckenbauers Teamkollegen war kein Geringerer als Pele, der heute von vielen noch als der beste Fußballer aller Zeiten angesehen wird. Doch wie konnte der Coup gelingen? Das hatte vor allem mit seinem Vertrag zu tun. Denn auch nach seiner aktiven Zeit verdiente der Brasilianer durch einen auf 14 Jahre datierten PR-Vertrag.  © imago stock&people
Gerd Müller posiert mit einem Wimpel.
„Ich habe früher schon gesagt, dass ich nie in die USA gehen werde – und daran hat sich auch nichts geändert“, sagte Gerd Müller kurz vor seinem Wechsel über den großen Teich. Im März 1979 unterzeichnete er einen Vertrag bei den Fort Lauderdale Strikers. Auch hier soll das Geld den Bomber der Nation am Ende überzeugt haben. Noch heute ist Müller in der Region in bester Erinnerung geblieben. © imago sportfotodienst
Johann Cruyff im Training in den USA.
Der wohl größte niederländische Fußballer aller Zeiten folgte Ende der Siebziger auch dem Ruf des Geldes und wechselte erst zu den Los Angeles Aztecs und später zu den Washington Diplomats. In L.A. wurde avancierte er sogar zum Spieler des Jahres. Anschließend ließ er seine Karriere in Europa ausklingen. © imago sportfotodienst
Walter Zenga im Tor in New England.
Der dreimalige Welttorhüter Walter Zenga verließ Italien während seiner gesamten Karriere nie, bis er 1997 zu New England Revolution wechselte. Dort wurde es relativ ruhig um ihn und er ließ seine Karriere eher locker ausklingen.  © IMAGO
Lothar Matthäus In New York.
Den New York Metro Stars (heute New York Red Bulls) gelang im Jahr 2000 mit der Verpflichtung von Lothar Matthäus ein echter Coup. Sportlich war der Deutsche zwar nicht mehr auf dem aller höchsten Niveau, doch vor allem die Vorstellung, in dem der Europameister und Weltmeister sein Sprachtalent zur Schau stellte, bleiben bis heute in Erinnerung. © imago sportfotodienst
David Beckham wird in L.A. vorgestellt.
In den Medien wurde die MLS erst durch den Wechsel des wohl populärsten Fußball-Star der Welt wirklich relevant. Sechs Jahre lang schnürte David Beckham seine Fußball-Schuhe für L.A. Galaxy und war vor allem für einen Trend verantwortlich, den es in den Folge-Jahren öfter gegeben hatte. Da die Major League Soccer im Winter bis in den März pausierte, ließ sich der Engländer mehrmals für wenige Monate zum AC Mailand ausleihen. 2011 feierte in den USA dann sogar die Meisterschaft. © IMAGO/Andy Johnstone, pacificcoastnews / Avalon
Thierry Henry in New York.
Seit der Übernahme von Red Bull ist er der wohl größte Star, der bis heute bei den New York Red Bulls gespielt hat: Thierry Henry. Die französische Legende spielte von 2010 bis 2014 in der Metropole an der Ostküste und steuerte in 135 Pflichtspielen überragende 93 Scorerpunkte bei. Zwischendurch lief er noch einmal kurzzeitig für den FC Arsenal auf. © imago sportfotodienst
Thorsten Frings und Frank Rost in den USA.
Zwei Urgesteine von Werder Bremen wollten auch unbedingt nach Nordamerika. Frank Rost war von 2011 bis 2012 Teamkollege von Thierry Henry in New York, während Frings zwar nicht in die USA wechselte, mit Toronto allerdings trotzdem in der MLS spielte.  © imago sportfotodienst
Steven Gerrard in L.A.
Nach seinem tränenreichen Abschied beim FC Liverpool wollte Vereinsikone Steven Gerrard bei L.A. Galaxy zum Erfolg führen. Nach 18 Monaten beendete er seine aktive Laufbahn, ohne für große Furore zu sorgen und startete kurz danach seine Trainerkarriere auf der Insel. © IMAGO/Gary A. Vasquez
Andrea Pirlo in New York.
Andrea Pirlo war ein wahrer Maestro auf dem Fußballfeld, führte vor allem den AC Mailand und Juventus Turin zu zahlreichen Titeln, begann dann aber 2015 nochmal ein neues Abenteuer beim neu gegründeten Team New York City FC. Er war damit Teil eines wahren Star-Teams. © imago sportfotodienst
David Villa in New York.
Denn auch David Villa unterschrieb im selben Jahr in New York. Der spanische Weltklassenstürmer hatte zuvor aber nicht mal mehr in Europa gespielt, sondern lief in Australien für Melbourne City auf. In den USA zeigte er seinen Torriecher mit 80 Toren in 124 Spielen. Danach vollendete der Spanier seine Weltreise und wechselte nach Japan zu Vissel Kobe. © JOEL MARKLUND
Frank Lampard in New York.
Vor allem Chelsea-Fans wird die Zeit von Frank Lampard in den USA böse aufstoßen. Denn schon 2014 unterschrieb der Engländer beim New York City FC, obwohl die noch nicht mal den Spielbetrieb aufgenommen hatten. Also wechselte er zum anderen Klub der Eigentümergesellschaft – zu Manchester City. Viele Fans nehmen ihm den Wechsel bis heute übel. 2016 beendete er dann im Trikot der Amerikaner seine Laufbahn. © imago sportfotodienst
Kaka in Orlando.
Auch der ehemalige Weltfußballer Kaka hatte seine besten Zeiten schon hinter sich, als er sich dem Projekt Orlando City anschloss. Zwar konnte er 24 Pflichtspieltreffer in 75 Spielen erzielen, richtig erfolgreich war das Team allerdings nichtl. © Gerardo Mora
Schweinsteiger bei Chicago Fire.
Natürlich darf auch Bastian Schweinsteiger in dieser Liste nicht fehlen. Der Deutsche zeigte auch bei Chicago Fire seine Führungsqualitäten. Schweinsteiger wurde sogar teilweise in der Innenverteidigung eingesetzt, konnte sein Team allerdings nur in seiner Debüt-Saison in die Playoffs bringen.  © IMAGO/Aaron Doster
Zlatan Ibrahimovic im Trikot von L.A.
Zlatan Ibrahimović ist einer der wenigen Spieler, die eigentlich noch viel zu gut waren, um in die USA zu gehen. Trotzdem unterschrieb der Schwede 2018 bei L.A. Galaxy und hob die eher durchwachsenen Kalifornier auf ein anderes Level. In 58 Pflichtspielen erzielte er 53 Tore, konnte sich aber nicht mit einem Titel belohnen. Nach seiner Zeit in den USA zeigte er auch beim AC Mailand weiter starke Leistungen. © IMAGO/JAVIER ROJAS
Wayne Rooney bei DC United.
Wayne Rooney wechselte 2018 nach einer erfolgreichen Zeit auf der Insel zu D.C. United. Fans wird immer seine spektakuläre Vorlage nach einer Hammer-Grätsche gegen Orlando City im Kopf bleiben. United gewann in der 96. Minute mit 3:2. In den Playoffs war allerdings bereits in der ersten Runde gegen Columbus Crew im Elfmeterschießen Schluss. Rooney verschoss dabei seinen Elfer. © Olivier Douliery
Hany Mukhtar in Nashville.
Ex-Herthaner Hany Mukhtar würden eigentlich die Wenigsten hier erwarten. Doch der ehemalige U21-Nationalspieler wurde in der Saison 21/22 nicht nur bester Torschütze, sondern auch zum besten Spieler der Liga gewählt. In Nashville gehört der 30-Jährige bis heute zu den absoluten Leistungsträgern. © Kevin Langley via www.imago-images.de
Higuain bei Inter Miami.
Bevor Inter Miami zum spannendsten Projekt der MLS wurde, war bereits ein Welt-Star dort. Zwischen 2020 und 2022 spielte Ex-Real-Star Gonzalo Higuain für den Klub. In 68 Spielen erzielte er 29 Tore. © IMAGO/Rich Graessle/Icon Sportswire
Xherdan Shaqiri bei Chicago Fire.
Xherdan Shaqiri schwankte in seiner Karriere immer wieder zwischen Weltklasse und Kreisklasse. Vor allem beim FC Liverpool und bei großen Turnieren mit der Schweiz sorgte er für Furore. Nach 2 Jahren bei Chicago Fire ist er mittlerweile wieder zurück beim FC Basel. © IMAGO/Rich Graessle/Icon Sportswire
Roman Bürki bei Saint Louis City.
Bereits seit 2023 spielt Roman Bürki in den USA. Der Ex-Dortmund-Star ist Stammtorhüter bei St. Louis City und gehört seitdem zu den besten Keepern der Liga. © IMAGO/BILL GREENBLATT
Lionel Messi bei Inter Miami.
Neben Pele und Beckenbauer ist Messi der wohl größte Spieler, der je in die USA gewechselt ist. David Beckham hat mit seinem Projekt Inter Miami viel vor und verpflichtete ihn nicht nur, weil er immer noch überragend ist (38 Tore in 44 Spielen), sondern auch, weil er einige seiner Weggefährten nach Florida lockte. © IMAGO/Eduardo Carmim, Eduardo Carmim / SPP
Luis Suarez bei Inter Miami.
Zu den Bekanntesten gehört ganz sicher Luis Suarez. Der ehemalige Weltklasse-Stürmer, der allerdings immer wieder mit wilden Aktionen für viel Kritik sorgte, ist neben Messi der Offensiv-Star der Mannschaft auch er glänzt mit 22 Toren in 35 Pflichtspielen, seit er 2024 nach Miami gewechselt ist. © IMAGO/Kevin Schultz
Sergio Busquets bei Inter Miami.
Und dann ist da natürlich noch Sergio Busquets, das ehemalige heimliche Hirn vom FC Barcelona. Auf ihn ist immer Verlass, seine Passsicherheit ist immer noch herausragend und gemeinsam mit Messi, Suarez und Co. sorgt er dafür, dass Inter Miami ein ganz klarer Titelanwärter in dieser Saison ist. © IMAGO/Jose Breton
Jordi Alba bei Inter Miami.
Vierter und Letzter der ehemaligen Barça-Stars, die mittlerweile das Trikot von Inter Miami tragen, ist Jordi Alba. Der Linksverteidiger wechselte im Sommer 2023 ablösefrei vom FC Barcelona nach Miami, wo er Messi wie zu besten Zeiten die Tore auflegt. © IMAGO/Rich Graessle/Icon Sportswire
Hugo Lloris beim LAFC.
Zu diesen Anwärtern zählt auch der LAFC und das liegt auch am starken Rückhalt. Hugo Lloris, Weltmeister-Keeper von 2018, verließ Tottenham im Januar 2024 nach über 11 Jahren und lässt seine Karriere ruhig aber ambitioniert in Kalifornien ausklingen. © IMAGO/Matt Krohn
Olivier Giroud beim LAFC.
Auch bei einem ehemaligen Weltmeister dachte man, dass er in den USA seine letzten Schritte im Profi-Fußball geht. Doch nach einem Jahr beim LAFC verlässt Giroud Lloris und Co. und kehrt nach Frankreich zurück. Beim OSC Lille will er noch mal in Europa zeigen, was er draufhat. © IMAGO/Graham Hughes
Marco Reus bei L.A. Galaxy.
Und dann ist da natürlich noch Marco Reus. Die Ikone von Borussia Dortmund entschied sich 2024 zu einem Wechsel in die USA. Bei L.A. Galaxy läuft es für ihn persönlich sehr wechselhaft, doch in der letzten Saison feierte er mit dem Team den ersten Meistertitel seiner Karriere. © IMAGO/Ariana Ruiz

2016 gründete Kahn das Unternehmen Goalplay, dessen Ziel es ist, Torhüter online zu schulen. Als TV-Experte wurde er immer wieder kritisiert, weil er unter anderem „kein Analyse-Feuer entfache“. Und genau das war auch Kahns großes Problem als Funktionär des FC Bayern: Seine kühle Art nimmt die Menschen nicht mit. Während seiner CEO-Zeit an der Säbener Straße beklagten sich die Angestellten, dass unter ihm und seinen zahlreich eingesetzten Consultants eine „Eiszeit“ herrschen würde.

Die Art und Weise der Entlassung von Cheftrainer Julian Nagelsmann im März 2023 bestätigte diesen Eindruck. Bei FCB-Patron Uli Hoeneß klingelten ab diesem Zeitpunkt nur noch die Alarmglocken. Dabei hätten die Bayern-Granden Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf der Suche nach ihren Nachfolgern den Charakter Kahns aus seiner Aktivenzeit in München (1994-2008) bestens kennen müssen. Er wurde für seine herausragenden Leistungen respektiert und verehrt, geliebt wie später beispielsweise Thomas Müller wurde er jedoch nie.

Im Gegensatz zu Oliver Kahn ist der 36-Jährige ein „Menschenfänger“. Überall, wo er auftaucht, fliegen ihm die Sympathien zu. Er ist dabei aber auch stets reflektiert und agiert intelligent – wie er es auch als Spieler auf dem Platz tut. Trotz seiner schelmischen Art gelingt es Müller hervorragend, Dinge zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. In seiner Leichtigkeit ein Naturtalent. Während die Bayern-Fans die Ernennung von Kahn zum CEO schlichtweg zur Kenntnis genommen haben, würden sie eine solche von Müller feiern.

Thomas Müller ist der absolute Gegenpol zu Oliver Kahn

Mit dem ehemaligen Adidas-Topmanager Herbert Hainer (Präsident) und dem Banker Jan-Christian Dreesen (CEO) fährt der FC Bayern mit seinen Führungskräften derzeit ganz gut. Dennoch ist die Sehnsucht nach einer wirklichen Klubikone auf diesen Positionen, wie sie Hoeneß und Rummenigge darstellen und Franz Beckenbauer perfekt verkörperte, beim Verein und den Anhängern riesengroß.

Dass Müller dabei ohne entsprechende Vorbereitung beim FC Bayern ins kalte Wasser geworfen wird, ist ohnehin ausgeschlossen: Uli Hoeneß würde ihn gerne „bei großen Konzernen und Top-Klubs“ hospitieren sehen und die FCB-Ikone selbst meinte erst Anfang Februar, er wolle „nach meiner Spielerlaufbahn den Ausbildungsweg ganz bewusst wahrnehmen – statt nebenbei hektisch ein Zertifikat einzustecken“. Oliver Kahn war die falsche Wahl des FC Bayern, bei Thomas Müller kann man sich ein derartiges Scheitern kaum vorstellen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eduard Martin

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