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Mit „Turban-Dieter“

Erinnerung an dramatisches Bayern-Comeback im DFB-Pokalfinale

Nach sechs Jahren Wartezeit steht der FC Bayern in dieser Saison wieder im Pokalfinale. Es gab jedoch schon wesentlich längere Durststrecken in der Vereinsgeschichte. Hier eine mit Happy End.

Am 1. Mai 1982 traf der FC Bayern im Endspiel um den DFB-Vereinspokal auf den 1. FC Nürnberg. Es war die sechste DFB-Pokal-Finalteilnahme des Rekord-Pokalsiegers (schon damals) und es wurde der sechste Sieg – auf den man eine gefühlte Ewigkeit warten musste. Elf Jahre nach dem auf dramatische Weise gewonnenen Endspiel gegen den 1. FC Köln (2:1 n. V.) mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller & Co. war es endlich wieder so weit. Es sollte nicht minder aufregend werden.

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Vor 61 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion krachte FCB-Mittelstürmer Dieter Hoeneß, der um ein Jahr jüngere Bruder des Ehrenpräsidenten Uli, bereits in der 13. Minute mit seinem Gegenspieler Alois Reinhardt zusammen und erlitt eine böse Platzwunde an der Stirn. Er spielte zunächst mit einem Kopfverband, der einem Turban ähnelte, weiter und musste in der Halbzeit in der Kabine genäht werden.

FC Bayern holte Zwei-Tore-Rückstand zur Halbzeit auf

Der Turban-Dieter sollte zum Sinnbild für den unbändigen Siegeswillen des FCB an jenem Samstagnachmittag werden und das Bild von ihm mit dem blutüberströmten Turban ist fest mit jener, vielleicht sogar der gesamten erfolgreichen Pokalgeschichte des FC Bayern verbunden.

Zur Pause lag nicht der große Favorit aus München, sondern der Außenseiter aus Nürnberg durch die Tore von Reinhold Hintermaier und Werner Dreßel mit 2:0 in Führung – und dies keineswegs unverdient. Doch in der zweiten Hälfte setzte der FC Bayern zu einer legendären Aufholjagd an. In der 54. Minute erzielte Karl-Heinz Rummenigge den Anschlusstreffer, zehn Minuten später glich Wolfgang Kraus zum 2:2 aus.

Bayern-Duo überragt bei verrücktem Torspektakel gegen PSG und holt sich Note 1

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: So viele Gegentreffer musste der 40-jährige Torhüter noch nie in einem Königsklassen-K.o.-Spiel hinnehmen. An diesem Abend in Paris hielt er die unhaltbaren Schüsse nicht, aber wirkliche Vorwürfe kann man Neuer bei den zahlreichen Gegentoren nicht machen. Note: 4 © IMAGO/Jerry Andre
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Auf die Allzweckwaffe war in der bisherigen Saison stets Verlass, doch auf diesem absoluten Top-Niveau bekam der Verteidiger von den PSG-Stars regelmäßig seine Grenzen aufgezeigt. So wie beim 1:1 von Kvaratskhelia, das Stanisic auch wegen seines schlechten Stellungsspiels zu verantworten hatte. Note: 5 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Mit einer unglaublichen Überzeugung spielte Upamecano im Pariser Prinzenpark auf. In einigen Zweikämpfen ging er bewusst ins Risiko. Trotzdem konnte er die Ausnahmekünstler der PSG-Offensive nicht immer stoppen. Der Anschlusstreffer zum 3:5 war sein erstes Tor in der Königsklasse. Note: 3 © IMAGO/Markus Fischer
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: Seine ganze internationale Erfahrung nutzte der Innenverteidiger gegen Dembele & Co. – das gelang mal besser, mal schlechter. Note: 4 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Überraschend stand der Kanadier statt Konrad Laimer in der Startformation – und Davies zahlte das Vertrauen der Trainer mit einer starken Leistung zurück. Beim Handelfmeter kurz vor dem Pausenpfiff agierte er jedoch unglücklich und trübte seine eigentlich starke Leistung. Note: 4 © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: Weil sich das Spielgeschehen meistens auf den Flügeln zutrug, hatte Kimmich nicht so viel Spielanteile wie gewohnt. Trotzdem war er viel auf dem Platz unterwegs. Note: 3 © IMAGO/Noah Wedel
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlovic: Das Tempo war auch dem jungen Mittelfeldspieler teilweise zu hoch, aber mit seiner cleveren Spielweise und seiner Passstärke konnte er das häufig wettmachen. Note: 4 © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise: Die personifizierte Coolness war in Paris besonders in der Anfangsphase ungewohnt nervös. Doch mit zunehmender Spieldauer legte er das Lampenfieber ab und drehte auf. Nicht nur wegen seines Ausgleichstreffers zum zwischenzeitlichen 2:2. Note: 1 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala: Dem Spielgestalter im zentralen Mittelfeld wurde von seinen Außenbahn-Kollegen Olise und Diaz die Offensiv-Show gestohlen. Musiala zögerte bei Entscheidungen im gegnerischen Drittel häufig zu lange und beim Kopfballtor von Neves nach einem Eckstoß verteidigte er zu zaghaft in der Luft. Note: 4 © IMAGO/David Klein
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Immer wieder trieb der Kolumbianer mit Tempoläufen auf der rechten Außenbahn das Münchner Spiel an. Mal zog er im Dribbling nach innen, mal flankte er gefährlich. Den Strafstoß zum 1:0 der Bayern holte er auch mit seiner Willenskraft heraus, das 4:5 verwandelte er eiskalt. Note: 1 © IMAGO/Noah Wedel
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Der Torjäger erzielte mit seinem eiskalt verwandelten Elfmeter seinen 13. Champions-League-Treffer in der laufenden Königsklassen-Saison. Kane half gewohnt viel nach hinten mit und war sich für keinen Zweikampf zu schade. Note: 3 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer (ab 46. Minute für Davies): Ein gewohnt beherzter Auftritt des Österreichers. Note: 3 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Kam in der 79. Minute – ohne Bewertung. © IMAGO/Noah Wedel
02.08.2025, Fussball Testspiel, FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Kam in der 93. Minute – ohne Bewertung. © IMAGO/Ulrich Wagner
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader. © DeFodi/Imago
Filip Pavić: Ohne Einsatz im Kader.
Filip Pavić: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Deniz Ofli: Ohne Einsatz im Kader.
Deniz Ofli: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Nicht im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Nicht im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Nicht im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Nicht im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic

In der 72. Spielminute war der Halbzeitrückstand komplett gedreht: Kapitän Paul Breitner verwandelte einen Foulelfmeter zum 3:2 für die Bayern und die zahlreich angereisten „Schlachtenbummler“ aus München lagen sich bereits siegessicher in den Armen. In der Schlussminute dann die Krönung einer verrückten, spektakulären zweiten Halbzeit.

Paul Breitner flankte in den Club-Strafraum, Dieter Hoeneß stieg in seiner unnachahmlichen Weise zum Kopfball hoch – er befand sich dabei in seinen besten Zeiten regelmäßig eine „Etage“ über seinen Gegenspielern – und drückte den Ball mit seiner lädierten Stirn zum 4:2-Endstand ins Nürnberger Gehäuse. Am Ende jubelten nach dem wohl größten Comeback der DFB-Pokal-Finalgeschichte einmal mehr die Bayern – der sechste Endspielsieg nach 1957, 1966, 1967, 1969 und 1971 war perfekt.

Dieter Hoeneß dient dabei sicherlich auch als Vorbild für die aktuellen Bayern unter Vincent Kompany: Nie aufgebend, selbst unter widrigen Umständen weiter um den Sieg kämpfend. Einen Turban wie anno 1982 würden heutzutage möglicherweise die viel strengeren Regelhüter nicht gestatten. Mit einer derartigen Einstellung ist aber vielleicht auch das dritte Triple der FCB-Vereinsgeschichte möglich.

Rubriklistenbild: © imago sportfotodienst via www.imago-images.de

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