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Die große FCB-Sehnsucht
Thomas Müller nicht als Bayern-Boss geeignet? Warum sich Kahn irrt
Beim FC Bayern und großen Teilen seiner Anhängerschaft hofft man auf eine Rückkehr von Thomas Müller in einer Führungsposition. Ex-CEO Oliver Kahn hält dies für eine falsche Wahl. Ein Kommentar.
Vereinslegende Thomas Müller musste im letzten Sommer den FC Bayern verlassen und wird noch mindestens bis Ende 2026 für den kanadischen MLS-Klub Vancouver Whitecaps auflaufen. Bei seinem Herzensverein in München hofft man auf seine Rückkehr. Viele Optionen erscheinen möglich, die meisten Spekulationen gehen aber in die Richtung Präsidentenamt, mit dem ihn sogar der aktuelle Amtsträger Herbert Hainer in Verbindung gebracht hat, oder auch Vorstandsvorsitzender.
Kahn hält Müller (noch) nicht geeignet für eine Funktion beim FCB
Im SZ-Interview warnt er seinen Ex-Klub: „Selbst wenn du Weltmeister bist und alles gewonnen hast: Als Verantwortlicher eines Klubs brauchst du andere Fähigkeiten. Die sind heute komplexer denn je. Ich bin der Meinung, ohne Erfahrung und Weiterbildung geht es nicht.“ Der 56-Jährige weiter: „Ein Verein muss heute selbst Programme und Ideen entwickeln: Was ist der richtige Weg für jemanden in so einer Rolle? Wie wird er wann in welchem Bereich eingebunden? Zu glauben, man holt irgendwann einen ehemaligen Spieler, wegen seiner Vergangenheit: Das greift zu kurz.“
Beim Champions-League-Sieger von 2001 dauerte es über elf Jahre, bis er nach seinem Karriereende als Aktiver (2008) einen verantwortungsvollen Posten beim FC Bayern angeboten bekam und diesen übernommen hatte. Schon zu Beginn seiner Profikarriere, noch beim Karlsruher SC, hatte er ein Fernstudium in Wirtschaftswissenschaften begonnen, welches er nach dem Grundstudium abbrach. Von 2009 bis 2011 belegte er den Studiengang General Management mit dem Nebenfach Sportmanagement und schloss diesen mit dem MBA ab.
Auf den Spuren von Pele und Beckenbauer – Thomas Müller wagt USA-Abenteuer
2016 gründete Kahn das Unternehmen Goalplay, dessen Ziel es ist, Torhüter online zu schulen. Als TV-Experte wurde er immer wieder kritisiert, weil er unter anderem „kein Analyse-Feuer entfache“. Und genau das war auch Kahns großes Problem als Funktionär des FC Bayern: Seine kühle Art nimmt die Menschen nicht mit. Während seiner CEO-Zeit an der Säbener Straße beklagten sich die Angestellten, dass unter ihm und seinen zahlreich eingesetzten Consultants eine „Eiszeit“ herrschen würde.
Die Art und Weise der Entlassung von Cheftrainer Julian Nagelsmann im März 2023 bestätigte diesen Eindruck. Bei FCB-Patron Uli Hoeneß klingelten ab diesem Zeitpunkt nur noch die Alarmglocken. Dabei hätten die Bayern-Granden Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf der Suche nach ihren Nachfolgern den Charakter Kahns aus seiner Aktivenzeit in München (1994-2008) bestens kennen müssen. Er wurde für seine herausragenden Leistungen respektiert und verehrt, geliebt wie später beispielsweise Thomas Müller wurde er jedoch nie.
Im Gegensatz zu Oliver Kahn ist der 36-Jährige ein „Menschenfänger“. Überall, wo er auftaucht, fliegen ihm die Sympathien zu. Er ist dabei aber auch stets reflektiert und agiert intelligent – wie er es auch als Spieler auf dem Platz tut. Trotz seiner schelmischen Art gelingt es Müller hervorragend, Dinge zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. In seiner Leichtigkeit ein Naturtalent. Während die Bayern-Fans die Ernennung von Kahn zum CEO schlichtweg zur Kenntnis genommen haben, würden sie eine solche von Müller feiern.
Thomas Müller ist der absolute Gegenpol zu Oliver Kahn
Mit dem ehemaligen Adidas-Topmanager Herbert Hainer (Präsident) und dem Banker Jan-Christian Dreesen (CEO) fährt der FC Bayern mit seinen Führungskräften derzeit ganz gut. Dennoch ist die Sehnsucht nach einer wirklichen Klubikone auf diesen Positionen, wie sie Hoeneß und Rummenigge darstellen und Franz Beckenbauer perfekt verkörperte, beim Verein und den Anhängern riesengroß.
Dass Müller dabei ohne entsprechende Vorbereitung beim FC Bayern ins kalte Wasser geworfen wird, ist ohnehin ausgeschlossen: Uli Hoeneß würde ihn gerne „bei großen Konzernen und Top-Klubs“ hospitieren sehen und die FCB-Ikone selbst meinte erst Anfang Februar, er wolle „nach meiner Spielerlaufbahn den Ausbildungsweg ganz bewusst wahrnehmen – statt nebenbei hektisch ein Zertifikat einzustecken“. Oliver Kahn war die falsche Wahl des FC Bayern, bei Thomas Müller kann man sich ein derartiges Scheitern kaum vorstellen.