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Kapitän wackelt

Koch sollte sich an den mutigen Schritt eines Eintracht-Helden erinnern

Eintracht Frankfurt rennt den eigenen Ansprüchen hinterher. Die Stützen geben keinerlei Halt. Kapitän Robin Koch rückt in den Fokus.

Frankfurt – Es war im Februar 2022 eine Entscheidung, die still und heimlich in der Kabine von Eintracht Frankfurt getroffen wurde. Als die Hessen gegen den FC Bayern (0:1) spielten, hatte Kevin Trapp die Binde um den Arm – und das, obwohl mit Martin Hinteregger ein offizieller Vize-Spielführer auf dem Platz stand.

Martin Hinteregger ging damals einen Schritt zurück – und wurde dann zum Helden

Erfolgscoach Oliver Glasner hatte Sebastian Rode zum Kapitän ernannt. Makoto Hasebe und Hinteregger hießen die Stellvertreter. Gegen den FC Bayern fehlten dann Rode und Hasebe. Ein Spielführer Trapp war somit eine große Überraschung. „Martin hat gesagt, dass er sich selbst auf seine Leistung konzentrieren und in Bestform kommen möchte“, hatte Glasner erklärt.

Eintracht-Held Hinteregger als Vorbild für Koch?

Hinteregger fand wieder in die Spur zurück. Er führte die Eintracht mit seinem Last-Minute-Kopfballtor ins Viertelfinale der Europa League und agierte beim Sensationssieg in Barcelona auf Weltklasseniveau. Das Endspiel verpasste der Österreicher zwar wegen einer Verletzung. Dennoch ist Hinteregger unbestritten einer der Europa-League-Helden des Traditionsvereins.

Manchmal hilft eine mutige Entscheidung allen Beteiligten weiter. Dem Spieler selbst, der wieder befreit aufspielen kann. Und damit auch dem gesamten Team, das dadurch einen historischen Erfolg feiern durfte. Drei Jahre später steht die Eintracht vor einer ähnlichen Situation – nur diesmal geht es um Robin Koch.

Wer am Mittwochabend beobachtet hat, wie die Frankfurter gegen den FC Liverpool das nächste Debakel erlebten und 1:5 untergingen, der stellte sich die Frage: Woran hat es gelegen? Der Torhüterwechsel von Kaua Santos zu Michael Zetterer hatte – und dafür kann der herausragend agierende Michael Zetterer nichts – nur wenig Auswirkung auf das Geschehen bei den Hessen.

Robin Koch, in den zwei Jahren zuvor stets eine Stütze, hat jegliche Form verloren. Wiegt die Kapitänsbinde zu schwer? Der 29-Jährige jedenfalls ist auf dem Platz nicht mehr wiederzuerkennen. Die Datenplattform Sofascore bewertet die Profis von eins bis zehn. Kochs letzte Noten: 5,6/6,8/5,9/5,5. Der Lichtblick war ein Doppelpack beim wilden 6:4 bei Borussia Mönchengladbach.

Bislang haben sich die Verantwortlichen stets vor den Nationalspieler gestellt. Sportvorstand Markus Krösche hatte ihn im September zum aktuell besten deutschen Verteidiger ernannt. Nach der Klatsche bei Atlético Madrid (1:5) sagte der Eintracht-Boss: „Wir müssen es als Mannschaft besser machen. Das ist eine Abstimmungs-Sache von allen Spielern.“

Das Thema Koch wird mit Samthandschuhen angefasst. Frankfurt hatte im vergangenen Sommer viel Geld in die Hand genommen, um einen Abgang abzuwehren und den Vertrag zu verlängern. Der Plan war klar, er sollte zu einem der Gesichter des Klubs aufsteigen. „Robin ist ein wichtiger Bestandteil von Eintracht Frankfurt und hat einen großen Anteil am Erfolg – wir haben eine sehr junge Mannschaft, die er mit geführt hat“, erklärte Krösche nach der Unterschrift.

Inzwischen ist Koch auch mit sich selbst beschäftigt. Er patzte in dieser Saison schon mehrfach gravierend. Koch wirkt dadurch gehemmt, die Anzahl der Fehler nagen am Selbstvertrauen. Kann er so vorangehen, wie er das selbst vorhat? Hat er das nötige Selbstvertrauen, um das Eintracht-Schiff wieder in ruhige Gewässer zu lenken? In solch kritischen Momenten wie diesen ist ein Kapitän gefordert.

Als natürlicher Leader bieten sich zwei Akteure an: Rasmus Kristensen und Jonathan Burkardt. Vor allem der Däne geht voran, er übernimmt Verantwortung und wächst in schwierigen Momenten über sich hinaus. Der Run in die Champions League war ganz eng mit der Energie- und Willensleistung von Kristensen verknüpft. Er kann mit Druck umgehen!

Müssen andere Spieler die Eintracht führen?

Burkardt war schon in Mainz Kapitän. Der Angreifer hat als Fan des Klubs das Zeug zur Identifikationsfigur. Er hat bei seinem Ex-Klub zweimal Abstiegskampf gemeistert. Muss dieses Duo die Initiative ergreifen? Die Eintracht befindet sich in einer Phase, in der alle Dinge auf den Tisch kommen und diskutiert werden müssen.

Denn es ist noch immer früh in der Saison. Im November 2021 hätte wohl niemand auf den Europapokaltriumph 2022 gewettet. Auf dem Weg dorthin gab es Korrekturen, die sich final gewinnbringend ausgezahlt haben. Eine Kapitänsbinde kann schwer wiegen. Koch hat in Frankfurt und auch bei der Nationalmannschaft seine Qualitäten als Abwehrspieler gezeigt.

Es ist eine hochsensible Thematik. Final muss allerdings das Wohl für Klub und Mannschaft über allem stehen. Koch hat das Potenzial zum Führungs- und Achsenspieler. Und doch muss er genauestens überlegen, ob die Weitergabe der Binde und beispielsweise die Einführung eines Kapitän-Trios nicht die bessere Wahl wäre.

Rubriklistenbild: © Heiko Becker via www.imago-images.de

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