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FC Bayern nach Mainz

Zu viele Gegentore nach Standards – Das ist ab jetzt Bayerns wichtigster Mitarbeiter

Die Statistik ist alarmierend: Sieben von elf Bayern-Gegentoren fielen bisher nach ruhenden Bällen. Gegen stärkere Teams kann das härter bestraft werden.

München – Es war fast erstaunlich, wie tiefenentspannt Vincent Kompany da stand. „Es ist, was es ist“, sagte der Trainer des FC Bayern am Sonntag, als er nach dem enttäuschenden 2:2 (1:1) gegen Mainz 05 auf die Schwächen seines Teams angesprochen wurde – und wirkte regelrecht erleichtert, dass er diese so klar benennen konnte.

Schon wieder! Das Mainzer Standard-Tor.

Für den Coach ist „alles ganz klar: Wir müssen uns bei den Standards verbessern!“ So gut, so richtig. Und trotzdem ist die Sache komplizierter, als sie klingt. Und zwar deutlich. Das weiß Kompany – und das weiß auch Aaron Danks.

Aaron Danks muss sich etwas einfallen lassen

Der 42-Jährige ist der Standard-Experte unter Kompanys Co-Trainern, also all den Männern, die in der vergangenen Woche mit neuen Verträgen ausgestattet worden sind. Er ist ein Fachmann, studiert den Fußball in ganz Europa. All die Ideen, die zum FC Bayern passen, lässt er nach dem Abschlusstraining vor einem Spiel einfließen.

Offensiv klappt das gar nicht schlecht, die Verteidigung nach ruhenden Bällen jedoch gibt inzwischen wirklich Anlass zur Sorge. Beim 2:2 gegen Mainz fiel das 1:1 nach einem Freistoß – und schraubte den Negativ-Wert der Bayern auf ein alarmierendes Niveau: Sieben von elf Gegentreffern hat Kompanys Team in der Liga nach Standard-Situationen kassiert. Das sind knapp 64 Prozent – und Höchstwert in der Liga.

Nur Karl in Topform reicht nicht: Bayern-Einzelkritik gegen Mainz

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Die auffälligste Aktion des Torhüters war ein Einwurf, den Neuer nach einer knappen Viertelstunde Spielzeit ausführte. Ansonsten hatte der 39-Jährige eher weniger zu tun und war bei den Gegentreffern ohne Chance. Note: 3 © IMAGO/Jerry Andre
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Diesmal durfte der kroatische Nationalspieler als Rechtsverteidiger ran. Konrad Laimer bekam nämlich eine Verschnaufpause. Offensiv mit wenig Akzenten, in der Rückwärtsbewegung eigentlich diszipliniert. Allerdings war er beim zweiter Mainzer Treffer komplett orientierungslos, verschätzte sich bei einem langen Ball und ließ Torschütze Jae-Sung Lee in seinem Rücken entwischen. Note: 5 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
02.08.2025, Fussball Testspiel,  FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Gewohnt engagierter Auftritt des Südkoreaners. Sein Stellungsspiel ist allerdings nach wie vor ausbaufähig, beim Kopfball zum 1:1 von Kacper Potulski war Kim jedoch zu weit vom Torschützen entfernt. Note: 4 © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Zwar strahlt der Japaner noch nicht die nötige Sicherheit aus, doch sein Startelf-Comeback nach Monaten der Leidenszeit überstrahlte gegen Mainz alles. Seinen Job erledigte er ordentlich. Note: 3 © DeFodi/Imago
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Der Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft durfte mal wieder als Linksverteidiger Spielerfahrung sammeln. Allerdings interpretierte er diese Rolle gegen Mainz nicht so offensiv, wie man es in den vergangenen Spielen gewohnt war. Note: 4 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: Diesmal schaffte es der Mittelfeldchef nicht, dem Bayern-Spiel mit klugen Pässen und präzisen Chip-Bällen seinen Stempel aufzudrücken. Dauerbrenner Kimmich ist langsam anzumerken, dass ihn die bisherige Saison Körner gekostet hat – auch wenn er das selbst wohl nie zugeben würde. Note: 4 © IMAGO/Noah Wedel
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Gegen Mainz durfte sich der Mittelfeldspieler mal wieder für höhere Aufgaben empfehlen – mit mäßigem Erfolg. Beim Gegentor stimmten Absprache und Zuordnung mit Nebenmann Kim überhaupt nicht. Ansonsten trabte Goretzka uninspiriert im Zentrum umher. Note: 5 © IMAGO/Noah Wedel
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise: Das 1:0 von Lennart Karl leitete der Franzose mit einem sehenswerten Dribbling an der Außenlinie ein, bei dem er seinen Mainzer Gegenspieler auch noch tunnelte. Ansonsten blieb Olise eher blass und schaffte es nicht, die erhofften Akzente im bayerischen Offensivspiel zu setzen. Note: 4 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl: Auch wenn sein Treffer zur 1:0-Führung weniger spektakulär war als seine bisherigen Tore, war die Aktion nicht weniger anspruchsvoll. Denn: Karl war bei besagtem Angriff hellwach und positionierte sich geschickt im Strafraum. Das Juwel macht mit seinem 17 Jahren weiter den Unterschied. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Ursprünglich sah es so aus, als würde die Überflieger-Form von Karl vor allem Gnabry schwächen. Denn der Offensivstar darf aktuell nicht mehr auf der Zehner-Position ran, sondern muss auf den Flügel weichen. Macht ihm aber augenscheinlich nichts: Der Routinier arbeitete gegen Mainz fleißig mit nach hinten und glänzte als Vorbereiter zum 1:0. Gnabry hätte noch mehrere Scorer-Punkte sammeln können, doch in den entscheidenden Aktionen war er zu unkonzentriert. Note: 3 © IMAGO/Markus Ulmer
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Die Torabschlüsse des Engländers kamen nicht so präzise wie sonst. Sinnbildlich war sein Kopfball in der 20. Minute, als er aus drei Metern Entfernung lediglich den Mainzer Torhüter Daniel Batz anköpfte. Das ist für die Ansprüche von Kane zu wenig. Beim Elfmeter eiskalt. Note: 4 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlović: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Einwechslung in der 73. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Ulrich Wagner
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Fischer
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Nicht im Kader. © IMAGO/Noah Wedel
Franz Beckenbauer Supercup 2025 Supercup VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen 1 : 2 am 16.08.2025 in Stuttgart
Sacha Boey: Nicht im Kader. © IMAGO/Laci Perenyi
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala: Nicht im Kader. © IMAGO/David Klein
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Nicht im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic

„Ärgerlich“ nannte Max Eberl die Situation gegen den Tabellenletzten – und stellte nicht nur die haarsträubende Zuordnung beim Freistoß, sondern schon die Entstehung infrage. „Muss man das Foul machen?“ Gegen Mainz konnte man immerhin noch eine Niederlage abwenden, aber „in Spielen, die noch kommen, die Entscheidungen haben werden, müssen wir gewappnet sein“, sagte der Sportvorstand.

Zwar ist die Partie gegen Arsenal schon drei Wochen her, aber jedem ist bewusst, dass Kaliber wie der Premier-League-Tabellenführer in der Crunchtime die Gradmesser sind. Auch im Emirates Stadium fiel ein Treffer nach Standard, „genau wie in Berlin und in Köln“, wie Joshua Kimmich treffend feststellte.

Die Liste ist inzwischen lang – und während Kompany vor zwei Wochen noch rätselte, ob der Fehler im System oder im Einzelfall liege, ist die Tendenz inzwischen eindeutig. „Das müssen wir besser wegverteidigen“, sagte Kimmich, der beim 1:1 durch Kacper Potulski selbst nicht gut stand. Für 2026 forderte der Vize-Kapitän: „Wir müssen auch weniger zulassen: Freistöße, Ecken, Einwürfe. Das müssen wir in Zukunft besser machen.“ Denn wenn Europa die Schwäche der Bayern kennt, wollen die Topteams sie auch nutzen.

Ärgerlich ist die Sache vor allem, weil die Bayern durch Standards oft in Rückstand geraten. In den letzten acht Spielen mussten sie sechsmal den Ball zunächst aus dem eigenen Netz holen. Auch das ist so eine Entwicklung, die niemand gerne sieht. Der Endspurt des Jahres kostet richtig Kraft – und geht noch sieben Tage weiter, ehe am Sonntag in Heidenheim der Abschluss besser gelingen soll als das letzte Heimspiel.

Die Trainingswoche ist lang, zum Glück! Denn Danks wird gefordert sein. Auch wenn Kompany sagte: „Wir müssen uns da verbessern! Aber wird haben Zeit, das zu tun“ – es muss etwas passieren. Sonst wird auch der „Mr. Cool“ irgendwann unentspannt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/JOERAN STEINSIEK

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